​Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, hat nach dem blamablen deutschen WM-Vorrunden-Aus und der bisher unzureichenden Aufarbeitung mit scharfen Worten die Führung des Deutschen Fußball-Bundes kritisiert. Laut Rummenigge hätten "beim DFB komplette Amateure das Geschehen übernommen". 


Nach dem Treffen der DFB-Führung am gestrigen Donnerstag, das für die Öffentlichkeit weitestgehend ohne Ergebnis oder Erklärung blieb, ​wetterte Rummenigge heute gegen die handelnden Personen des deutschen Fußball-Dachverbands und deren Umgang mit dem historischen WM-Aus: "Es ist eine Krise des DFB und der DFB muss sich fragen, ob er in dieser Krise die richtigen Lösungsansätze sieht oder eben nicht. Ich bin ein Stück irritiert und auch erstaunt über das, was man beim DFB so als Krisenbewältigung versteht, weil mir da so ein bisschen die Fußballkompetenz fehlt. Es gibt viele Kleinigkeiten, die man ein Stück weit kritisieren kann, die beim DFB im Moment nicht in die richtige Richtung laufen. Und das hat ganz einfach mit den handelnden Personen zu tun", fordert Rummenigge indirekt personelle Konsequenzen und Rücktritte im DFB.

Dabei scheut der Vorstandsvorsitzende des ​FC Bayern auch nicht davor zurück, Namen zu nennen: "Ich fordere gar nichts. Ich stelle nur fest, dass beim DFB komplette Amateure das Geschehen übernommen haben. Da spielen natürlich Leute wie Koch (Vizepräsident) und viele Landesfürsten eine Rolle. Ich halte Philipp Lahm und seinen Berater Roman Grill für perfekt passend für den DFB. Es wäre vielleicht eine interessante Lösung, ihn als Vize-Präsident dort zu installieren, um im Präsidium ein Stück Professionalität hineinzubringen", bringt Rummenigge den ehemaligen Bayern-Spieler und aktuellen DFB-Botschafter Lahm in Stellung. 


Bei Bundestrainer Joachim Löw sieht Rummenigge nach dem erstmaligen deutschen WM-Vorrunden-Aus allerdings keine Verantwortung hinsichtlich personeller Konsequenzen: "Man sollte Jogi Löw die Chance geben, er hat zwölf Jahre lang einen überragenden Job gemacht. Einem solchen Mann ist man dann trotzdem auch ein Stück weit zur Dankbarkeit verpflichtet und deshalb ist es in dieser Richtung die richtige Entscheidung, Jogi Löw weiterhin mit der Betreuung zu beauftragen", meint Rummenigge zur Trainerfrage. 

Der Bayern-Vorstand ist vor allem der Meinung, dass der DFB sich mehr auf die Nationalmannschaft, als auf den Amateurfußball fokussieren solle: "Der DFB muss sich ein Stück mehr dem professionellen Fußball öffnen und sich nicht nur verantwortlich zeigen für den Amateurfußball. Ich glaube, in Deutschland interessiert das, was die Nationalmannschaft als wichtigste Mannschaft abliefert. Und nicht die Amateurligen." 


In Anbetracht der Tatsache, dass der DFB der Dachverband des gesamtdeutschen Fußballs ist und mehr als 25.000 Vereine repräsentiert, erscheint dies doch als eine recht einseitige Betrachtung der Problematik. Eine Erklärung, welche Verantwortung die Landes- und Amateurverbände für das sportliche Versagen der Nationalmannschaft und Führungsversagen des DFB-Präsidiums tragen, bleibt Rummenigge in seiner Brandrede nämlich schuldig.