Über den Verbleib von Bundestrainer Joachim Löw wird sich wohl nicht jeder freuen. Namentlich nicht genannte Spieler und Betreuer sollen nun ausgepackt haben und dabei Löw sowie Teammanager Oliver Bierhoff scharf kritisieren. Die Mängelliste ist lang, das DFB-Team soll in zwei Lager gespalten gewesen sein.


Die Entscheidung ist gefallen: ​Joachim Löw bleibt weiterhin Bundestrainer. Nach 14 Jahren im Amt will Löw trotz des erstmaligen Gruppen-Aus bei einer ​WM weitermachen und seinen Vertrag bis 2022 erfüllen. Vor dem Turnier in Russland hatte er seinen Kontrakt beim DFB verlängert und unabhängig vom Abschneiden seinen Verbleib versichert. Da die Verbandsspitze in Löw auch weiterhin den richtigen Mann für den anvisierten Neuaufbau sieht, will der 58-Jährige an seinem Wort festhalten.


"Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen, das der DFB weiterhin geschlossen in mich setzt, und ich spüre trotz der berechtigten Kritik an unserem Ausscheiden auch generell viel Rückhalt und Zuspruch", erklärte Löw. DFB-Präsident Reinhard Grindel war nach dem Gespräch zwischen Löw und der DFB-Spitze positiv gestimmt: "Wir hatten einen sehr offenen und vertrauensvollen Austausch, in dem wir viele Punkte angesprochen haben. Wir sind alle der festen Überzeugung, dass wir mit Jogi Löw einen Bundestrainer haben, der sehr genau analysieren, die richtigen Schritte einleiten und unsere Mannschaft zurück in die Erfolgsspur führen wird", so der 56-Jährige. 

Und auch Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff stimmte mit ein: "Mich freut es sehr, dass es mit Jogi Löw an der Spitze unserer Nationalmannschaft weitergeht. Wir haben gestern lange zusammengesessen, und ich habe bei ihm die volle Energie gespürt weiterzumachen."


DFB-Insider packen aus: Lange Mängelliste von Löw und Bierhoff


In den Löw-Jubel einstimmen wollte aber wohl längst nicht jeder rund um die Nationalmannschaft. Kapitän Manuel Neuer sagte im Anschluss zwar: "Ich freue mich, dass wir mit Jogi Löw unseren lange Zeit erfolgreichen Weg fortsetzen können. Und ich habe das Vertrauen, dass wir gemeinsam wieder zu unserer Stärke finden." Der Bayern-Keeper genießt beim Bundestrainer allerdings ein hohes Standing. Selbst nach einem Jahr Verletzungspause vertraute Löw auf die Fähigkeiten des 32-Jährigen.


Ähnliches gilt für Jerome Boateng, der nach seiner Verletzung in der Schlussphase der Saison bei der WM gesetzt war. Der Bayern-Verteidiger kommentierte die Nachricht vom Verbleib von Löw via Twitter schlicht mit einem erlösenden Emoticon. 

Mannschaftsintern sei das Festhalten an den Etablierten nicht gut angekommen sein. Wie die FAZ berichtet, seien Insider aus "Spielerkreisen" sowie zwei "erfahrene Kenner der sportlichen und organisatorischen Verhältnisse" aktiv auf die Zeitung zugekommen und hätten massive Kritik an Löw und auch Bierhoff geübt. 


Neben dem Problem, das "einige Spieler" mit dem Sonderstatus von Neuer gehabt hätten, gab es eine Reihe von weiteren Punkten, die man für das WM-Desaster verantwortlich machen könne. Der größte Graben sei in der immer wieder spekulierten Grüppchenbildung innerhalb der Mannschaft entstanden. Tatsächlich sei das Team in zwei Lager gespalten gewesen. Auf der einen Seite die Etablierten, auf der anderen Seite die Youngster. Löw und Bierhoff hätten das komplett unterschätzt. 


Ein weiterer Vorwurf an den Bundestrainer: Löw habe "dem Leistungsgedanken und der Leistungsgerechtigkeit geschadet", indem er den älteren und verdienten Spieler den Vorzug gegeben habe. Die jüngeren Spieler seien für ihren Einsatz im Training dagegen nicht honoriert worden. Des Weiteren wurde auch die Auswahl der Testspielgegner in der Vorbereitung kritisiert und die Auswahl des WM-Quartiers soll ein großer Streitpunkt gewesen sein.

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DFB-Teammanager Bierhoff wird vor allem wegen des WM-Quartiers in Moskau kritisiert



Bierhoff habe den "Spielplan von hinten gedacht", so die namentlich nicht genannten "Maulwürfe". Der Besuch der Kanzlerin am Vorabend der endgültigen Kader-Benennung und der Umgang mit Mesut Özil seien weitere Punkte einer langen Mängel-Liste gewesen.