​Nur mit Müh und Not konnte sich der ​1. FSV ​Mainz 05  letztes Jahr, mit nur drei Punkten Abstand auf den Relegationsplatz, vor dem Abstieg retten. Dieses Jahr soll alles anders werden. Im Interview mit dem kicker haben sich nun die Führungsspieler Niko Bungert, Stefan Bell und Daniel Brosinski zur neuen Saison geäußert


Auf die Frage woran es im letzten Jahr für Mainz 05 nicht gut lief, antwortet Bungert: "Wir haben uns schwergetan, zu unserem Spiel zu finden. Anfangs stimmten die Ergebnisse nicht, das wollten wir dann fußballerisch lösen. In diese Spielidee haben wir uns alle etwas zu sehr reingebissen und dabei leider etwas den typischen Mainz-05-Fußball aus den Augen verloren." Bekanntermaßen schaffen es die Mainzer dann in letzter Minute doch noch, sich zu retten.


Auch Kapitän Stefan Bell weiß, woran es gelegen hat: "Das stimmt schon. Wir wollten etwas mehr Fußballspielen als zuvor, da besteht die Gefahr, dass man die Basis verliert. Wir hatten Neuzugänge, die diese Basis nicht kennen konnten. Vielleicht haben wir es vernachlässigt, ihnen die Mainzer Philosophie einzuhauchen, all das, was uns normalerweise auszeichnet. Wir kamen in die Saison rein, ohne dass wirklich klar war, was unsere Identität sein soll."


Und auch Brosinski, der des Öfteren öffentlich seine Mannschaft verwarnt hat, sieht die Probleme der letzten Saison: "Das Problem ist: Wenn man viel redet, aber nichts tut, dann kann es nicht gut gehen. Wir haben teilweise nicht schlecht gespielt, aber wir haben viele Spiele unnötig hergeschenkt. Gerade, wenn ich an die beiden Spiele gegen Hannover oder das Heimspiel gegen Hoffenheim denke. Wir haben die Tugenden, die uns prinzipiell auszeichnen, leider zeitweise vergessen."

1. FSV Mainz 05 v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Stefan Bell sieht Unterschiede zum vergangenen Jahr 


Doch Bell ist zuversichtlich für die nächste Saison: "Wenn man sich die aktuelle Vorbereitung anschaut, sieht man schon einen riesigen Unterschied, die Inhalte sind andere als im vorigen Jahr."


Bei der Neugestaltung ist vor allem auch die Integration neuer Spieler wichtig. Diese Aufgabe übernimmt meist Brosinski, da er sich in seiner Zeit in Köln nicht integriert gefühlt hat: "Ich bin da ein offener Typ und gehe gerne auf die anderen zu, wenn ich sehe, dass sie Startschwierigkeiten haben. [...] Für mich ist wichtig, dass sich Neuzugänge wohlfühlen; dass sie nicht erst nach zwei, drei Monaten aus sich rauskommen. Das wäre verlorene Zeit. Wenn man sich von Anfang an wohlfühlt, kann man sicherlich besser arbeiten."


Für die neue Saison sind alle drei Spieler nun positiv gestimmt. "Wir sind alle zusammen mit einem Jahr mehr Erfahrung gereift", sagt Bungert. Und auch die Erfolgserlebnisse aus den letzten Bundesligaspielen stimmen die Mainzer positiv.


Dennoch wissen sie, dass es nicht leicht wird. "Wir sind uns bewusst, dass es wieder eine schwierige Saison werden kann. Unser Ziel heißt erneut: 40 Punkte und der Klassenerhalt. [...] Es gibt viele finanziell stärkere Teams in der Liga, aber die wollen wir ärgern. Darauf haben wir richtig Bock."


FC Augsburg v 1. FSV Mainz 05 - Bundesliga

Mainz-Coach Sandro Schwarz wird von Niko Bungert gelobt 


Trainer Sandro Schwarz hatte zuvor nur Jugendmannschaften trainiert und im letzten Jahr mit Mainz zu ersten Mal eine Bundesligamannschaft übernehmen müssen. Auch Stefan Bell bestätigt im Interview, dass es für Schwarz nicht immer leicht war: "Sandro hat [...] womöglich feststellen müssen, dass manche Dinge anders laufen als im Nachwuchsbereich. Wir haben unterschiedliche und deutlich mehr Kulturen in der Mannschaft. Bei uns gibt es auch mal schwierigere Typen oder Spieler, die selbst schon mehr in ihrer Vita stehen haben, mit denen muss man anders umgehen und klare Ansagen machen."


Doch Bungert ist dennoch voller Lob für seinen Trainer: "Sandro hat es letztlich hervorragend gemacht in einer so schwierigen Saison mit all den Unruhen rund um den Verein und einigem Gegenwind immer die Ruhe zu bewahren. Dass wir am Ende die Klasse mit zwei so klasse Spielen halten, darf man auch für den Trainer als großen Erfolg werten."


Für die nächste Saison fordert Brosinski, wieder zurück zu den Mainzer Tugenden zu finden: "Wichtig ist, dass nicht so viel geredet wird, sondern die Dinge umgesetzt werden. Jeder soll wissen, wie Mainz-05-Fußball aussieht."