BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat weiterhin viel zu sagen. Eigentlich wollte sich der 59-Jährige in der Öffentlichkeit etwas zurücknehmen, zu Beginn der Saisonvorbereitung spricht Watzke aber gerne und häufig über das aktuelle Geschehen. Nun hat er sich erneut zum DFB-Team geäußert, über die Entwicklung im deutschen Fußball gesprochen und was er sich von Lucien Favre erhofft.


​Er kann es einfach nicht lassen. Es vergeht derzeit gefühlt kein Tag, bei dem sich ​BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nicht über die aktuellen Geschehnisse im Fußball und speziell bei der Borussia äußert. Hier das Thema DFB, Mesut Özil und die Erdogan-Affäre, da Mario Götze, dem "irgendwas" fehle und dort der viel zitierte und öffentlich breitgetretene Umbruch bei den Schwarz-Gelben.


Eigentlich wollte sich der 59-Jährige etwas zurücknehmen. Mit Teammanager Sebastian Kehl und dem externen Berater Matthias Sammer sollte die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden und Watzke sich so ​etwas aus dem Rampenlicht nehmen können. Das erklärte er noch Mitte Mai in einem großen Interview mit dem Fanmagazin Schwatzgelb


Doch so richtig zurückhalten kann sich Watzke bislang nicht. Der BVB-Tross war am Samstag nach Wien gereist, um im Rahmen der Stadioneröffnung des österreichischen Traditionsklubs ein Testspiel gegen die Wiener Austria zu absolvieren. Es war das erste Spiel mit Lucien Favre an der Seitenlinie. Der BVB gewann durch einen Treffer von Alexander Ishak mit 1:0.

Der BVB-Boss nahm die Partie zum Anlass, um über den neuen Übungsleiter zu sprechen, erklärte seine Sicht zur Entwicklung im europäischen Fußball und sinnierte über das Krisenmanagement beim DFB.


Für Watzke ist die "klare Handschrift" das entscheidende Kriterium


"Nach einer Woche verbietet sich ein Fazit, auch ein erstes Fazit. Und der Quervergleich zu Peter Stöger ist ohnehin nicht zulässig“, erklärte Watzke gegenüber den ​Ruhr Nachrichten zu Favres ersten Tagen als BVB-Coach. "Ich hatte in Gladbach immer das Gefühl, dass die Fans seine Arbeit geschätzt haben", meinte er über den Schweizer. Favre soll Dortmund wieder erfolgreich machen - am besten so, wie es zwei seiner prominenten Vorgänger gelang. 

"Die beiden Trainer, die in Dortmund am erfolgreichsten gearbeitet haben, waren total unterschiedliche Typen. Ich spreche von Ottmar Hitzfeld und Jürgen Klopp. Manchmal ist es vielleicht nicht schlecht, ein Entertainer zu sein. Jürgen zum Beispiel konnte dir eine Niederlage so erklären, dass du danach trotzdem stolz warst", so der BVB-Boss. "Aber am Ende denke ich doch, dass es wichtiger ist, dass man eine Handschrift erkennt und Erfolg da ist", so Watzke weiter.


Eine klare Handschrift ist etwas, wofür Favre steht und stehen soll. Als Leiter des Neuanfangs will er Ballbesitz und Konterfußball vereinen. Eine Mischung, die für eine gewisse BVB-Identität sorgen soll und die gerade in der vergangenen Spielzeit schmerzlich vermisst wurde. Eine Mischung, die sich aber auch an die aktuelle Entwicklung anpassen soll.

Austria Wien v Borussia Dortmund - Friendly Match

Lucien Favre soll dem BVB wieder eine klare Handschrift vermitteln


"Dass Standards immer wichtiger werden", habe man bei der WM gesehen. "Eine Erkenntnis für mich ist aber auch, dass sich der Fußball gerade wieder dreht. Weg vom reinen Ballbesitz-Fußball, den Pep Guardiola verehrt oder den auch ein Thomas Tuchel predigt. Die Spiele in Russland haben für mich gezeigt, dass Ballbesitz nicht mehr das Allheilmittel ist, dass Umschalten und Konter-Spiel wieder an Bedeutung gewinnen“, so Watzke. 


Für manche Krisen gibt es keine Kommunikationsstrategie


Es ist eine Entwicklung, der man beim BVB Rechnung tragen will, die aber auch für die Bundesliga allgemein gilt. Im internationalen Vergleich schnitt die deutsche Elite-Klasse im vergangenen Jahr so schlecht ab wie lange nicht mehr. Sorgen macht sich Watzke deshalb aber keine. "Es gab immer ein Auf und Ab. Dass wir jetzt bei der WM gescheitert sind, muss kein Indiz sein. Ich hatte 2013 nicht das Gefühl, dass der deutsche Fußball die Welt regiert, ich hatte dieses Gefühl auch 2014 nicht. Aus meiner Sicht liegen Italien und Deutschland nur minimal hinter Spanien und England."

Borussia Dortmund v 1. FC Koeln - Bundesliga

Für manche Krisenherde gibt es für Watzke (r.) keine klare Lösung - o wie bei Ousmane Dembélé (l.)


Watzke weiß aber auch, dass die Diskussionen nach dem blamablen WM-Aus hochkochen. Ein großer Punkt war dabei das Krisenmanagement beim DFB. Ein Punkt, bei dem Watzke und der BVB in der jüngeren Vergangenheit ebenfalls häufig kritisiert wurden. "Manchmal wirst du von Dingen einfach überrannt. Darauf kannst du dich auch nicht vorbereiten. Das war bei uns mit dem Anschlag so, das war bei Dembélé so. Und wie du auch reagierst, du hast immer die Hälfte der Leute, die sagen, wie können die das machen. So ist es nun auch dem DFB passiert. Und wenn du die Problematik Özil/Gündogan hast und in einer Gruppe ausscheidest, in der nicht gerade Weltmeister waren, hast du sowieso verloren. Dafür gibt es keine Kommunikationsstrategie.“