VIENNA, AUSTRIA - JULY 13: Head coach Lucien Favre of Dortmund looks on during the friendly match between Austria Wien and Borussia Dortmund at Generali Arena on July 13, 2018 in Vienna, Austria. (Photo by TF-Images/Getty Images)

Die Karten werden neu gemischt: Die 6 härtesten Konkurrenzkämpfe beim BVB

Mit Lucien Favre wagt Borussia Dortmund nach der langjährigen Ära von Jürgen Klopp den insgesamt dritten Neuanfang. Der Schweizer soll den BVB wieder zur zweiten Kraft hinter Bayern München formen und bekam dafür neues Spielermaterial gestellt. In allen Bereichen des Spielfeldes werden die Karten neu gemischt, weshalb manche ernsthaft um ihren Stammplatz bangen müssen und andere wiederum die Chance wittern, den Durchbruch zu schaffen und regelmäßig zu spielen.


Im Folgenden präsentieren wir sechs enge Konkurrenzkämpfe, die in den kommenden Monaten beim BVB ausgetragen werden.

1. Roman Bürki vs. Marwin Hitz

Das Duell zwischen den beiden Torhütern Roman Bürki und Marwin Hitz ist eines, das man zu Beginn nicht so recht auf dem Schirm hatte. Der langjährige Keeper des FC Augsburg beschloss im Mai, die Fuggerstädter zu verlassen, wenig später gab die Borussia die Verpflichtung des 30-Jährigen bekannt.


Dessen drei Jahre jüngerer Konkurrent Bürki wackelte in der abgelaufenen Spielzeit, bekam jedoch das Vertrauen der sportlichen Leitung ausgesprochen und war bis zum Ende der Saison klar gesetzt. Doch Hitz legte früh Extraschichten ein, verzichtete freiwillig auf die Weltmeisterschaft und arbeitet seit dem ersten Tag hart daran, seinen Schweizer Landsmann im Rennen um den Platz zwischen den Pfosten auszustechen. Ob es ihm gelingt, wird man im Laufe der Saison sehen.

2. Abdou Diallo vs. Ömer Toprak

Der Schweizer Manuel Akanji scheint nach dem Verkauf von Sokratis der erste Innenverteidiger zu sein, der in der Viererkette gesetzt ist. Fraglich ist nur, wer gemeinsam mit ihm das neue Duo in Schwarz-Gelb bildet: Abdou Diallo oder Ömer Toprak?


Toprak wechselte vor einem Jahr von Bayer Leverkusen in den Ruhrpott und absolvierte insgesamt 36 Pflichtspiele, in denen er jedoch überwiegend eine wackelige Figur machte. Der 28-Jährige wurde monatelang scharf kritisiert, wurde unter Stöger allerdings nach und nach stabiler. 


Dennoch bekommt er mit Diallo große Konkurrenz. Der Franzose wurde für 28 Millionen Euro vom FSV Mainz 05 verpflichtet und spielte bei den Rheinhessen eine erfolgreiche Saison, an deren Ende der Klassenerhalt verbucht werden konnte. Der 23-Jährige ist ein typisches Produkt der französischen Nachwuchsarbeit, die in der Vergangenheit viele große Talente auf den Markt brachte.


Diallo überzeugt durch sein gutes Gespür für Grätschen, seine gute Spieleröffnung und seine gute Zweikampfführung. Für beide wird es ein enges Rennen, doch Diallo genießt einen leichten Vorsprung. 

3. Lukasz Piszczek vs. Achraf Hakimi

Lukasz Piszczek ist seit Jahren zweifelsfrei auf der rechten Abwehrseite des BVB gesetzt, bekommt nun jedoch Konkurrenz aus Madrid: Der 19-jährige Achraf Hakimi wurde für zwei Jahre von Real Madrid ausgeliehen, um den eher sporadischen Konkurrenzkampf zwischen Piszczek und dem glücklosen Jeremy Toljan anzuheizen.


In der abgelaufenen Saison absolvierte Hakimi 17 Pflichtspiele für die 'Königlichen' und stand bei der Weltmeisterschaft für Marokko in allen drei Gruppenspielen über 90 Minuten auf dem Platz. Piszczek hingegen ist bereits 33 Jahre alt und hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Der jahrelange Rechtsverteidiger zeigt sich noch immer engagiert, könnte aber Opfer des Generationswechsels werden und gegen den deutlich jüngeren und spritzigeren Hakimi ins Hintertreffen geraten. 

4. Andre Schürrle vs. Maximilian Philipp

Andre Schürrle ist Weltmeister, feierte mit dem VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund jeweils den DFB-Pokalsieg und darf sich nach dem Titelgewinn des FC Chelsea im Jahr 2015 auch Englischer Meister nennen - doch davon ist nicht viel übrig. Der 27-Jährige, der in Mainz unter Thomas Tuchel die ersten Schritte im Profibereich machte, wechselte vor zwei Jahren nach Dortmund und erlebte dort eine überwiegend unglückliche Zeit.


51 Pflichtspiele, acht Tore und zehn Assists klingen auf dem Papier gut, doch Schürrle hatte vor allem im vergangenen Jahr von April bis Oktober mit einer Achillessehnenreizung und einem Muskelfaserriss zu kämpfen und verpasste schon in seiner Premierensaison aufgrund einer Innenbanddehnung im Knie mehrere Partien.


Trotz neun Torbeteiligungen in 26 Einsätzen gab der gebürtige Ludwigshafener in der vergangenen Spielzeit eine eher mageres Bild ab. Doch mit Verletzungen hatte auch Maximilian Philipp zu kämpfen, der vor einem Jahr für 20 Millionen Euro vom SC Freiburg verpflichtet wurde. Der 24-Jährige fehlte von Dezember bis Februar aufgrund einer Luxation der Patellasehne, war zu Saisonbeginn unter Peter Bosz allerdings gesetzt und wusste mit vier Toren und zwei Vorlagen nach sechs Partien zu überzeugen.


Nach seiner Rückkehr im März folgten drei weitere Treffer, weshalb man auch in Zukunft klar an Philipp festhält. Die Frage ist nur, auf welcher Position er in der kommenden Saison spielen wird. Denkbar ist ein Platz im Angriff, wo er als Mittelstürmer agieren würde. Abgeneigt scheint er nicht, doch man wird zunächst abwarten müssen, inwiefern die Vereinsbosse noch auf dem Transfermarkt zuschlagen werden.

5. Mario Götze vs. Shinji Kagawa

Mario Götze und Shinji Kagawa sind zwei Spieler, die ihre beste Zeit in Dortmund bereits hinter sich haben und mit einem Vereinswechsel einen Knick in ihrer Karriere erlebten. So zog es Götze im Jahr 2013 zum FC Bayern München, wo er jedoch nicht wirklich eine dauerhaft positive Figur abgab und zum Ende hin eine eher untergeordnete Rolle spielte, weshalb er drei Jahre später den Weg zurück zum BVB Wählte.


Ähnlich erging es Kagawa, der ein Jahr zuvor zu Manchester United wechselte, jedoch nur zwei Jahre später zurückkehrte. Der Japaner machte seit seiner Rückkehr einen besseren Eindruck als Konkurrent Götze und glänzte besonders in der Saison 2015/16, in der er in 46 Partien 26 Torbeteiligungen sammelte. Am Ende der abgelaufenen Saison fehlte der 29-Jährige aufgrund einer Knöchelverletzung, präsentierte sich davor jedoch in guter Form und erzielte sechs Tore und sieben Vorlagen in allen Wettbewerben.


Götze hingegen hatte zuvor mit einer Stoffwechselerkrankung zu kämpfen und steht nach einer weiteren unglücklichen Saison 2017/18 vor einem wegweisenden Jahr. Der gebürtige Memminger präsentiert sich zwar kämpferisch auf dem Platz und zeigt hohen Einsatz, kann jedoch nur selten an seine damaligen Leistungen anknüpfen. Lucien Favre setzte ihn im ersten Test gegen Austria Wien ins defensive Mittelfeld, wo er sich vielleicht noch einmal neu erfinden kann. Insgesamt scheint Kagawa jedoch in besserer Verfassung zu sein, was sich vor allem vor dem Tor bezahlt macht. 

6. Marius Wolf vs. Christian Pulisic

Angesichts seiner Leistungen bei Eintracht Frankfurt war Marius Wolf aufgrund seiner Ablösesumme von gerade einmal fünf Millionen Euro ein echtes Schnäppchen. Der 23-Jährige  ist auf der rechten Außenbahn ein unermüdlicher Arbeiter und macht durch seine Schnelligkeit auf sich aufmerksam. In 34 Pflichtspielen erzielte er sechs Tore, hinzu kommen elf Assists für den Pokalsieger.


Doch Christian Pulisic ist noch ein Stück weiter. Der 19-Jährige, der im Dezember zum 'Fußballer des Jahres' in den USA gekürt wurde und im Alter von 17 Jahren bereits für die Nationalmannschaft auflief, war in der vergangenen Saison gesetzt, absolvierte 42 Partien und brachte es in der Bundesliga auf zehn Torbeteiligungen. 


Wolf soll den Konkurrenzkampf anheizen und Pulisic im Zuge der langen Saison entlasten, doch klar ist auch, dass er sich mit wenigen Einsätzen nicht zufrieden geben will. Pulisic mag aufgrund den Leistungen in den vergangenen Jahren einen leichten Vorsprung innerhalb der Mannschaft genießen, doch Wolf arbeitet stets an sich und seiner Entwicklung, weshalb er alles daran setzen wird, seinen Konkurrenten zu schlagen.