Noch vor einigen Jahren investierte der ​FC Bayern München nach einer schwächeren Saison mehrere Millionen Euro in neues Spielermaterial, um die Vormachtstellung im deutschen Fußball wieder zu untermauern.In der jüngeren Vergangenheit sah das Bild allerdings anders aus. Der Rekordmeister investiert in immer weniger Spieler, vertraut dabei auf die eigene Stärke und streicht durch den ein oder anderen Abgang sogar noch Gewinne ein. Aber reicht diese Strategie allein, um auf dem internationalen Parkett auch in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben?


Das Sommer-Transferfenster des Jahres 2007 bleibt den meisten Fans des FC Bayern vermutlich auch heute noch in Erinnerung. Nach dem mageren vierten Tabellenplatz in der Vorsaison investierten die Vereinsbosse insgesamt über 81 Millionen Euro für Franck Ribery, Miroslav Klose, Marcell Jansen, Luca Toni, Jose Ernesto Sosa und Jan Schlaudraff. Zudem sicherte man sich die Dienste von Rückkehrer Zé Roberto und Hamit Altintop - im Winter kam dann noch Breno für zwölf Millionen Euro dazu.


Eine derartige Summe erreichte man in den Folgejahren nicht mehr, und es entwickelte sich ein klares Muster: Immer dann, wenn der Verein auf nationaler Ebene erfolgreich war, wurde nahezu nichts investiert. Zerschlugen sich die Titelambitionen, wurde das Festgeldkonto geöffnet. Allerdings wurde in den vergangenen Jahren nicht mehr so vehement für das Stammpersonal eingekauft, wie es einst der Fall war.


Der letzte große Umbruch fand im Sommer 2012 statt: Damals verpflichtete man Mario Mandzukic, Javi Martinez, Xherdan Shaqiri, Dante und Mitchell Weiser. Doch mit Transfers wie Juan Bernat, Pepe Reina, Sinan Kurt oder Sven Ulreich verstärkte man auch immer wieder die Bank, während die etablierten Spieler meist erhalten blieben.


Glaube an die eigene Stärke


Grund hierfür war die Haltung der Münchner, nur dann Spieler zu verkaufen, wenn man sich keine Sorgen um einen Ersatz machen musste - ganz wie im Fall Jerome Boateng, wo mit Niklas Süle bereits ein Ersatzkandidat in den Startlöchern steht. Doch trotz Ausgaben im hohen zweistelligen Millionenbereich wurden kaum 'Granaten' wie James Rodriguez verpflichtet, was bei den Anhängern nicht immer Anklang findet. Die Sorge, dass man international an Boden verliere, besteht bereits seit geraumer Zeit, zumal die Hürde der spanischen Mannschaften kaum zu überwinden scheint.

FC Bayern Muenchen v VfB Stuttgart - Bundesliga

 Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge (v.l.) haben andere Vorstellungen von der Transferpolitik



Groß investiert wird trotzdem nicht, das stellte Uli Hoeneß bereits auf der Meisterfeier im Mai klar. Der 22 Mann große Kader, ​der sogar noch verkleinert werden soll, sei potent genug, um wieder lange auf allen drei Hochzeiten tanzen zu können. Doch bereits seit langem wird ein Umbruch gefordert, der nur langsam vollzogen wird.


Das Durchschnittsalter des Aufgebots liegt bei 27,5 Jahren, was den mit Abstand höchsten Wert aller Bundesligisten darstellt. Auf Platz zwei liegt der FC Schalke 04 mit gerade einmal 26 Jahren. Doch während beispielsweise Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng, der bei einem passenden Angebot wechseln darf, mit 28 beziehungsweise 29 Jahren im besten Fußballalter sind, gibt es mit Rafinha, Arturo Vidal, Sandro Wagner sowie Franck Ribery und Arjen Robben gleich fünf Feldspieler im Kader, die die Marke von 30 Jahren bereits überschritten haben, und einzig Wagners Zukunft scheint noch einige Jahre in München zu liegen.


Die einzigen beiden Neuzugänge des bisherigen Sommers sind Leon Goretzka und Serge Gnabry. Ersterer kostete lediglich ein sattes Handgeld, während Gnabry von seiner Leihe in Hoffenheim zurückkehrte. Beide sind eine langfristige Investition in die Zukunft, doch besonders in der Offensive wird man spätestens im kommenden Jahr handeln müssen.


Der Umbruch schreitet nur langsam voran


Denn ob Robben und Ribery noch einmal für ein Jahr unterschreiben werden, ist derzeit fraglich, womit schon einmal zwei Flügelspieler wegfallen würden. Kingsley Coman entwickelt sich stetig weiter und hat durchaus Potenzial, ein sehr guter Nachfolger auf der linken Außenbahn zu werden, doch ohne doppelte Besetzung fehlt das nötige Spielermaterial zur Rotation. Mit Wagner hat man bereits solch einen Ersatz für Robert Lewandowski, doch nur kurzfristig zu handeln hilft derzeit nicht weiter.

FC Bayern Muenchen Press Conference

  Muss aus dem Aufgebot eine titelreife Mannschaft formen, und den Umbruch in Zukunft mitgestalten: Trainer Niko Kovac



Niko Kovac ist der Trainer, der den Umbruch vollziehen soll, doch damit lassen sich die Vereinsbosse Zeit. Sie wissen, dass ihr Kader noch ausreicht, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Auf nationaler Ebene ist man auf lange Sicht ohnehin kaum zu schlagen, einzelne Partien wie das Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt sind als (schmerzvolle) Ausrutscher zu verbuchen. In der Champions League scheiterte man im Halbfinale nur knapp an Real Madrid, weshalb man trotz der - für Münchner Verhältnisse - mageren Ausbeute von insgesamt zwei Titeln in den vergangenen beiden Jahren weiter selbstbewusst bleibt. 


Auf Dauer darf man sich jedoch nicht darauf verlassen, dass dieses Verhaltensmuster Erfolg verspricht. Wenig verwunderlich ist es daher, ​dass Kovac seine Mannschaft so variabel wie möglich gestalten will, um die zurückhaltende Haltung auf dem Markt zu kompensieren. Möglicherweise müssen daher in Zukunft wieder 'Granaten' her, um weiterhin das Niveau der vergangenen Jahre zu halten.