Eines kann man Mario Götze nicht absprechen: Seinen Willen. Der 26-Jährige will nach zwei verkorksten Jahren bei Borussia Dortmund wieder voll angreifen und zeigte seit dem Auftakt der Vorbereitung vor gut einem Monat ansprechende Leistungen, auch auf dem Spielfeld. Eigentlich ist er ​einer der Gewinner der vergangenen Wochen, doch aufgrund der großen Konkurrenz stellt sich die Frage, ob Lucien Favre einen Platz für ihn findet.


Die anstehende Saison bezeichnete Mario Götze im Interview mit der ​Welt als "sehr, sehr wichtig" - sowohl für den Verein als auch für ihn persönlich. Derzeit ist der offensive Mittelfeldspieler fokussiert, gibt in jeder Trainingseinheit 100 Prozent und kämpft um einen Stammplatz. Es geht um nicht viel weniger als seine Rehabilitation, sowohl beim BVB als auch in der Nationalmannschaft.

Borussia Dortmund Training Camp

     Derzeit legt Mario Götze einen Eifer an den Tag, den man selten von ihm gesehen hat


Die abgelaufene Spielzeit endete mit einem Tiefpunkt: Götze - wie er offenbarte, ahnte er es bereits im März - wurde von Bundestrainer Joachim Löw nicht für die Weltmeisterschaft in Russland berücksichtigt, stattdessen erhielten andere den Vorzug. "Daran muss ich wachsen", sagte er. Er wolle daraus etwas Positives ziehen, um es im nächsten Anlauf besser zu machen: "Ich muss es als ein Erlebnis akzeptieren, das mir dabei helfen kann, die Zukunft anzugehen und die nächste Stufe zu erreichen."


Seine Wirkung hat dieser Warnschuss bereits gezeigt, das hat sich in den bisherigen Testspielen verdeutlicht. Lucien Favre stellte ihn zu Beginn ​im defensiven Mittelfeld auf, durch die Änderung auf ein 4-1-4-1 wurde er etwas weiter nach vorne versetzt, weshalb er beispielsweise bei der 1:3-Niederlage gegen den SSC Neapel neben Mahmoud Dahoud als 'Achter' agierte. Dabei zeigte Götze stets ordentliche Leistungen, weshalb er in den Planungen des Trainers mit Sicherheit nicht außen vor bleibt.


Ähnlich wie beim FC Bayern: Die Zentrale ist voll


Doch die Konkurrenz ist groß, gleich acht Spieler kämpfen um voraussichtlich drei Plätze in der Zentrale: Neben Götze und Dahoud befinden sich noch Shinji Kagawa, Julian Weigl, die Neuzugänge Thomas Delaney sowie Axel Witsel und die potenziellen Streichkandidaten Sebastian Rode und Nuri Sahin mitten im Rennen, keiner von ihnen wird einen Platz auf der Bank einnehmen wollen.

Borussia Dortmund v S.S.C. Napoli - Pre-Seaon Friendly

   Lucien Favres Wunschspieler Axel Witsel - Der Belgier verschärft den Konkurrenzkampf noch einmal enorm


Schwierig wird es dabei vor allem gegen Delaney und Witsel, die die nötige Mentalität mitbringen. Der Biss, der der Mannschaft zuletzt fehlte, soll durch die kostspieligen Neuverpflichtungen (je 20 Millionen Euro) wiedererlangt werden. Götze hingegen besitzt seine Stärken am Ball und ist eher technisch veranlagt, ähnlich wie Dahoud, Kagawa oder Weigl.


Kehl zuversichtlich, dass Götze wieder zu alter Stärke findet


"Bei Mario zählt – wie bei allen anderen – der Leistungsgedanke", verdeutlichte Sebastian Kehl, der neue Leiter der Lizenzspielerabteilung, bei Revier Sport. "Er hat sich viel vorgenommen. Nach den ersten Trainingswochen bin ich zuversichtlich, dass wir wieder öfter und konstant jenen Mario sehen werden, der den BVB und seine Fans in der Vergangenheit schon oft begeistert hat", ist sich der 38-Jährige sicher - auch, weil er Götze bestens kennt: "Ich habe einen sehr guten Zugang zu Mario. Nicht nur, weil wir früher Teamkollegen waren. Er weiß, dass ich ihm eine hohe Wertschätzung entgegenbringe."

Borussia Dortmund v Stade Rennais - Pre-Season Friendly

Ex-Kapitän Sebastian Kehl legt Götze ein besonderes Augenmerk auf Mario Götze


Doch vielleicht ist die Situation, in der sich Götze derzeit befindet, genau das, was er benötigt. Nach einigen mäßigen Jahren erfolgt nun die letzte Chance bei dem Verein, in dem er einst den Durchbruch in der Bundesliga und auf internationalem Parkett schaffte, ehe er dem Lockruf aus München folgte. Gepaart mit dem Konkurrenzkampf ist die Herausforderung riesig, doch ebenso die Motivation und die Bereitschaft, bis an die Grenze zu gehen. Jetzt bietet sich für Mario Götze die beste Gelegenheit, allen zu beweisen, dass er das Fußballspielen auf diesem Niveau nicht verlernt hat.