BAD RAGAZ, SWITZERLAND - AUGUST 06: Axel Witsel of Borussia Dortmund rides a bicycle during the Borussia Dortmund training camp on August 6, 2018 in Bad Ragaz, Switzerland. (Photo by TF-Images/Getty Images)

Der Witsel-Transfer unter der Lupe: Pros und Contras zum Deal

Borussia Dortmund hat Belgiens WM-Stammspieler Axel Witsel für 20 Millionen Euro vom chinesischen Klub Tianjin Quanjian verpflichtet. Der 29-jährige zentrale Mittelfeldspieler soll eine Führungsrolle in der jungen Dortmunder Mannschaft übernehmen und gleichzeitig eine gute spielerische Komponente mitbringen. Hier kommen die Pros und Contras zum Witsel-Transfer:

1. Contra: Eine fragwürdige Transferhistorie

Axel Witsel galt bereits in der Jugend bei Standard Lüttich als ein belgisches Toptalent und wechselte mit 22 Jahren zu Benfica Lissabon, spielte dort Champions League mit dem portugiesischen Rekordmeister. Bereits ein Jahr später wechselte Witsel aber nach Russland zu Zenit St. Petersburg. Auch Zenit spielte in der Champions League, allerdings entschied sich Witsel gegen eine Top-Liga und für die finanziell lukrative, aber sportlich schwächere russische Liga. 2017 wechselte Witsel schließlich mit erst 27 Jahren im besten Fußballer-Alter nach China, um dort 18 Millionen Euro pro Jahr zu verdienen. Der Wechsel zu Borussia Dortmund bedeutet für Witsel mit nun 29 Jahren den erstmaligen Schritt in eine der großen fünf Topligen. 

2. Pro: Leistungsträger in der belgischen Nationalmannschaft

Mittelfeldspieler Witsel wechselte im Januar 2017 nach China, wurde aber vom belgischen Nationaltrainer Roberto Martinez stets nominiert und war bei der diesjährigen Weltmeisterschaft Stammspieler beim WM-Dritten Belgien. Trotz der großen Konkurrenz durch etwa Manchester Uniteds Marouane Fellaini, Moussa Dembélé von den Tottenham Hotspur oder Toptalent Youri Tielemans war der 29-jährige Witsel bei der WM im belgischen Zentrum gesetzt. Trotz Stationen in international eher zweitklassigen Ligen kommt Witsel so seit 2008 auf 96 Spiele für die belgische Nationalmannschaft.

3. Contra: Das finanzielle Risiko

Axel Witsel ist bereits 29 Jahre alt und wechselt nun für 20 Millionen Euro zu Borussia Dortmund. Beim BVB unterschreibt Witsel einen Vierjahresvertrag bis 2022 mit einem angeblichen Jahresgehalt von 7,5 Millionen Euro. Allein damit wäre Witsel knapp hinter Marco Reus und Mario Götze einer der drei Topverdiener beim BVB. Angesichts seines Gehalts in China von zuletzt 18 Millionen Euro berichten einige Medien auch von einem Jahresgehalt von rund zehn Millionen Euro in Dortmund, womit er das Gehaltsgefüge nach oben treiben würde. Außerdem dürfte der BVB aufgrund des Alters keine große Ablöse mehr für Witsel generieren können, sollte der Belgier einige Jahre in Dortmund bleiben. 

4. Pro: Ein erfahrener Führungsspieler

Der 29-jährige Witsel hat schon viel erlebt, in verschiedenen Ligen gespielt, fast 100 Länderspiele gemacht und mit Zenit sowie Benfica einige Saisons in der Champions League gespielt. Außerdem wird der Mittelfeldspieler von seinen ehemaligen Trainern als sehr spielintelligenter Spieler mit großen Führungsqualitäten gelobt. Borussia Dortmund hat einen jungen Kader, mit Thomas Delaney bereits einen sogenannten "Aggressive Leader" geholt und nun in Witsel einen Spieler verpflichtet, der seine Mitspieler eher durch seine Präsenz und Übersicht führen kann. Dies sollte dem BVB sofort weiterhelfen.

5. Contra: Überangebot im Mittelfeld

Nachdem Borussia Dortmund mit Witsel und Delaney in diesem Sommer gleich zwei Mittelfeldspieler für 20 Millionen Euro geholt hat, wird es langsam eng im Dortmunder Mittelfeld: Mit den beiden Neuverpflichtungen, den Sechser Julian Weigl und Nuri Sahin, Favres Ex-Gladbach-Schützling Mahmoud Dahoud sowie den Offensiven Mario Götze und Shinji Kagawa streiten sich gleich sieben gestandene Spieler um maximal drei Plätze im zentralen und offensiven Mittelfeld - Spieler wie Sebastian Rode oder Talent Sergio Gomez sind dabei noch gar nicht genannt. Trainer Lucien Favre wird so die Qual der Wahl haben, eine geeignete Mittelfeld-Konstellation für sein System zu finden. Namenhafte oder teure Bankdrücker könnten aber auch für Probleme in der Mannschaft sorgen.

6. Pro: Der von Favre gesuchte spielstarke Achter

Mittelfeldspieler Witsel war bei all seinen Vereinsstationen und auch in der belgischen Nationalmannschaft stets einer der Lieblingsspieler seiner Trainer, weil der Mann mit der auffälligen Afro-Frisur mehrere entscheidende Qualitäten vereint: Zum einen bringt eine unbestrittene fußballerische Qualität mit, außerdem strahlt Witsel als zentraler Mittelfeldspieler auch eigene Torgefahr aus, und kann als Führungsspieler voran gehen. Während der BVB in Person von Julian Weigl bereits über einen Sechser mit starkem Spielaufbau verfügt, und mit Delaney einen Achter verpflichtet hat, der Aggressivität, Lauf- und Zweikampfstärke mitbringt, ist der Belgier Witsel ein zentraler Mittelfeldspieler mit hohen spielerischen Fähigkeiten - Qualitäten, die für Trainer Favres Spielphilosophie entscheidend sind. 

Einige Rahmenbedingungen wie die letzten Vereinsstationen oder das hohe Gehalt von Witsel sprechen im ersten Moment nicht für den Transfer, allerdings hat der 29-Jährige in der belgischen Nationalmannschaft und zuletzt bei der WM wieder gezeigt, dass er auch auf höchstem Niveau seine Leistung bringt. Sportlich sollte der erfahrene Mittelfeldspieler der Dortmunder Mannschaft deshalb definitiv weiterhelfen.