​André Schürrle hofft nach seinem Wechsel von Borussia Dortmund zurück auf die Insel, seiner Karriere beim Premier-League-Aufsteiger FC Fulham neuen Schwung verleihen zu können. Außerdem meint Schürrle, dass er den FC Chelsea damals zu früh verlassen habe, und nach seiner Rückkehr nach Deutschland vor allem Probleme wegen der Erwartungshaltung und der schwierigen Beziehung zu den Fans hatte. 


In einem Interview mit der englischen ​Sun blickt der ehemalige deutsche Nationalspieler auf den bisherigen Verlauf seiner Karriere zurück: "Wenn ich zurückschaue, würde ich vielleicht einige Dinge ändern. Vielleicht kam der Wechsel nach Deutschland zu früh und ich hätte länger beim ​FC Chelsea bleiben sollen. Aber ich nutzte die Gelegenheit, weil ich ein gutes Angebot eines deutschen Klubs hatte", berichtet Schürrle. 


2015 wechselte der Außenstürmer nach zwei Jahren bei Chelsea zum VfL Wolfsburg. "Aber wie ich mich hier in London gefühlt habe, mit den Fans, die mir so viel Liebe gaben - daran dachte ich, als ich zurück kam. Die Unterstützung war großartig." Der 27-Jährige hatte in diesem Sommer auch ein Angebot des AC Mailand vorliegen, entschied sich aber dazu, leihweise zum Londoner Klub FC Fulham zu wechseln.

Die Rückkehr nach West-London fühle sich nun wie eine Heimkehr an. "Ich kenne all die Orte hier, habe Freunde hier. Ich habe hier alles, was ich brauche und freue mich schon auf die kommende Saison." Doch auch wenn die Erwartungshaltung an den ehemaligen Nationalspieler Schürrle wohl nicht so groß ist wie in Deutschland, erhoffen sich auch die Fulham-Fans viel vom Außenstürmer, der wohl als Stammspieler bei den Cottagers eingeplant ist. Dennoch sei Schürrle die Entscheidung leicht gefallen: "Nach der letzten Saison wusste ich, dass ich eine Veränderung will. Ich wollte raus aus Deutschland. Fulham war der erste Klub, der mich wirklich wollte. Ich hatte einige andere Optionen, aber ich kenne den Südwesten von London. Es war eine leichte Entscheidung für mich."


Nach seinem Abgang von ​Borussia Dortmund erhebt der Weltmeister von 2014 auch Vorwürfe an die deutschen Fans: "Die Liebe der Fans ist, was ich am meisten vermisste. Es ist dort (in Deutschland) anders. Der Zugang der Fans zu den Spielern ist anders. Wir hatten schwierige zwei Jahre, als ich in Dortmund war. Die Beziehung zwischen den Fans und Spielern war nicht leicht. Da ist viel Missgunst in Deutschland, den man von den Fans bekommt - nicht von den echten Fans, denn sie stehen immer hinter ihrem Team."

"Es ist nicht leicht, vor allem wenn man ein deutscher Nationalspieler ist, der in der Vergangenheit Großes geleistet hat und jetzt vielleicht Schwierigkeiten hat. Deshalb, denke ich, spielen die meisten deutschen Nationalspieler im Ausland. Denn wenn du nicht für Bayern München spielst und immer gewinnst, ist es schwer." Schürrle, der 2014 mit drei Toren und zwei Vorlagen - unter anderem der zum Final-Siegtor von Mario Götze - auch einen entscheidenden Anteil am deutschen Weltmeistertitel 2014 hatte, spricht mit dem Neid und der Missgunst gegenüber Profisportlern in Deutschland einen Vorwurf an, der nicht neu ist - allerdings spielen von der aktuellen deutschen Nationalmannschaft nur ein Drittel der Spieler im Ausland. 


Dem öffentlichen Druck in Deutschland zu entkommen, sei deshalb auch eine entscheidende Motivation hinter dem Wechsel zu Fulham gewesen, meint Schürrle, der nun vorerst auch mit der Nationalmannschaft abgeschlossen hat: "Ich hatte eine fantastische Zeit mit der Nationalmannschaft. Ich machte über 60 Spiele und mehr als 20 Tore. Ich habe nicht mit Löw gesprochen. Ich wollte den Wechsel für mich selbst machen. Ich fühle jetzt schon, dass der Wechsel gut für mich ist. Ich bin jetzt bei einem Klub, der aufgestiegen ist und wo die Erwartungen nicht sind, dass wir Zweiter oder Dritter werden. Sie wollen nur sehen, dass wir kämpfen und dem Klub die Punkte holen, die wir brauchen, um in der ​Premier League zu bleiben." Schürrle freut sich deshalb nun auf seinen ersten Klub ohne internationale Ambitionen, seit er 2011 Mainz 05 verließ.