MIAMI, FL - JULY 28:  Franck Ribery #7 of Bayern Munich reacts against Manchester City in the second half of the International Champions Cup at Hard Rock Stadium on July 28, 2018 in Miami, Florida.  (Photo by Michael Reaves/Getty Images)

Licht und Schatten: Neun Erkenntnisse der Bayern nach der Niederlage gegen Manchester City

Zwei Testspiele absolvierte der FC Bayern München während seiner USA-Tour, beide gingen verloren: Nach dem 0:2 gegen Juventus Turin folgte ein unterhaltsames, wenn auch enttäuschendes 2:3 über Manchester City, nachdem die Mannschaft von Niko Kovac eine zwischenzeitliche 2:0-Führung verspielte. 


Der Trainer war besonders mit der Offensive zufrieden, haderte jedoch mit dem Abwehrverhalten seiner Spieler und zeigte sich dementsprechend verärgert über die Pleite zum Abschluss der Amerika Reise. Im Folgenden präsentieren wir neun Erkenntnisse, die er und die Mannschaft während der Partie gesammelt haben.

1. Das Siegergen ist noch nicht zu 100 Prozent gereift

Der Gegner aus Manchester erwischte einen guten Abend, doch die Münchner den besseren Start. Dennoch ging die Partie nach dem Seitenwechsel verloren, was Kovac ärgerte: "Ich will alles gewinnen", wurde der 46-Jährige im Anschluss bei Sport1 zitiert.


Dieses Siegergen ließen seine Spieler vermissen. Anstatt dort weiterzumachen, wo man in den ersten 45 Minuten aufgehört hat, folgte nach dem Seitenwechsel der Knick - und die 'Citizens' drehten die Partie erfolgreich. In den vergangenen Jahren waren die Bayern bekannt dafür, bis zur letzten Sekunde alles zu geben, um die stets anvisierten drei Punkte mitzunehmen. Daran wird Kovac in den kommenden Tagen arbeiten müssen.

2. Mangelnde Cleverness

Es gab eine Sache, die den Trainer besonders ärgerte: "Man darf in der 45. Minute nicht den Anschlusstreffer kassieren." Unmittelbar vor dem Pausenpfiff verkürzte Bernardo Silva und erzielte das 1:2 aus Sicht des englischen Meisters. Dadurch war die Mannschaft von Pep Guardiola wieder zurück im Spiel, erarbeitete sich nach dem Seitenwechsel einige Chancen und nutzte die defensiven Mängel der Bayern eiskalt aus. 


"Bei dem ein oder anderen Spieler hat die Cleverness gefehlt", resümierte Kovac, der damit besonders die jungen Spieler in der Defensive angesprochen haben könnte. 

3. Defensive Mängel: Zu einfache Gegentore, zu viele Fehler

Denn diese war mit der Offensivpower des Gegners, der unter anderem mit Neuzugang Riyad Mahrez auf dem Platz stand, ein wenig überfordert. In der Abwehrreihe spielte Jonathan Meier für Juan Bernat, in der Innenverteidigung nahm Chris Richards den Platz für Javi Martinez ein. Doch nicht nur die Nachwuchsspieler erwischten keinen einfachen Abend, auch die restlichen Akteure hätten "in der Rückwärtsbewegung zu viele, einfache Fehler gemacht."


Das müsse man verbessern, so Kovac, der in den kommenden Tagen das Augenmerk verstärkt auf die Stabilität in der Verteidigung setzen muss. So stand Bernardo Silva bei seinem Anschlusstor völlig frei, zudem durfte City bereits zuvor häufig auf das Tor schießen.

4. Ulreich patzt erneut

Im Blickpunkt stand dabei auch Sven Ulreich. Der 29-Jährige leistete sich bereits gegen Juventus Turin einen entscheidenden Patzer und auch im jüngsten Test blieb der Vertreter von Manuel Neuer nicht fehlerfrei. In der 51. Minute ließ er einen Abschluss von Youngster Phil Foden nach vorne abprallen, wodurch der junge Nmecha den Ball im Nachschuss ganz einfach versenken konnte und somit den Ausgleich erzielte.


Auch beim zweiten Treffer von Bernardo Silva, der das 2:3 aus Münchner Sicht markierte, machte er keinen allzu souveränen Eindruck, als der Portugiese den Ball im kurzen Eck unterbrachte. Dennoch sollte sich Ulreich von so etwas nicht nervös machen lassen, sondern solche Fehler einfach abhaken.

5. Die Offensive kommt ins Rollen

So lückenhaft die Abwehr war, so gut war die Offensive. Nach gerade einmal 24 Minuten stand es 2:0 für die Bayern, die auch nach dem Seitenwechsel einige Chancen hatten und den Ausgleich durchaus hätten erzielen können. "Nach vorne haben wir viele gute Sachen gemacht", sagte Kovac laut kicker im Anschluss. 


Die offensiven Akteure zeigten sich spielfreudig, spritzig, variabel und gefährlich, was sich in den kommenden Partien möglicherweise bezahlt macht. Allerdings muss dann auch die Defensivleistung stimmen. Bereits in einer Woche steht mit Manchester United der nächste namhafte Gegner auf dem Programm - auch dort darf man einen guten Auftritt der Vordermänner erwarten.

6. Nachwuchsspieler Shabani überzeugt

Bereits gegen Paris St. Germain und Juventus Turin kam der 19 Jahre junge Meritan Shabani zum Einsatz, gegen Manchester City konnte er seine Leistung krönen: In der 15. Minute erzielte er nach einer Flanke von Rafinha das 1:0 und auch so blieb der offensive Mittelfeldspieler, der an der Seite von Franck Ribery auflief, gefährlich. 


Kovac belohnte ihn mit einem Einsatz über die vollen 90 Minuten, wobei er in der Schlussphase beinahe den Ausgleich erzielt hätte. Sein Schuss ging jedoch über das Tor, weshalb ihm der Doppelpack verwehrt blieb.

7. Ribery überzeugt auf ungewohnter Position

Seit etlichen Jahren ist Franck Ribery auf dem linken Flügel zuhause, doch Niko Kovac entschied sich nun für die Rolle im zentralen offensiven Mittelfeld. "Das war nicht aus der Not geboren. Wir hatten die Überlegung schon", so der 46-Jährige.


"Ich habe mit Franck gesprochen, ob er sich das zutraut und ob er es spielen kann. Er sagte sofort, dass er es gut findet. Er hat es auch sehr gut gemacht." In der Tat sorgte Ribery für viel Gefahr: Das 1:0 leitete er mit einem Pass auf Arjen Robben ein, beim 2:0 setzte er seinen langjährigen Flügelpartner mit einer ansehnlichen Vorlage in Szene.


Auf der Spielmacher-Position überzeugte Ribery vor allem im Zusammenspiel mit Robben, weshalb Kovac möglicherweise öfter auf diese Variante zurückgreift, um Platz für Kingsley Coman zu schaffen, der dann über die linke Seite kommt.

8. Gnabry überzeugt auf der rechten Außenbahn

Eigentlich ist Gnabry ein Spieler für die offensiven Positionen, doch der 23-Jährige wurde bereits während seiner Zeit bei 1899 Hoffenheim von Julian Nagelsmann ab und an als Außenverteidiger eingesetzt. Auf dieser Position lief er nun auch gegen Manchester City auf, nachdem er zur zweiten Halbzeit für Rafinha eingewechselt wurde. 


"Ich glau­be, dass er es kann. Ich sehe da sehr gro­ßes Po­ten­zi­al für seine Zu­kunft", sagte Nagelsmann laut Goal bereits im Februar. Gnabry sei "kein gna­den­lo­ser Kil­ler vor dem Tor, son­dern eine Mi­schung aus Ab­schluss-Spie­ler, aber auch einem, der Tore vorberei­tet und Ak­tio­nen ein­lei­tet. Von daher ist die Po­si­ti­on sehr ge­eig­net. Er hat so ein­fach viel Raum. Den kann er für sein Tempo nut­zen", so der 30-Jährige.  


Dieses Potenzial hat auch Kovac erkannt, der Gnabrys Rolle derzeit offen lässt, jedoch schon einen kleinen Hinweis gab: "Mit seiner Schnelligkeit und seiner Agilität hat er das als Außenstürmer gut gemacht. Es ist eine Lösung für die Zukunft."

9. 'Robbery' harmonieren noch immer

Seit der Saison 2009/10 wirbeln Franck Ribery und Arjen Robben gemeinsam in der Offensive des FC Bayern. Dass das Zusammenspiel auch neun Jahre später funktioniert, stellten beide eindrucksvoll unter Beweis. Über die gesamten 90 Minuten spielten sie sich immer wieder den Ball hin und her, zogen gegenseitig Angriffe auf und waren an beiden Treffern beteiligt.


Allen voran der zweite Treffer, den Robben per Lupfer erzielte, sorgte für Freude: "Das war ein richtig schönes Tor. Genau diese Pässe haben wir auch trainiert. Gut vom Trainer, dass wir das machen. Diese Bewegung ist bei uns drin", so der Niederländer, der zuvor per Chip-Pass von Ribery bedient wurde.


Robben war es auch, der in der 80. Minute die wohl beste Chance auf den Ausgleich hatte, jedoch an Claudio Bravo scheiterte. Insgesamt hinterließen beide Alt-Stars einen guten Eindruck und bewiesen, dass sie immer noch auf hohem Niveau spielen können.