Vincenzo Grifo erlebte bei Borussia Mönchengladbach ein individuell erfolgloses Jahr und brach daher nach nur einer Saison seine Zelte gleich wieder ab. Für 5,5 Millionen Euro wechselte der Offensivspieler zur TSG Hoffenheim, wo er bereits vor einigen Jahren spielte und sich nun endlich durchsetzen will. 


Im Sommer 2012 wechselte der 25-Jährige, der auf beiden Außenbahnen und im Zentrum agieren kann, erstmals nach Sinsheim und schloss sich der zweiten Hoffenheimer Mannschaft an. Wenig später erhielt Grifo seinen ersten Profivertrag, der Durchbruch gelang ihm jedoch nicht. Viel mehr landete er über Leihen bei Dynamo Dresden und dem FSV Frankfurt schlussendlich beim SC Freiburg, wo er sich etablierte und den Sprung in die Bundesliga schaffte.

TSG 1899 Hoffenheim v VfB Stuttgart - Bundesliga

  Am 17. Februar 2013 stand Vincenzo Grifo (r.) das letzte Mal für die TSG Hoffenheim in der Bundesliga auf dem Platz


"Damals konnte ich mich gegen Konkurrenz wie Firmino oder Volland nicht durchsetzen, aber ich war saujung. Ich bin gereift und es hat mir gezeigt, dass ich viel lernen muss", sagt der Deutsch-Italiener rückblickend im Interview mit dem ​kicker. Nach seinem Reifeprozess folgt also die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte - für Grifo ein besonderes Ereignis: "Man sagt ja: Alte Liebe rostet nicht. Wenn du bei einem Verein, wie ich hier, dein Bundesligadebüt gefeiert hast, dann ist eine große Verbindung normal."


Von nun an arbeitet er bis zum kommenden Sommer mit Julian Nagelsmann zusammen, der in sein letztes Jahr als Hoffenheimer Trainer geht. Grifo hat bereits jetzt eine hohe Meinung vom 30-Jährigen, unter dem hart trainiert wird: "Man merkt, dass er sich viele Sachen einfallen lässt, die nicht jeder Trainer macht. Vor allem im taktischen Bereich, aber auch bei Spielformen und Prinzipien. Bislang finde ich mich mega-gut zurecht, mir macht es richtig Spaß, denn es wird viel mit Ball trainiert."


Mangelndes Vertrauen: Grifo über die Hintergründe für sein schwaches Jahr in Gladbach


Spaß hatte er in der Vorsaison jedoch nur bedingt. Für sechs Millionen Euro wechselte er von Freiburg nach Mönchengladbach, doch bei der Borussia verpasste er aufgrund einer Kapselverletzung den Saisonstart. Danach konnte er sich kaum durchsetzen, weshalb nach 17 Bundesligaspielen und vier Torvorlagen vorzeitig Schluss war. Für Grifo lag es an einer zwischenmenschlichen Note, dass er es verpasste, sich bei den 'Fohlen' durchzusetzen: "Ich habe nicht das große Vertrauen bekommen, was mir sehr wehgetan hat - das darf man auch so offen und ehrlich sagen."

Borussia Moenchengladbach v FC Augsburg - Bundesliga

  Insgesamt stand Grifo in der abgelaufenen Saison nur über 793 Minuten auf dem Platz. Für seinen Geschmack viel zu wenig


Doch das Vertrauen des Trainers zu erhalten sei "ausschlaggebend. Ein Trainer muss dir auch mal den Finger geben, nicht die ganze Hand. Jeder weiß, dass Offensivspieler eine gewisse Freiheit brauchen. Die habe ich nicht gespürt." Lediglich beim 3:1-Erfolg der Gladbacher über die TSG konnte Grifo auftrumpfen und leitete in seinem ersten Einsatz über 90 Minuten mit 2 Assists die Wende ein, nachdem die Borussia zur Pause mit 0:1 in Rückstand lag. "Da wollte ich zeigen, dass ich wieder da bin, dass der Straßenkicker zurück ist. Plus die Extramotivation der alten Wirkungsstätte", so Grifo, der damals "im Flow" gewesen sei. Dieser hielt jedoch nicht allzu lange an: "Es war bitter, dass ich eine Woche später wieder draußen war."


Der Traum von der Nationalmannschaft


Allerdings wolle er dieser Periode nicht nachtrauern. "Ich bin mega-froh, dass es hier geklappt hat. Ein größeres Argument als Champions League und das auch noch in der alten Heimat, das gibt es nicht." Ziel sei es jetzt, so viel wie möglich zu spielen - möglicherweise auch im Hinblick auf die italienische Nationalmannschaft, die er als "Lebenstraum" bezeichnet. "Wenn Italien spielt, sitzt die ganze Familie vor dem Fernseher. Mir würden die Tränen kommen, wenn ich das schaffe, da gibt es nichts Schöneres." Druck will er sich jedoch nicht machen: "Ich will einfach befreit aufspielen", so Grifo, der in der kommenden Saison wieder voll angreifen will.