Mit dem ​FC Liverpool erlebte Jürgen Klopp in der vergangenen Saison einen Höhenflug, wie er ihn bereits aus seiner Zeit bei Borussia Dortmund kannte. Nach der Niederlage im Champions-League-Finale gegen Real Madrid sprach der 51-Jährige im Interview mit Goal über die Lehren der letzten Jahre, wieso der BVB nach 2013 nicht mehr den nächsten Schritt machen konnte und wie er seine jetzige Mannschaft noch besser machen will.


2013 und 2018 stand Jürgen Klopp jeweils in einem Champions-League-Endspiel, beide Male musste er sich geschlagen geben: Mit Borussia Dortmund verlor er in letzter Minute mit 1:2 gegen Bayern München, im Mai setzte es mit dem FC Liverpool eine 1:3-Niederlage gegen Real Madrid.


"Ich hasse es, zu verlieren. Ich musste über die Jahre zwar lernen, es zu akzeptieren - aber ich hasse es trotzdem​", so Klopp, der diese Resultate einzig als eine "Erfahrung" ansieht: "Ich habe fünf Jahre lang gewartet und musste den Verein wechseln, um es noch einmal zu schaffen. Aber so ist das Leben. Ich stand zweimal im Finale, was großartig ist. Aber ohne es zu gewinnen, bleibt es lediglich eine Erfahrung. Eine sehr interessante Erfahrung, aber nicht das, was man sich vorher erhofft."

Borussia Dortmund v FC Bayern Muenchen - UEFA Champions League Final

 Am 25. Mai 2013 war Borussia Dortmund dicht dran am zweiten Titel in der Königsklasse - ging am Ende jedoch als Verlierer vom Platz


Nach der Saison 2012/13 hätte es für den BVB vielleicht noch höher hinaus gehen können, doch innerhalb der nächsten Jahre ging ein Schlüsselspieler nach dem anderen verloren: Bereits vor dem damaligen Halbfinale gegen Real Madrid war klar, dass sich Mario Götze im Sommer dem FC Bayern München anschließen würde - ähnlich wie Robert Lewandowski im darauffolgenden Jahr. Vor zwei Jahren gingen mit Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Hendrikh Mkhitaryan gleich drei Leistungsträger von Bord.


In der Saison 2014/15 bröckelte das Gebilde schließlich, das Jürgen Klopp gemeinsam mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc in den Jahren zuvor erfolgreich aufbaute und mit zwei Meisterschaften sowie dem Double im Jahr 2012 krönte. Doch schon in der Saison 2013/14 sei es nicht mehr so gewesen, wie er es gewohnt war. "Es war nicht alles vorbei nach diesem Endspiel, klar. Wir waren immer noch eine gute Mannschaft, die Zweiter in der Bundesliga wurde oder ins DFB-Pokalfinale einzog. Aber es war nicht mehr exakt die gleiche Situation. Jemand kam und dachte: 'Sie sind zu gut, lasst uns verhindern, dass sie noch einen Schritt weiter gehen'", so Klopp, der offen ließ, was passiert wäre, wenn Götze einem damaligen Wechsel nach München nicht zugestimmt hätte.


Liverpools ist erst "mitten in der Entwicklung"


In Liverpool soll die Geschichte nun einen anderen Verlauf nehmen: "Wir hatten nie das Gefühl, dass Kiew der letzte Schritt ist, wir sind mitten in unserer Entwicklung. Wir sind nicht unschlagbar, sind nicht das beste Team der Welt. Aber wir haben einen ganz besonderen Spielstil, der uns zu einer sehr guten Mannschaft macht." Allen voran mit der Anfangsphase des Endspiels sei er zufrieden gewesen, als man der Mannschaft von Zinedine Zidane auf beeindruckende Weise die Stirn bieten konnte. Doch auch der 51-Jährige weiß, dass seine Mannschaft noch einige Schritte zu gehen hat - und manchmal auch von anderen Dingen profitieren muss: "Wir brauchen vielleicht nur ein bisschen mehr Glück in den entscheidenden Momenten."

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  Seit dem 5:2-Erfolg im DFB-Pokalfinale 2012 ist Jürgen Klopp das Glück in den entscheidenden Momenten verwehrt geblieben


Eine Sache, die man jedoch in die Hand nehmen konnte, war die Kaderplanung: "Wir hatten natürlich auch ein gutes Team, haben aber wohl zwölf oder mehr Spiele zuvor immer mit den gleichen Jungs gespielt. Das ist kein Vorteil. Wenn man in diesen Wettbewerben wie der Champions League oder der Premier League erfolgreich sein will, braucht man mehr Tiefe im Kader." Derzeit arbeite man daran, den Kader in der Breite zu verstärken, weshalb man bis dato rund 182 Millionen Euro in neues Spielermaterial investierte.

Dass dadurch automatisch Erfolg einhergeht, ist selbstverständlich nicht gewährleistet. Doch Jürgen Klopp will vor allem das schaffen, was ihm in Dortmund verwehrt blieb: Den nächsten Schritt machen.