Am Mittwoch wurde das 30-Millionen-Euro-Missverständnis ausgeräumt: ​André Schürrle wechselt leihweise für zwei Jahre zum FC Fulham und verlässt ​Borussia Dortmund somit erwartungsgemäß. Beim BVB konnte der 27-Jährige kaum an seine Leistungen aus vorherigen Tagen anknüpfen, doch viel mehr überwiegt die erneute Tatsache, dass Transfers fußballromantischer Natur nicht immer Sinn machen.


Endlich waren Thomas Tuchel und André Schürrle wiedervereint. Nachdem beide bereits in der Vergangenheit gemeinsam beim FSV Mainz 05 arbeiteten, ehe der Angreifer im Sommer 2011 zu Bayer Leverkusen wechselte, trafen sie nun wieder bei Borussia Dortmund aufeinander. Doch die Zeit in Dortmund entwickelte sich für Schürrle zu einem Rückschritt, dessen Ursprung mehrere Gründe darstellen.


Zum einen hatte der Nationalspieler von Beginn an mit Verletzungen zu kämpfen. Nach einer Innenbanddehnung im September 2016 folgte im Schlussspurt der Saison eine Reizung der Achillessehne. Den Start der darauffolgenden Saison verpasste er ebenfalls, Grund hierfür war ein Muskelfaserriss. 

Borussia Dortmund Training Session

  In Dortmund kam André Schürrle nie so wirklich an



Doch wenn Schürrle fit war, konnte er nur selten überzeugen. Acht Tore und neun Assists in 51 Einsätzen, nur 27 Mal wurde er von Anfang an gebracht, insgesamt sammelte er rund 2.800 Minuten. Allein Christian Pulisic absolvierte in dieser Zeit über 30 Partien mehr und zeigte sich zudem spritziger und gefährlicher.


"André Schürrle ist ein deutscher Nationalspieler mit herausragendem Offensivpotenzial, der zudem sehr passsicher ist und sich auch in der Defensivarbeit immer wieder geschickt einbringt. Trotz seiner erst 25 Jahre verfügt er über große internationale Erfahrung. Seine Qualität wird für unsere Mannschaft sehr wertvoll sein", wurde Sportdirektor Michael Zorc nach der Verkündung des Transfers vor zwei Jahren auf der ​vereinseigenen Website zitiert. 


Allerdings überzeugte er schon zuvor in Wolfsburg nur selten, beim FC Chelsea blieb er zum Ende hin meist außen vor. Das Potenzial des 27-Jährigen ist unbestritten, doch ähnlich wie bei Mario Götze ging es nach dem entscheidenden Tor im WM-Finale gegen Argentinien eher bergab als bergauf. 


Der Fehler: Emotion statt Qualität


Schon vor der Verkündung des Transfers wurden kritische Stimmen laut, dass der Flügelspieler nicht derjenige war, den der BVB nach den Abgängen von Henrikh Mkhitaryan und Ilkay Gündogan benötigte. Doch irgendwie passte es in das Muster, welches die Verantwortlichen in den Jahren zuvor verfolgten.


Ähnlich wie bei Shinji Kagawa, Nuri Sahin und Mario Götze stand Romantik im Vordergrund. Die drei genannten Akteure feierten in Dortmund ihren Durchbruch, wagten dann den großen Wurf bei Manchester United, Real Madrid und Bayern München - fielen jedoch allesamt durch. Seitdem tat sich vor allem bei Sahin und Götze wenig. Beide sind keine Schlüsselfiguren innerhalb der Mannschaft, ihre Klasse aus alten Tagen längst verblüht. 

Austria Wien v Borussia Dortmund - Friendly Match

   Für Mario Götze geht es in diesem Jahr um nicht weniger als seine Karriere



Während Sahin vor allem in der Rückrunde außen vor blieb, sammelte Götze Einsätze und bewies, dass er sich Mühe gab - Erfolg brachte er jedoch nicht. Kagawa bietet immer wieder gute Leistungen, doch auch er hat immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen und muss sich eingestehen, dass er zu dem Trio gehört, das zu früh zu viel gewollt hat.


Die Transferpolitik musste sich verändern


Borussia Dortmund ist ein emotionaler Verein, der von allen Seiten gelebt wird. Doch bei aller Fußball-Romantik darf man nicht vergessen, dass am Ende des Tages die Leistung im Vordergrund stehen muss. Der Klub hat hohe Ziele, die Mannschaft soll diese umsetzen - wackelte dabei jedoch, obwohl man im vergangenen Jahr den DFB-Pokal-Sieg feiern konnte. Mit Lucien Favre hat man bereits einen Trainer geholt, der mehr auf das Spiel als auf das Umfeld achtet. 


Ähnlich sollte man auch bei Spielertransfers vorgehen: Die emotionale Bindung zum Verein oder zu einzelnen Personen sollte keine Rolle spielen, viel mehr die Qualität. Doch auch so wird es immer wieder Transfer-Flops geben, das liegt schlicht und ergreifend in der Natur des Sports. Die bisherigen Neuverpflichtungen lassen jedenfalls darauf schließen, dass man begriffen hat, worum es wirklich geht.