Nach der Saison 15/16, in welcher die Frankfurter Eintracht in die Relegation gegen den 1. FC Nürnberg musste, steigerten sich die Adlerträger rasant. Es ist die Geschichte eines Klubs, der vom Abstiegskandidaten zum DFB-Pokalsieger wurde. Es ist die Geschichte eines Trainers, der einen Verein um 180 Grad wandelte. Jedoch stellt sich nun die Frage, ob es möglich ist, diese Aufwärtsbewegung am Leben zu erhalten


Der Kroate Niko Kovac änderte bei seiner Ernennung zum Cheftrainer der SGE einiges. Anfang März 2016 erhielt er die Aufgabe, die Eintracht vor dem Abstieg zu retten. Dies gelang dem heute 46-Jährigen, auch wenn es für die Adlerträger in die Relegation ging, die sie im Gesamtergebnis 2:1 gewannen. Das Ergebnis: Kovac stieg durch seine bodenständige Art zum Helden in Frankfurt auf.

FBL-GER-BUNDESLIGA-RELEGATION-NUREMBERG-FRANKFURT

   Die Spieler der Eintracht feiern die gewonnene Relegation gegen den 1. FC Nürnberg



Durch sein intensives Training brachte er die Eintracht zwei Mal in das Pokalfinale. Zwar verloren die Hessen das erste Finale im Jahr 2017 gegen Borussia Dortmund knapp mit 2:1, jedoch holten sich die Frankfurter den Titel 2018 an den Main. Wochen zuvor verkündete Kovac seinen Wechsel zum FC Bayern München und löste einen Shitstorm aus. Oft wurde der Kroate als Verräter oder Ähnliches bezeichnet, was sich aber mit dem Gewinn des DFB-Pokals gegen seinen heutigen Arbeitgeber wieder beruhigte.

Doch damit folgte das erste Zukunftsproblem der SGE: Einen passenden Ersatz für Niko Kovac zu finden. Kovac gilt bis heute als ein besonderer Trainer. Seine harten Trainingsmethoden und seine Motivationsarbeit machten ihn bei den Eintracht-Spielern beliebt und aus vielen kitzelte er das Maximum heraus. So verwandelte er beispielsweise Ante Rebic zu einem Superstar, der zum Ziel vieler europäischen Topvereine wurde.


Der neue SGE-Coach Adi Hütter ähnelt Kovac charakterlich: Sowohl er, als auch Kovac verlangen den Spielern alles ab und sehen die Mentalität als höchstes Gut im Fußball. An der Art des 48-Jährigen liegt es also nicht. Das Problem könnte beim Österreicher jedoch an zwei Punkten liegen: Seine präferierte Spielweise und fehlende Erfahrung im Bundesliga-Alltag. 


Hütter spielt gerne offensiven Fußball - Kovac nicht. Die Mannschaft der SGE ist daher eher auf defensiven Fußball gestellt und aufgrund der zweieinhalb Jahre unter Kovac auch nur diesen Spielstil gewöhnt. Eine Umgewöhnung ist ein schwieriger und langer Prozess und in einer Saisonvorbereitung wahrscheinlich kaum zu bewältigen. Zudem hat Hütter keine Erfahrung im deutschen Fußball. Zwar wurde er mit den BSC Young Boys 2017/18 Meister in der Schweizer Liga, jedoch ist diese nicht auf dem Niveau der Bundesliga. Es bleibt also abzuwarten, ob Hütter es schafft, eine Mannschaft nach seinen Vorstellungen zu formen.

Wehen Wiesbaden v Eintracht Frankfurt - Pre Season Friendly Match

  Adi Hütter gibt seiner Mannschaft im Testspiel gegen Wehen Wiesbaden Anweisungen



Ein weiteres Problem der Eintracht sind die Abgänge und deren Ablösesummen. Omar Mascarell und Marius Wolf wechselten für verhältnismäßig geringe Beträge. Die Hessen erhielten für Mascarell vier Millionen Euro, da Real Madrid vorher noch die Rückkaufoption zog und den Spanier für zehn Millionen an den FC Schalke verkaufte. Marius Wolf wechselte durch eine Ausstiegsklausel in Höhe von fünf Millionen Euro zum BVB. Kevin-Prince-Boateng und Lukas Hradecky wechselten jeweils ablösefrei nach Sassuolo und Leverkusen. Harte Rückschläge für den Traditionsklub, da jeder dieser Akteure essenzieller Stammspieler war und man durch die Transfereinnahmen keinen adäquaten Ersatz finden kann.


Zwar holte die SGE vielversprechende Talente wie Lucas Torro (defensives Mittelfeld) und Frederik Rönnow (Tor), jedoch wird es für diese schwer sein, die abgewanderten Stammspieler zu ersetzen. Zudem hat kein Neuzugang bis auf Nicolai Müller Bundesliga-Erfahrung. Deswegen wird es für die schwierig sein, auf Anhieb Leistung abzurufen. Sollte der Star der Mannschaft, Ante Rebic, gehen, wird es für die Eintracht durch die hohe Ablösesumme eventuell leichter, passenden Ersatz zu finden.

Eine der größten Herausforderungen wird jedoch die Doppelbelastung durch die Europa League sein, wie in der vergangenen Saison der beispiellose Absturz des 1. FC Köln bewies. Die “Geißböcke“ wirkten oft müde und zeigten keine guten Leistungen in der Bundesliga und Europa League. Die Eintracht könnte folgerichtig ein ähnliches Schicksal erwarten.


Adi Hütter steht eine herausfordernde Saison bevor und sein Können wird gefragt sein, um die Eintracht auf dem Level der Vorsaison zu halten.