Der ​FC Bayern München ist in Sachen Transfers ein harter Verhandlungspartner - zumindest, wenn sie es wollen. Der Rekordmeister ist an sich kein Verein, der regelmäßig hochkarätige Spieler abgibt. Doch in diesem Sommer scheint es anders: Viel mehr zeigen die Bosse mit ihrer Haltung, wer in ihren Augen verzichtbar ist und wer nicht.


Die Causa Robert Lewandowski war das vorherrschende Thema in München, ehe die Weltmeisterschaft in Russland startete. Der Torjäger wollte wechseln, hoffte nach dem Rücktritt von Zinedine Zidane bei Real Madrid auf die Chance, sich den Traum von einem Engagement bei den Königlichen zu verwirklichen. Doch in München blieb man hart: Lewandowski werde nicht gehen, vielmehr soll er seinen Vertrag bis 2021 erfüllen und in Zukunft weiterhin Tore am Fließband erzielen.

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  Muss bleiben: Robert Lewandowski


"Wir haben Lewandowski und Wagner. Und mit denen sind wir superzufrieden. Ich sage heute voraus: Lewandowski wird eine Super-Saison spielen und seinen Torrekord von 30 Toren bei Bayern München übertreffen", ​bekräftigte Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge gegenüber der Sport Bild noch einmal die Absicht, den Polen nicht ziehen zu lassen.


​Auch Trainer Niko Kovac betonte immer wieder, dass er von einem Verbleib des Angreifers ausgeht: "Bei Robert gibt es nichts Neues. Der Stand ist ganz klar, er wird diesen Verein nicht verlassen, weil wir einen Top-Stürmer haben. Und wir werden ihn mit Sicherheit nicht abgeben wollen und auch nicht abgeben."


Anders sieht es jedoch im Fall Jerome Boateng aus. Der Innenverteidiger erklärte vor einiger Zeit, sich durchaus vorstellen zu können, die Bayern nach mittlerweile sieben Jahren zu verlassen. Doch obwohl der Wechselwunsch nicht so groß scheint, wie es bei Lewandowski der Fall war, ​machte Rummenigge das Fass im Juni über​raschenderweise erneut auf: "Wir wissen, dass das Thema möglicherweise auf uns zukommen kann. Wenn ein Verein kommt und er kundtut, dass er zu diesem Verein wechseln möchte, werden wir uns damit befassen."

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  Darf gehen: Jerome Boateng


Boateng zeigte sich sichtlich überrascht, die Aussagen des 62-Jährigen schienen in seinen Augen nicht vonnöten. Dennoch bleibt es aus Sicht des Vereins dabei: Boateng darf gehen. "Wir haben darüber gesprochen und gesagt: Wenn ein seriöses Angebot kommt, sind wir bereit, uns damit auseinanderzusetzen", so Rummenigge.


Unverzichtbar? Nur die wenigsten


Ähnlich ist es auch bei Arturo Vidal. Der Chilene steht noch bis 2019 unter Vertrag, ​wurde zuletzt mit Inter Mailand in Verbindung gebracht und könnte die Bayern nach drei Jahren wieder verlassen. Im zentralen Mittelfeld besteht ein Überangebot, der Kader soll so klein wie möglich gehalten werden, um Reibungen zu vermeiden. Auch hier heißt es klar: Ein Verkauf ist kein Muss, aber eine Möglichkeit - sofern ein seriöses Angebot eintrifft.

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     Könnte München den Rücken kehren: Arturo Vidal


Wertschätzung klingt jedoch anders. Während man bei Lewandowski oder James Rodriguez, ​über dessen vermeintlichen Wunsch, zu Real Madrid zu wechseln, kürzlich immer wieder berichtet wurde, die klare Linie beibehält, sieht es nicht nur bei Boateng und Vidal, sondern auch bei Juan Bernat oder Thiago anders aus. 


Soll heißen: Wer nicht zu 100 Prozent gebraucht wird, darf gehen. Für Boateng würde Niklas Süle in die Viererkette rücken, anstelle von Vidal oder Thiago hätte man mit Javi Martinez, Sebastian Rudy, Leon Goretzka, Renato Sanches oder Correntin Tolisso noch genügend Alternativen im Mittelfeld. Unersetzlich hingegen scheint nur Lewandowski im Angriff - auch, weil er nicht eins-zu-eins zu ersetzen wäre.


Wiederholt sich das Fiasko von 2014?


Allerdings erscheint es fraglich, ob die Wechselkandidaten im Falle eines Verbleibs noch so recht an das Vertrauen von der Vereinsseite aus glauben. Selbst falls keiner gehen sollte, könnte sich der ein oder andere aufgrund der Spekulationen und Aussagen ersetzbar fühlen und sich im Zuge dessen womöglich erst recht mit einem Abgang beschäftigen. 

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  Der Schritt nach Madrid war für Toni Kroos die richtige Entscheidung - der FC Bayern beging jedoch einen schweren Fehler


Es erinnert ein wenig an das Missgeschick, das vor vier Jahren geschah, als man Toni Kroos für gerade einmal 25 Millionen Euro an Real Madrid verkaufte, da man nicht bereit war, die Gehaltsvorstellungen des 28-Jährigen zu erfüllen. In Madrid entwickelte sich Kroos endgültig zum Dirigenten, lenkt das Spiel im Verein und der Nationalmannschaft durch sein kluges Passspiel und seine gute Übersicht. Bei den Bayern riss er durch seinen Abgang jedoch eine Lücke auf, der Verkauf wurde als größter Fehler der vergangenen Jahre eingestuft. 


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Ob es in Zukunft noch einmal so geschehen wird, bleibt abzuwarten. Vor allem bei einem Boateng-Abgang spielen die Bayern allerdings mit dem Feuer. Mit Mats Hummels stünde nur noch ein international gestandener Innenverteidiger im Kader. Niklas Süle ist zwar hochveranlagt, muss seine Qualitäten über einen längeren Zeitraum aber erst noch beweisen. Und Javi Martinez war in den vergangenen Jahren das ein oder andere Mal verletzt.