​Das blamable WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft ist auch gut eine Woche später noch ein großes Dauerthema. Die DFB-Verantwortlichen und Bundestrainer Joachim Löw waren in den letzten Tagen darum bemüht, den Ursachen für das peinliche Abschneiden auf den Grund zu gehen. Manager Oliver Bierhoff erklärte nun in einem Interview, dass man bei der Personalie Mesut Özil durchaus anders hätte handeln können.


Die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft verlief für die DFB-Auswahl alles andere als optimal. Neben schwachen Auftritten in den Testspielen sorgten Özil und Ilkay Gündogan für reichlich Unruhe. Die beiden Mittelfeldspieler ließen sich Mitte Mai mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ablichten, was nicht nur beim DFB, sondern auch bei einem Großteil der deutschen Fans tiefe Empörung hervorrief. Von vielen Seiten wurde der Ruf nach einer Nichtnominierung der beiden türkischstämmigen Profis laut.

"Wir haben Spieler bei der deutschen Nationalmannschaft bislang noch nie zu etwas gezwungen, sondern immer versucht, sie für eine Sache zu überzeugen. Das ist uns bei Mesut nicht gelungen. Und insofern hätte man überlegen müssen, ob man sportlich auf ihn verzichtet", erklärte Bierhoff im Interview mit der Tageszeitung Die Welt. "Ich glaube, die Tatsache, dass Mesut und Ilkay die Fotos gemacht haben, hat die Mannschaft nicht so sehr beschäftigt. Aber die Debatte war nachhaltig. Im Rückblick würde ich versuchen, dieses Thema noch klarer zu regeln", betonte der Manager. 

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Sorgten für reichlich Aufregung: Mesut Özil (l.) und Ilkay Gündogan



Während sich Özil zur Erdogan-Affäre nicht äußern wollte und zu diesem Thema beharrlich schwieg, sprach Gündogan Anfang Juni über die Fotos mit dem türkischen Präsidenten. "Ilkay Gündogan hat gesprochen und sich auch sehr geöffnet. Trotzdem ist er ebenso und weiterhin hart kritisiert worden", gab Bierhoff zu Protokoll. 


"Aber man muss eben auch mal festhalten, dass Mesut das, was von ihm erwartet wurde, aus bestimmten und offensichtlichen Gründen so hätte nicht sagen können", führte der 50-Jährige weiter aus. Der Manager stellte zudem klar, dass Nationalspieler auch zukünftig ihre Meinung kundtun sollen. "Wir wollen offene und ehrliche Ansagen, keine angepassten und weichgespülten", so Bierhoff.