​Nach nur wenigen Tagen hat der neue Bayern-Trainer Niko Kovac schon etwas Beachtliches geleistet: Zum einen hat er es zusammen mit seinem Bruder und Co-Trainer Robert Kovac geschafft, dass trotz der enttäuschenden letzten Saison Freude und gute Laune im Training des FC Bayern einkehrt sind. Außerdem ist es Kovac scheinbar gelungen, Renato Sanches wieder in eine positive Stimmung zu bringen und von einem zweiten Versuch beim Rekordmeister zu überzeugen. 


Nach dem enttäuschenden Jahr in Swansea, wohin Renato Sanches in der vergangenen Saison verliehen war, hatten vor dem Start der Vorbereitung nur wenige damit gerechnet, dass der 20-jährige Portugiese beim FC Bayern noch eine Chance erhält und Niko Kovac mit ihm plant. Denn Sanches galt nach den zwei schwachen letzten Jahren als Problemspieler, der sein vorhandenes Talent aufgrund schwacher Form und Einstellung nicht auf den Platz bringt. Doch Kovac zeigte bereits bei seiner Station bei ​Eintracht Frankfurt, dass er wie im Fall von Kevin-Prince Boateng mit anspruchsvollen Charakteren umgehen und mit jungen, unfertigen Spielern arbeiten kann. So machten Talente wie Ante Rebic, Marius Wolf oder Luka Jovic unter Kovac bei der Eintracht den nächsten Schritt.

Nun könnte bei den Bayern der immer noch junge Sanches zu einem solchen Projekt werden. Denn in den vergangenen Spielzeiten konnte der Portugiese noch nicht zeigen, dass er das Zeug für die Mannschaft des Rekordmeisters hat. Noch vor der Europameisterschaft 2016 verpflichteten die Bayern den damals 18-Jährigen mit großen Erwartungen für 35 Millionen Euro von seinem Ausbildungsklub Benfica Lissabon. Bei der EM spielte sich Sanches dann auf die große Bühne. Der Mittelfeldspieler wurde im Laufe der Gruppenphase zum Stammspieler, stand in der K.O.-Phase in jedem Spiel in der Startelf und hatte so seinen Anteil am EM-Titel Portugals. Deshalb wurde Sanches zum Nachwuchsspieler des Turniers gewählt. Der 18-Jährige überzeugte bei dem Turnier vor allem mit seiner Athletik und Dynamik. 


Doch in der anschließenden Saison konnte sich Sanches bei den Bayern nicht etablieren. Er kam zwar auf 17 Bundesligaeinsätze, blieb allerdings ohne Torbeteiligung und fand sich nie wirklich im Ballbesitzspiel des ​FC Bayern zurecht. So wirkte Sanches oft planlos und verlor zu viele Bälle. Deshalb entschied man, Sanches in der vergangenen Saison nach Swansea City zu verleihen, wo zu dem Zeitpunkt Paul Clement, vorher Assistenztrainer von Carlo Ancelotti, als Trainer tätig war. Doch auf der Insel lief es noch schlechter. Der Mittelfeldspieler kam beim späteren Absteiger Swansea nur mehr auf zwölf Ligaspiele und konnte nichts von seinem Potential zeigen.

Deshalb gab es zum Ende der letzten Saison Berichte, dass der Portugiese zu seinem Jugendklub Benfica zurückkehren wolle. Doch die ersten Trainingstage beim FC Bayern unter Neu-Trainer Kovac zeigen ein anderes Bild: Sanches kam in einer sehr guten körperlichen Verfassung und offensichtlich motiviert aus dem Urlaub, und zeigte bisher meist sehr gute Trainingsleistungen. Auch Kovac hatte zuvor schon angedeutet, mit jungen Spielern wie Sanches oder auch Serge Gnabry arbeiten zu wollen. Die Zukunft des ehemaligen Toptalents ist also noch nicht entschieden. Nun wird der 20-Jährige erst einmal die Vorbereitung mit dem FC Bayern absolvieren. Wohin der Weg dann führt, wird so auch von Sanches Leistung in den kommenden Wochen abhängen.