In der vergangenen Woche trafen sich die Landesverbände des DFB zu einer Klausurtagung in Frankfurt am Main. Die Vorsitzenden der einzelnen Verbände wurden darum gebeten, sich im Vorfeld nicht weiter zu äußern. Hermann Winkler, seines Zeichens Präsident des sächsischen Fußballverbandes, hielt sich allerdings nicht daran und kritisierte die DFB-Verantwortlichen scharf.


Winkler steht der vom DFB praktizierten Aufarbeitung des peinlichen Abschneidens der deutschen Nationalmannschaft bei der WM äußerst kritisch gegenüber. "Wir haben eine Krise. Und es ist die größte, seit ich denken kann im DFB und in der Nationalmannschaft. Und Abducken und wegducken hilft uns nicht weiter", erklärte der 55-Jährige im ZDF-Morgenmagazin. Die Tatsache, dass die Aufarbeitung des historischen WM-Debakels erst am 24. August beginnen soll, rief beim Funktionär großes Unverständnis hervor. 

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Die Kritik am DFB-Vorsitzenden Reinhard Grindel wird zunehmend lauter


"Ich hatte fast den Eindruck, wie viele andere auch, dass das in den Trubel des Bundesligabeginns fallen soll, damit es nicht so auffällt, was da schiefgelaufen ist", betonte Winkler. Der DFB habe zuletzt einige Entscheidungen (u. a. die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw) getroffen, in welche die Landesverbände nicht mit einbezogen waren. Nicht nur deshalb sei die Stimmung in den Vereinen mies. "Das habe ich schon während der WM gemerkt", so Winkler. "Eine teilweise abgehobene, doch recht arrogant wirkende Mannschaft" habe zu einem "Entfremden der vielen Fans von ihrer Nationalmannschaft" geführt. 


Für den sächsischen Verbandschef zähle "offene Kommunikation" zum demokratischen Umgang dazu. Deshalb habe er sich auch nicht an die vom DFB auferlegte "Schweigepflicht" gehalten. "Ich als in der DDR geborener dachte, diese Zeiten seien vorbei. Diese unerbetene Kommunikations-Hilfe war wirklich unnötig", stellte Winkler klar. "Meine Fans, meine Mitglieder, die Vereine haben ein Recht darauf, zu wissen, was tut ihr, wie ist der Stand der Dinge. Und da denke ich, ist es gut, wenn man kommuniziert."

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Nach 92 Länderspielen beendete Mesut Özil seine Nationalmannschaftskarriere


Winkler ist nicht der einzige, der in den vergangenen Tagen gegen die DFB-Spitze austeilte. ​Weltmeister Mesut Özil ​gab am Sonntag seinen Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft bekannt. In seiner Erklärung kritisierte der 29-Jährige unter anderem ​den DFB und besonders den Vorsitzenden Reinhard Grindel scharf.