In einem nicht immer hochklassigen Spiel gewann England erstmals ein Elfmeterschießen bei einer Weltmeisterschaft. Nachdem die Mannschaft von Gareth Southgate zunächst durch Harry Kane mit 1:0 in Führung ging, erzielten die Kolumbianer in der Nachspielzeit den Ausgleich. Nach einer abwechslungsreichen Verlängerung musste die Entscheidung im Elfmeterschießen her, wo die 'Three Lions' nach einem nervenaufreibenden Shootout die Oberhand behielten.


Kolumbien: Ospina, Arias, Yerry Mina, D. Sanchez, Mojica, C. Sanchez , Barrios, Jefferson Lerma, Quintero Ju., Cuadrado, Falcao


England: Pickford, Walker, Stones, Maguire, Trippier, J. Henderson, A. Young, Alli, Lingard, Sterling, H. Kane


Tore: 1:0 Harry Kane (57.), 1:1 Yerry Mina (90.+3)



Gareth Southgate stellte im Vergleich zur Partie gegen Belgien gleich auf neun Positionen um. Alli, Henderson, Kane, Lingard, Maguire, Sterling, Trippier, Walker und Young begannen für Alexander-Arnold, Cahill, Delph, Dier, Jones, Loftus-Cheek, Rashford, Rose und Vardy. Lediglich Keeper Pickford und Innenverteidiger Stones blieben übrig aus der letzten Gruppenpartie. Kolumbien musste erwartungsgemäß auf James Rodriguez verzichten. Er wurde durch Wilmar Barrios ersetzt. Zudem kam Jefferson Lerma für Matheus Uribe.


Die 'Three Lions' kamen besser in die Partie und erarbeiteten sich ein optisches Übergewicht, ohne aber Kapital daraus zu schlagen. So konnte England nach 10 Minuten 54 Prozent Ballbesitz aufweisen, Kolumbien aber war aggressiver in den Zweikämpfen und gewann 67 Prozent der Duelle. Erstmals wurde Kane auf Seiten der Briten in der 16. Minute in Szene gesetzt, sein Kopfball ging aber drüber.


Kolumbien tat in der Folge etwas mehr nach vorne und gestaltete das Spiel etwas ausgeglichener zwischen den Strafräumen, vieles spielte sich aber nach wie vor im Mittelfeld ab, da auch England kein Durchkommen durch die dichte Abwehrreihe der Südamerikaner fand.


Große Aufregung kam erst kurz vor der Halbzeit auf. Nach einem Freistoßpfiff kurz vor der Strafraumgrenze der Cafeteros kam es zur Rudelbildung, wo Barrios einen Kopfstoß gegen die Brust von Henderson ausführte. Nach einigen Diskussionen zeigte der Referee nur gelb, die Aktion hätte allerdings auch als Tätlichkeit ausgelegt werden können. Der Freistoß von Trippier ging letzten Endes links vorbei (42.). In der zweiten Minute der Nachspielzeit gab es dann auch den ersten Schuss aufs englische Tor, der Ball war allerdings harmlos für Pickford. So blieb es zur Pause beim torlosen Remis.


Auch die zweite Hälfte bot zunächst wenig Torgefahr. Bis zur 54. Minute, als Sanchez bei einer Ecke für England Harry Kane zu Fall brachte. Der Abwehrspieler sah den gelben Karton, es gab Elfmeter für den Weltmeister von 1966. Nach etlichen Diskussionen seitens der Kolumbianer traf der Angreifer letztlich in der 57. Minute mit seinem bereits sechsten Turniertreffer zum 1:0 für die 'Three Lions'.


Kolumbiens Trainer Jose Pekermann reagierte und brachte wenige Minuten später mit Carlos Bacca einen frischen Stürmer. Gefährlicher blieb aber die Mannschaft von Gareth Southgate. Allerdings wurde es deutlich hitziger, es reihten sich viele Fouls und Nickligkeiten aneinander, die immer wieder zu Unterbrechungen führten. Trotzdessen, dass der Spielfluss deutlich dahin war, blieb England das gefährlichere Team und war dem 2:0 näher, als die Cafeteros dem Ausgleich.


In der 77. Minute gab es erneut Aufregung im Sechzehner der Kolumbianer. Sterling wurde im letzten Moment am Torschuss nach einem Konter durch Davinson Sanchez gehindert, der Schiedsrichter entschied in dieser strittigen Szene aber nicht auf Elfmeter. Nur vier Minuten später gab es die große Chance für Cuadrado, den Ausgleich herzustellen. Nach einem Ballverlust von Walker gegen Bacca spielte der Eingewechselte das Leder für Cuadrado halbrechts in den Strafraum. Der Stürmer hatte freie Schussbahn, verzog den Ball aber aus zehn Metern über den rechten Winkel.


Für die Südamerikaner war das der Startschuss zu einer Schlussoffensive, die überraschend gefährlicher ausfiel, als die übrigen 80 Minuten. Doch Falcao scheiterte zweimal an Pickford (86., 87.). Als sich alles in der Nachspielzeit schon auf einen Sieg Englands einstellte, feuerte erst Uribe einen satten Schuss aus der Distanz ab, den Pickford spektakulär aus dem Winkel kratzte. Mit der anschließenden Ecke – es war die erste für Kolumbien - erzielte Barcelonas Yerry Mina doch noch den Ausgleich. Der Abwehrspieler stieg am höchsten und überwand sowohl Pickford als auch Maguire mit einem wuchtigen Aufsetzer, damit ging es mit 1:1 in die Verlängerung.


Mit dem Rückenwind ging die Mannschaft von Jose Pekerman auch die ersten 15 Minuten der Extrazeit an. England ging auf der anderen Seite deutlich aggressiver zu Werke und hatte in mehreren Situationen Glück, dass kein Spieler mit einer Karte verwarnt wurde. Die Kolumbianer trumpften nun spielerisch auf und hatten durch Bacca (96., 98., 101., 104.) und Sanchez (102.) Möglichkeiten, das Spiel komplett zu drehen, vergaben ihre Möglichkeiten aber glücklos.


In der zweiten Hälfte machte sich dann langsam der Kraftverlust bei beiden Mannschaften bemerkbar, da auch keines der beiden Teams zurücksteckte. So arbeiteten sich die 'Three Lions‘ zurück in die Partie und hatten in der 112. Minute die große Möglichkeit, auf 2:1 zu stellen. Der Winkel war für den eingewechselten Danny Rose aber ein wenig zu spitz. Die Southgate-Elf blieb jedoch am Drücker und hatte zwei Minuten später erneut eine Möglichkeit nach einer Flanke von Lingard, die von der kolumbianischen Hintermannschaft gerade so geklärt werden konnte. Am Ende blieb es aber beim Remis, die Entscheidung musste im Elfmeterschießen her.


Dort verwandelten zunächst Falcao, dann Harry Kane souverän. Cuadrado folgte ebenso sicher, auch Rashford nagelte den Ball unhaltbar für Ospina in die Maschen. Muriel guckte danach Pickford aus und stellte auf 3:2. Henderson konnte im Anschluss nicht nachziehen und scheiterte an Ospina. Allerdings hatte England Glück, denn auch Uribe konnte den Ball nicht unterbringen, sondern nagelte den Ball an die Latte. 


Somit hatte Trippier die Chance, wieder auf 3:3 zu stellen, was dem 27-Jährigen auch gelang. Für Kolumbien sollte Bacca den letzten Versuch unternehmen, doch Pickford hielt den Schuss des Stürmers. Eric Dier machte es besser und verwandelte den letzten Strafstoß zum 4:3.

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