Es ist vollbracht: Die erste Weltmeisterschaft mit der Nutzung des Videobeweises ist vorbei. Interessanterweise hat er nicht, wie viele Experten prophezeit haben, das Fußballspiel zerstört. Selbst die während der ersten Saison mit Video-Assistent in der Bundesliga so kritischen Stimmen verstummten im Laufe des Turniers. Was ist besser gelaufen?


Guckt man sich zunächst an, wie häufig der Video Assistant Referee (VAR) pro Spiel eingegriffen hat, ergibt sich ein klares Bild. Bei der Häufigkeit von Revisionen durch den VAR liegen Bundesligasaison 2017/18 und Weltmeisterschaft 2018 in Russland gleichauf bei 0,31 Revisionen pro Spiel. Das heißt, dass etwa in jedem dritten Spiel eine Entscheidung durch den Videoassistenten geändert wurde. Überprüft wurden aber leicht mehr Szenen als in der Bundesligasaison. Der VAR hat sich laut Angaben der FIFA in der Vorrunde 6,98 Entscheidungen pro Spiel intensiver angeguckt (Zahlen zum gesamten Turnier wurden noch nicht veröffentlicht). In der Bundesliga-Saison waren es 6,8 Szenen pro Spiel. Damit führten bei der WM allerdings leicht weniger Überprüfungen zu einer Revision.

Videobeweis Statistik WM 2018 Daten


Bei der, durch die Überprüfungen verloren gegangenen Zeit, gab es bei der WM auch keine Verbesserung. Im Schnitt haben die VAR-Checks sogar etwas länger gedauert. 80 Sekunden benötigten Schiedsrichter und Assistenten bei der WM für die Entscheidungsfindung - Zwölf Sekunden länger als in der zurückliegenden Bundesliga-Saison. Dafür wurden aber auch im Schnitt ca. zwei Minuten mehr nachgespielt. Die Statistik spricht also nicht für einen besser funktionierenden Einsatz des VARs bei der WM 2018.


Mehr Transparenz führt zu mehr Verständnis


Wesentlich besser verlief aber die Vermittlung der Entscheidungen beziehungsweise auch der Entscheidungsfindung. In der Bundesliga wurden VAR-Revisionen quasi kommentarlos per Anzeigen des mittlerweile bekannten Bildschirmsymbols durch den Schiedsrichter durchgeführt. Sowohl Journalisten als auch das Publikum im Stadion wussten teilweise nicht, welche Entscheidungen aus welchen Gründen revidiert wurden. Dies ist bei der WM anders. Hier wurde jede Überprüfung den kommentierenden Journalisten direkt angezeigt, auch wenn auf dem Feld sichtlich gar nichts passierte. Daneben wurden auf den Leinwänden im Stadion revidierte Szenen und der Grund für die Revisionen angezeigt. Diese Art der Transparenz hat anscheinend die Akzeptanz beim Publikum gehoben. Es könnte die öffentliche Meinung nachhaltig beeinflusst haben. Mal sehen, ob die DFL in der kommenden Saison auf diese Erkenntnisse reagiert.


Weitere Daten zum Einsatz des Videoassistenten in der Bundesliga und bei der Weltmeisterschaft findet ihr in meinem Artikel: ​"Video Assistant Referee at the World Cup 2018"