Seit zwei Jahren spielt RB Leipzig ​in der Bundesliga, nachdem der Verein im Jahr 2009 gegründet wurde und seitdem einen rasanten Aufstieg erlebte. Doch in Zukunft will sich der Verein auf mehreren Ebenen steigern, wie Geschäftsführer Oliver Mintzlaff im Interview mit dem Informationsdienstleister SPONSORs verriet.


Im ersten Bundesligajahr feierten die Leipziger die Vizemeisterschaft, in der Folgesaison erreichte die Mannschaft des damaligen Trainers, Ralph Hasenhüttl, nach einem stetigen Auf und Ab den sechsten Tabellenplatz. Im oberen Drittel des Tableaus mitzuspielen, sei auch in Zukunft das auserkorene Ziel, wie Mintzlaff erklärte: "Wir wollen mittelfristig dauerhaft zu den besten deutschen Clubs gehören. Wir beschäftigen uns aber nicht so sehr damit, ob wir die Nummer zwei, drei, vier, fünf oder sechs der Bundesliga sind, sondern wollen schlicht das Optimum aus unseren Möglichkeiten herausholen."


Im Januar vergangenen Jahres sprach der 42-Jährige von dem angestrebten Ziel, Meister zu werden. Dieser Kurs hat sich mittlerweile jedoch geändert. Ziel sei es, "mittel- bis langfristig auch mal einen Titel gewinnen zu wollen." Doch bei dieser Aufgabe gibt es ein großes Hindernis: "Der Klassenunterschied zwischen dem FC Bayern und dem Rest der Liga ist riesig, es wäre überheblich und vermessen, nun zu sagen, dass wir die Bayern angreifen und der neue Verfolger werden."

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  Das Erfolgsduo von RB Leipzig:Oliver Mintzlaff und Ralf Rangnick (v.l.)



Alleine im Marketing sei der FC Bayern Lichtjahre von RB entfernt: "Wir setzen dort fünf bis sechs Millionen Euro um, die Bayern bewegen sich im Bereich von 100 Millionen Euro." Daher orientiere man sich nun am 1. FC Köln, der laut Mintzlaff einen Umsatz von etwa zehn Millionen mache, was er als "realistisches Ziel" bezeichnet. Dabei geht es ihm auch darum, nachhaltig und nicht zu überhastet zu arbeiten: "Wir entwickeln uns mit einer sehr hohen Geschwindigkeit, aber sind eben auch erst neun Jahre alt. Wir müssen auch darauf achten, dass unser Atem bei dem Tempo lange und dauerhaft anhält."


Kritik an der Liga


In den vergangenen Jahren schieden die Europapokalteilnehmer der Bundesliga größtenteils früh aus, lediglich Bayern München schafft es regelmäßig, auch auf internationalem Niveau erfolgreich zu sein. Für Mintzlaff, der die Bundesliga aufgrund der "Fankultur, Nachwuchsarbeit und Stadionauslastung" immer noch als attraktiv für den Markt empfindet, liegen die Misserfolge an der Selbstzufriedenheit der Vereine: "Ich glaube , dass wir uns nicht permanent nur auf die Schulter klopfen dürfen."

Olympique Marseille v RB Leipzig - UEFA Europa League Quarter Final Leg Two

  Im ersten internationalen Jahr erreichte die Mannschaft das Viertelfinale der Europa League. An diese Leistungen soll in Zukunft angeknüpft werden.



Man müsse verschärfter analysieren, ob man die richtigen Schlüsse zieht, oder ob man noch von anderen Ligen lernen könne. Besonders in puncto "Internationalisierung" hinke man um einiges hinterher: "Nach der anstrengenden Auslandsreise der Bayern 2017 nach Asien gab es Kritik. Aber man darf nicht vergessen, dass die Reise nicht nur auf die Münchner einzahlt, sondern sich auch positiv auf die gesamte Bundesliga auswirkt. Das gilt im Übrigen auch für die Aktivitäten der anderen Vereine wie beispielsweise Dortmund oder Schalke."


Nachhaltiger Umgang mit den Geldern


Demnach müsse die Bundesliga internationale Märkte erschließen, um wirtschaftlich gegenüber den anderen europäischen Vereinen aufzuholen. RB Leipzig hat dank Red Bull bereits ein gewisses Fundament, doch mit dem Geld des Unternehmens wolle man weiterhin gewissenhaft umgehen. Die selbstgesteckte Gehaltsobergrenze sei "inhaltlich aus unserer Sicht auch absolut richtig und eine wichtige Leitplanke." Man wolle wirtschaftlich vernünftig handeln, weshalb man beispielsweise nach dem Aufstieg von einer Verpflichtung von Kevin Volland Abstand genommen habe, da dieser in Hoffenheim mehr verdiente, als er es in Leipzig getan hätte.


Dieses Modell will man auch in Zukunft fortsetzen, allerdings modifizierter. Der 'Salary Cap' werde "immer angepasst – allein aufgrund des sportlichen Erfolgs." Es sei nun mal ein Unterschied, ob man lediglich in der Bundesliga oder auch in den europäischen Wettbewerben vertreten ist. Das Geld soll dabei allerdings nicht nur von Red Bull kommen, sondern auch durch Spielerverkäufe: "Transfers bleiben für uns – wie für alle anderen Bundesligisten auch – eine ganz wichtige Säule. Mit unseren jungen, hoch talentierten Spielern haben wir eine große Chance, hohe Transfererlöse zu erzielen."