​Der Chefscout der Jugend des FC Bayern München, Timon Pauls, hat in einem Gastbeitrag über die seiner Meinung nach wichtigsten Eigenschaften von Talenten berichtet und auf was er als Chefscout besonders achtet. Pauls scoutet Spieler unter 15 Jahren, die später in den B- und A-Jugend Mannschaften des FC Bayern spielen sollen.


Auf der Seite der Professional Football Scouts Association hat Pauls erklärt, nach welchen fünf Aspekten er junge Talente scoutet. Das wichtigste bei Talenten im Alter unter 15 Jahren seien dabei die technischen Fähigkeiten. Man müsse wissen, welchen Stil der eigene Verein spielen will und welche Spielertypen man sucht und dies mit den Fähigkeiten der Spieler verknüpfen. 


Im Fall von Pauls und seinem Klub Bayern München heißt das: "Bayern ist ein Team, das Ballbesitzfußball und hohes Gegenpressing spielt, was ein hohes technisches Level von den Spielern erfordert. Wir schauen deshalb, ob Spieler eine gute Ballkontrolle haben: Wie ist der erste Kontakt? Wie reagieren sie nach der Ballannahme? Sind sie beidfüßig? Haben sie eine gute Koordination?" Man achte bei Spielern dieses Alters nicht so sehr auf die Abschlussqualität oder die langen Pässe, da dies entwickelt werden könne. Wichtiger sei das natürliche technische Talent der Spieler.

Auch die körperliche Entwicklung sei ein Aspekt des Scoutings. Um die körperliche Struktur zu beurteilen, müsse man den Spieler aber nicht Fußball spielen sehen. Dies könne eher durch die Beobachtung beim Aufwärmen oder der Eltern des Kindes geschehen. Man suche dabei aber nicht nach 14-Jährigen mit den Körpern von Erwachsenen, sondern eher nach kleineren Spielern, die zeigen, dass sie körperliche Nachteile durch Technik wettmachen können. 


Elementar für die Bewertung von Talenten sei auch die Mentalität. "Wir können Spieler erziehen und entwickeln, aber wenn sie nicht dazu bereit sind, dem Trainer zuzuhören und Teil des Teams zu sein, dann wird das zum Problem", so Pauls. Um dies zu beurteilen, beobachte man die Spieler in konkreten Situationen, zum Beispiel wenn das eigene Team hoch gewinnt oder verliert, wie sie sich vor und nach den Spielen verhalten, ob sie ihren Mannschaftskollegen helfen, oder direkt in die Kabine verschwinden. Auch die Reaktion der Spieler, wenn Trainer mit ihnen sprechen, ist ein wichtiger Aspekt.

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Nachwuchstalent Franck Evina (18 Jahre), der bereits zwei Bundesligaspiele bestritt


Wenig überraschend ist auch Geschwindigkeit ein wichtiger Aspekt des Scoutings. "Wenn ein Spieler nicht schnell ist, werden eine Menge Klubs ihn nicht verpflichten." Das sei auch beim ​FC Bayern so, allerdings stärker bezogen auf die Erfordernisse der Position: "Verteidiger brauchen mehr Geschwindigkeit über längere Strecken als Mittelfeldspieler, bei denen man eher auf kurze Sprints aus dem Stand achtet." Bei Angreifern sie nicht allein die Geschwindigkeit entscheidend, sondern auch ob sie einen guten Antritt haben und einen Trick, um an Gegenspielern vorbei zu kommen. 


Und zu guter Letzt müsse man die Bedürfnisse und den Spielstil des Klubs kennen und das auf jedes Talent beziehen. Man müsse im Kopf haben, wie viele Spieler auf der jeweiligen Position bereits im Team sind. Das schlechteste für Klub und Spieler sei ein Talent, das nicht spielt. Der gescoutete Spielertyp müsse zur Spielphilosophie des Klubs passen. Bayern-Jugendchefscout Pauls nennt das Beispiel eines schnellen Konterstürmers, der nach langen Bällen seine Geschwindigkeit ausnutzte und viele Tore erzielte, aber bei Bayern nicht funktionierte, da das Spiel sowieso die meiste Zeit im Drittel des Gegners stattfinde, und der Stürmer so keine Gelegenheit habe, seine Stärken einzusetzen. Das abschließende Kriterium sei laut Pauls deshalb: "Du musst sicher gehen, dass die Eigenschaften des Spielers zu deinem Spielstil passen."