Während der USA-Tour von ​Borussia Dortmund hat Christian Pulisic seine Klasse noch einmal unter Beweis gestellt. Der 19-Jährige zeigt extrem viel Potenzial, ist für sein Alter bereits sehr weit und steht daher unter der Beobachtung vieler Top-Klubs. Schon jetzt ranken sich Gerüchte um seine sportliche Zukunft, die langfristig wohl nicht beim BVB liegen wird. Dennoch sollte man beim BVB die Ruhe bewahren.


Er ist der jüngste Spieler, der jemals für die US-amerikanische Nationalmannschaft auflief, der jüngste Fußballer des Jahres in den Vereinigten Staaten und in ein paar Jahren womöglich ein ganz großer Name: Christian Pulisic. Der Aufstieg des Flügelspielers, der vor drei Jahren von den Pennsylvania Classics nach Dortmund wechselte, verlief rasant.

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  Schon jetzt ist Christian Pulisic ein Mann für die wichtigen Momente.



Seine erste Partie in der Bundesliga absolvierte er im Januar 2016, als er beim 2:0-Sieg über den FC Ingolstadt in der Schlussphase eingewechselt wurde. Seitdem kamen 69 Einsätze hinzu, in denen er neun Tore erzielte, 14 Vorlagen gab und in der Startformation gesetzt war. Derzeit steht Pulisic bei 97 Pflichtspielen für den BVB, doch so mancher fürchtet, dass nicht mehr viele hinzukommen werden.


Die Borussia kämpft seit Jahren mit dem Problem, wichtige Stammspieler nach einiger Zeit verkaufen zu müssen, da diese den nächsten Schritt wagen wollen. Die einzige Ausnahme bildet Marco Reus. Auch Pulisic wird wohl nicht mehr allzu lange im Ruhrgebiet verweilen, ​nachdem er offenbar eine Vertragsverlängerung über 2020 hinaus ausschlug. Angeblich rechnet man mit einem ​Abgang im kommenden Sommer, das Ziel scheint dabei die Premier League zu sein, von der der 19-Jährige träumt.   


Ein Verkauf wäre aus finanzieller Sicht rentabel - kommt Stand jetzt jedoch nicht in Frage


Klar ist, dass das Preisschild für Pulisic den heutigen Marktpreisen entsprechen wird, weshalb über eine geforderte Summe in Höhe von 70 Millionen Euro berichtet wird. Somit würden die Dortmunder zum dritten Mal eine hohe Ablöse erzielen, nachdem man bereits Ousmane Dembélé für 115 Millionen Euro - exklusive Bonuszahlungen - an den FC Barcelona und Pierre-Emerick Aubameyang für 63,75 Millionen Euro an Arsenal London verkaufte. 

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  Rein wirtschaftlich gesehen haben Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc (v.l.) in der jüngeren Vergangenheit vieles richtig gemacht.



Allzu viel investierte man davon noch nicht, die bisherige Transferbilanz liegt lediglich bei etwas mehr als minus vier Millionen Euro. Mit einem Verkauf von Pulisic wäre das Konto noch voller gefüllt, die Möglichkeiten für eine Reinvestition also gegeben.


Zudem würde sich die Suche nach einem Flügelspieler einfacher gestalten als nach einem Stürmer. Im Angriff wird derzeit ​Kevin Gameiro von Atletico Madrid gehandelt, doch die Bemühungen um eine passende Verstärkung ziehen sich seit Monaten. Auf den Außenbahnen hingegen stünden bereits jetzt Marius Wolf und Jadon Sancho bereit, zudem könnte man es sich sogar leisten, gleich doppelten Ersatz zu holen.


Pluspunkt Favre


Dennoch gilt: Ein Verkauf kommt in diesem Sommer nicht in Frage. Dafür ist die Kaderplanung schon zu weit, Lucien Favres erste Ideen beinhalten ebenfalls Pulisic in der Startelf. Von den vielen Gerüchten lässt man sich nicht irritieren, viel mehr fährt man die Marschroute, die man nach den bitteren Abgängen in der Vergangenheit wählen musste, um einen völligen Ausverkauf zu verhindern.

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  Mit Wunschtrainer Lucien Favre soll es nun wieder endgültig bergauf gehen.



Aufgrund einer fehlenden Ausstiegsklausel haben die Verantwortlichen des BVB das Heft des Handelns in der Hand, die Vertragslaufzeit von zwei Jahren bringt sie in eine entspannte Situation: In diesem Jahr bleibt der Spieler. Wenn er weiterhin nicht verlängern will, wird er im kommenden Sommer für eine stattliche Summe verkauft. Aus sportlicher Sicht schmerzlich - wenn auch kompensierbar -, doch finanziell lukrativ. Und auch Pulisic weiß vermutlich, dass er in diesem Jahr noch einmal profitieren kann. Dortmund ist erneut in der Champions League vertreten, hat zudem mit Favre einen Trainer engagiert, der seine Klasse mehrfach in der Bundesliga bewiesen hat.

Der Schweizer kann junge Spieler formen und entwickeln, sein größtes Juwel war einst Marco Reus bei Borussia Mönchengladbach. Unter ihm kann auch Christian Pulisic noch einmal einen Schritt gehen, um nächstes Jahr endgültig für die Premier League bereit zu sein. Noch wird er darauf jedoch verzichten müssen, da klar ist: Solch einen Spieler lässt Borussia Dortmund nicht noch einfach so ziehen, zumal ein Streik wie bei Dembélé von Pulisic wohl kaum zu erwarten ist.