​Nach insgesamt 78 Spielen im Trikot der deutschen Nationalmannschaft gab​ Mario Gomez am Sonntagnachmittag seinen Rücktritt aus der DFB-Elf bekannt. Hatte zuletzt ​Mesut Özil mit seinem medienwirksamen Rücktritt für Unruhe gesorgt, bewies der Stürmer des VfB Stuttgart, sowohl mit dem Zeitpunkt seiner Entscheidung als auch mit der Art und Weise seines Abgangs, viel Feingefühl.


Özil hatte vor wenigen Wochen noch darauf verzichtet den Bundestrainer Joachim Löw im Vorfeld seines Rücktritts und dem damit verbundenen Frontalangriff auf den DFB, in Kenntnis zu setzten. Gomez hingegen zeigte sich kommunikativer. So hatte der 33-Jährige zunächst ​mit dem Nationaltrainer telefoniert, ehe er im Anschluss seine Entscheidung über die soziale Netzwerke publik machte. Dabei sind beide Fälle zwar nicht zwingend miteinander vergleichbar, da die Causa Gomez nicht politische aufgeladen war, dennoch bewies der Offensivspieler Stil.

Zwar war der Zeitpunkt für so machen Beobachter überraschend, dennoch deutete bereits im Vorfeld vieles daraufhin, dass die Zeit des Mittelstürmers, spätestens nach der verkorksten WM mit dem historischen Aus nach der Gruppenphase, bald enden würde. Dabei kam der Angreifer dem Bundestrainer zuvor und nahm ihm gewissermaßen die Entscheidung ab, in Zukunft noch verstärkter auf die Jugend zu setzen. So erklärte der VfB-Spieler in seinem Statement, dass es an der Zeit sei, "Platz zu machen und den vielen jungen und hochtalentierten Jungs die Möglichkeit zu geben, ihren Traum zu erfüllen, sich zu beweisen, Erfahrungen zu sammeln und das Beste für Deutschland zu erreichen". Ein selbstbestimmtes Ende einer internationalen Karriere also.


War seine Zeit im Dress mit dem Bundesadler weiß Gott nicht immer nur positiv, verzichtete der ehemalige Angreifer des FC Bayern München darauf, nachzutreten. Zugeben nachdem ihm sein Wunsch von einer erneuten WM-Teilnahme erfüllt wurde, hätte es dafür auch wahrlich kaum rationale Gründe gegeben, in der aufgeheizten Atmosphäre rund um die Nationalelf tut ein ruhiger Abgang dennoch ungemein gut.

Aus sportlicher Sicht macht die Entscheidung ohnehin Sinn, schließlich wird der robuste Stürmer nicht jünger. War er schon immer nicht gerade für seine Spritzigkeit bekannt, wird der Zahn der Zeit auch in der Zukunft weiter an ihm nagen. So wird sich auch der VfB Stuttgart glücklich schätzen, dass sie nun die ungeteilte Aufmerksamkeit ihres Torjägers genießen können. Dass er in seine Verkündigung sich ein kleines Hintertürchen offen hielt und anbot auch bei der kommenden EM zur Verfügung zu stehen, sofern aus "unwahrscheinlichen Gründen Bedarf" bestünde, sollte man nicht als inkonsequent, sondern vielmehr als weiteres Zeichen von Respekt deuten.