Mit dem Wechsel zum VfB Stuttgart sorgte ​Gonzalo Castro bei vielen für eine Überraschung, doch der Schritt des 31-jährigen Mittelfeldspielers scheint wohl überlegt. Im Gespräch mit der ​Bild sprach er über die ausschlaggebenden Gründe für einen Abgang von Borussia Dortmund, wie er die letzten Jahre in Schwarz-Gelb erlebte und welche Ziele er bei seinem neuen Klub verfolgt.


16 Jahre lang trug Gonzalo Castro das Trikot von Bayer Leverkusen, ehe der gebürtige Wuppertaler im Sommer 2015 zu Borussia Dortmund wechselte. Dort war er zu Beginn unter Thomas Tuchel gesetzt, doch sowohl Peter Bosz als auch dessen Nachfolger Peter Stöger fanden im zentralen Mittelfeld keine Verwendung für den Ballverteiler, der sich daher vor etwas mehr als einem Monat überraschend dem VfB Stuttgart anschloss.

SV Sandhausen v VfB Stuttgart - Pre-Season Friendly

   Soll ein wichtiges Element im Spiel des VfB werden: Gonzalo Castro



Es seien "viele Dinge" gewesen, die ihn letzten Endes zu einem Wechsel zu den Schwaben bewegt hätten. "Michael Reschke (Sport-Vorstand, d. Red.) kenne ich schon seit 18 Jahren, die Euphorie in der Rückrunde hat mich beeindruckt. Dazu wächst hier eine richtig gute Mannschaft zusammen", so Castro, der sich bewusst für einen frühen Abgang entschieden hat, anstatt sich noch einmal bei Lucien Favre neu unter Beweis stellen zu wollen. 


"Zum einen, weil sich der VfB schon recht früh und dann auch intensiv um mich bemüht hat. Zum anderen, weil ich nicht drei, vier Wochen vorspielen und eine Entscheidung abwarten wollte. Dafür bin ich nicht der Typ", begründet er diese Entscheidung. In der Mannschaft von Tayfun Korkut findet sich ein Mix aus erfahrenen Bundesligaspielern und jungen Talenten wieder, wobei Castro vor allem als Führungsspieler fungieren will: "Ich will hier einfach vorne weggehen, den jungen Spielern helfen."

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  Bei Nicolas Gonzalez kommt Castro ins Schwärmen



Angetan zeigte er sich dabei von Angreifer Nicolas Gonzalez. Der Argentinier ist einer der vielen Neuzugänge, konnte in seinen bisherigen Auftritten überzeugen und macht schon jetzt Hoffnung auf eine vielversprechende Saison. "Ich kannte ihn vorher nicht. Aber er ist wirklich ein super Junge. Er ist torgefährlich, bewegt sich gut, geht den Abwehrspielern auf die Nerven. So einer ist Gold wert!"


Rückblick auf Dortmund


Doch um sein Vorhaben, in Stuttgart voranzugehen, umzusetzen, vertraut er vor allem auf die Zeit beim BVB. Dort sei "die Qualität des Kaders schon enorm, unter Champions League zählt nichts. Die Erfahrung auf höchstem Niveau, die ich dort gesammelt habe, will ich hier als Führungsspieler einbringen", führte Castro fort.


Allerdings seien die vergangenen drei Jahre kräftezehrend gewesen - vor allem mental. "Der Anschlag auf unseren Bus hat uns Monate später noch in den Knochen gesteckt, auch wenn der Pokalsieg 2017 das etwas überstrahlt hat. Auch vergangene Saison war viel los." Dennoch lautet sein Fazit: "Insgesamt war die Zeit beim BVB wunderschön. Und sie hat mich in vielen Bereichen weitergebracht." So beispielsweise vor allem unter Thomas Tuchel, unter dessen Leitung sich Castro dem eigenen Empfinden nach "extrem verbessert" habe, wenn es um "das Gefühl für die richtigen Räume und das Timing" gehe.

Doch von nun an konzentriert er sich auf die Aufgaben beim VfB, wo er einen Vertrag bis 2021 unterzeichnete. Was danach passiert, ließ er zumindest in gewissen Teilen offen. So könne es sein, dass er in drei Jahren aufhören wird, oder aber sich noch einmal im Ausland niederlassen will. Nach der aktiven Karriere soll jedoch die Rückkehr in die Heimat erfolgen: "Lebensmittelpunkt wird Leverkusen sein. Wir bauen gerade ein Haus, Familie und Freunde sind dort. Was ich dann mache, weiß ich noch nicht. Erst will ich noch ein paar Jahre spielen."