Frischer Wind beim BVB. Der neue Trainer Lucien Favre legt in den Trainingseinheiten gleich richtig los. Die neue Spielidee soll den Spielern so schnell wie möglich eingetrichtert werden. Viele kurze und scharfe Pässe bilden die Grundlage - der Ballbesitz soll aber nicht zum Selbstzweck werden. 


​Lucien Favre hat in Dortmund das Ruder übernommen. Beim ​BVB soll der Schweizer den Neustart einleiten und im besten Fall eine Ära prägen. Der erfahrene Coach will bei den Schwarz-Gelben wieder eine Spielidentität implementieren, mit der sich Mannschaft und Fans identifizieren können.


Viel Zeit verschwendet der 60-Jährige nicht. Am Donnerstagvormittag stand eine 94-minütige Trainingseinheit auf dem Plan, die die Grundzüge der favreschen Spielidee zeigte: Viele flache, scharfe Pässe, den Gegner müde spielen, aber auch Mut und Risiko zeigen. Nach Balleroberungen soll es wieder schneller in Richtung Tor gehen - eine Qualität, die der BVB unter Jürgen Klopp perfektionierte, die in den vergangenen Jahren aber etwas verloren ging.

Borussia Dortmund - Training Session

Intensiv aber auch mit viel Spaß: Maximilian Philipp (m.) über die ersten Tage unter Favre


Angreifer Maximilian Philipp gab gegenüber dem ​klubeigenen TV-Sender Einblicke in die ersten Tage der Zusammenarbeit. "Die Karten sind wieder neu gemischt. Es herrscht eine gesunde Härte im Training, alle hängen sich voll rein. Der neue Trainer fordert sehr viel von uns. ​Es macht aber auch sehr viel Spaß", erklärte der 24-Jährige. 


"Wir entscheiden was passiert auf dem Platz" - So trainiert Favre


Doch wie sieht eine typische Trainingseinheit in der Vorbereitungsphase unter Favre aus? Die Bilder vom Donnerstag zeigen es: Zunächst stand ein leichtes Warm-Up auf dem Programm. Der Schweizer begrüßte die Spieler, die sich nach einer kurzen Ballgewöhnungsphase an den elementaren Teil der neuen Spielidee machten. Einfaches und kurzes Passspiel war angesagt, Favres Assistenten forderten immer wieder Schärfe in den Bällen ein. 

Nach einigen Läufen ging es in den Hauptteil über, wo der Fokus auf verschiedenen Überzahl-Spielen lag. Zunächst im Sechs gegen Vier, später in größerer Zahl auf weiterem Feld. "Immer flach", halte es dabei auf dem Trainingsplatz in Brackel. Philipp erklärte, worauf der detailversessene Favre besonderen Wert legt.

"Wir habe viel Ballbesitzspiel und Eröffnungen trainiert. Das ist immer ein Thema bei uns. Wir sollen Geduld haben und den Torwart mit einbinden", berichtete Philipp. Favre fordere viele Seitenwechsel, um den Gegner müde zu spielen. Die Zeit an der Kugel soll aber keinesfalls zum Selbstzweck werden. Mut und Risiko werden ebenfalls gefordert. "Wir dürfen auch mal Fehler machen", so Philipp. In der Defensive solle der Ball schnell zurückerobert werden und dann schnell in den Konter und den Torabschluss übergegangen werden, erklärte der 24-Jährige weiter.

Immer wieder unterbrach Favre dabei das Geschehen, um Anweisungen zu geben und alles bis ins kleinste Detail zu besprechen. "Wir haben viele Varianten, wie wir spielen können. Es ist nicht nur das Ballbesitzspiel", bestätigte Philipp. "Wir sollen uns gut in den Räumen und in den Schnittstellen bewegen." Von Favre und den Co-Trainern wurde das lautstark eingefordert. "Spielen und gehen", riefen sie den Spielern das gewünschte BVB-Credo immer wieder zu.