Das unbändige Kämpferherz der Kroaten. Im WM-Finale gegen Frankreich hat es zwar nicht zum Sieg gereicht, ein Triumph war das Turnier in Russland dennoch. Nie aufgeben - mit diesem Motto haben sich Modric, Rakitic und Co. zum Vorbild aufgeschwungen. Nach der 1998er-Generation sind in Kroatien neue Nationalhelden geboren.


Das Beste zum Schluss! ​Das WM-Finale zwischen Frankreich und Kroatien war eine der spektakulärsten Partien im Turnierverlauf und der Höhepunkt einer ansonsten an Highlights eher armen Weltmeisterschaft. Die Equipe Tricolore setzte sich am Ende mit 4:2 durch und stemmte zum zweiten Mal den goldenen Pokal in den Himmel.


Bezeichnend war der Beginn der Partie: Tief stehende Franzosen gingen per Standardsituation mit 1:0 in Führung. Es war Treffer Nummer 73 nach einem ruhenden Ball. Insgesamt vielen so 43 Prozent der Tore im gesamten Turnier. Der höchste Wert bei einer WM seit Beginn der detaillierten Datenerfassung 1966.

Es war aber nicht die einzige Bestmarke. Das Endspiel hatte noch einige weitere zu bieten. Sechs Tore oder mehr in der regulären Spielzeit gab es zuletzt im Finale 1958, als Brasilien mit 5:2 gegen Schweden gewann. Damals traf ein gewisser Pelé - und war damals mit 17 Jahren und 249 Tagen der bis heute jüngste Torschütze in einem WM-Endspiel. Seit Sonntagabend gibt es zumindest einen neuen Zweitplatzierten: Kylian Mbappé markierte das 4:1 und war dabei genau 19 Jahre und 207 Tage alt.

Ein Vorbild für die ganze Welt: Kroatien


Auf kroatischer Seite stellte dagegen niemand einen neuen Rekord auf. Und dennoch ist es an der Zeit das Überraschungsteam von Russland 2018 zu würdigen. Hvala ti! - Danke Kroatien!


Die Mannschaft des sympathischen Trainers Zlatko Dalic hat bei dieser WM Großes geleistet. Souverän in der Gruppenphase mit drei Siegen gegen Nigeria, Argentinien und Island schwang sich die Truppe um die Top-Stars Luka Modric und Ivan Rakitic zum Geheimfavoriten auf. In der K.o.-Phase waren die Leistungen spielerisch zwar nicht mehr ganz so stark - Kroatien hat sich aber mit ganz viel Siegeswillen bis ins Finale vorgekämpft.

Achtel-, Viertel- und Halbfinale gingen jeweils in die Verlängerung. In den ersten beiden Runden musste gar das Elfmeterschießen für die Entscheidung zugunsten Kroatiens sorgen. In jedem Spiel mussten die Rot-weiß-karierten dabei gegen einen Rückstand ankämpfen.


Schiedsrichter mit ganz unglücklicher Figur


So wie auch im Finale. Die erste französische Führung konnte Ivan Perisic schnell ausgleichen. Dann schoss Antoine Griezmann Les Bleus kurz vor dem Seitenwechsel abermals in Front. Schiedsrichter Nestor Pitana hatte nach Studium der Videobilder einen umstrittenen Handelfmeter gegeben. Keine Fehlentscheidung des argentinischen Referees- eher eine 50:50-Situation, bei der man auch für Weiterspielen entschieden hätte können - zumal das Pitanas ursprüngliche Einschätzung war.

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Schwacher Auftritt: Final-Schiedsrichter Nestor Pitana (l.)


Wirklich daneben lag er aber vor dem 1:0 der Franzosen. Den Freistoß holte Griezmann mit einer lupenreinen Schwalbe heraus. Auch so ein Trend dieser WM. Es sollte nicht die einzige Fehlentscheidung des Argentiniers bleiben, der insgesamt einen sehr unglücklichen Eindruck machte.


Neue kroatische Nationalhelden


Entmutigen ließen sich die Kroaten von diesen Rückschlägen allerdings nicht. Mit ganz viel Kilometern und kräf­te­zeh­renden Duellen in den Beinen, liefen sie immer weiter an. Auch nach dem 3:1 und sogar nach dem 4:1, der im zweiten Durchgang clever agierenden Franzosen. Mit dieser Einstellung sind die Kroaten ein Vorbild für jede Mannschaft dieser Welt. Unbändiger Kampfeswille, nie aufgeben - elf Löwenherze.

Aus kroatischer Sicht bleibt trotz der bitteren Niederlage am Ende festzuhalten: Es war ein triumphaler Auftritt dieses kleinen Landes aus dem Osten Europas. 1998 wurden sie beim ersten WM-Auftritt Dritter. Damals wurden Nationalhelden geboren. Nun hat Kroatien neue Helden. Auch wenn der Ausdruck viel zitiert ist und abgedroschen klingt, bei den Kroaten passt er wie die Faust aufs Auge: Sie sind der Weltmeister der Herzen! Mit einem ganz großen Kämpfer-Herzen! Hvala ti!