​Durch viel Ruhe und Standhaftigkeit bei den Transferverhandlungen macht Sportdirektor Rouven Schröder seinen FSV Mainz 05 in diesem Sommer zum Einnahmen-Krösus der Liga. Nachdem noch viele schmunzelten, als Schröder zum Ende der letzten Saison ankündigte, die beiden Leistungsträger Abdou Diallo und Jean-Philippe Gbamin nur für eine addierte Ablöse von 60 Millionen Euro verkaufen zu wollen, befinden sich die Mainzer nach dem Transfer von Diallo zu Borussia Dortmund auf einem guten Weg zu dieser Summe. 


Seit gut einer Woche steht fest, dass der 22-jährige französische Innenverteidiger Abdou Diallo für 28 Millionen Euro vom FSV Mainz zu ​Borussia Dortmund wechseln wird. Damit ist Diallo laut ​Transfermarkt.de der Rekordtransfer der Mainzer, der teuerste Verteidiger in der BVB-Geschichte und der zweitteuerste Bundesliga-Verteidiger nach Mats Hummels, der 2016 für 35 Millionen Euro vom BVB zu ​Bayern München ging. Und all diese Rekorde stellen die Mainzer mit einem U21-Nationalspieler auf, der erst vor einem Jahr für fünf Millionen Euro von Monaco kam. Das ist neben dem aufgeblähten englischen Transfermarkt (Diallo wurde vor dem Rücktritt Wengers häufig mit Arsenal in Verbindung gebracht) auch der standhaften Forderung von Sportdirektor Schröder zu verdanken. Dieser hatte von vornherein darauf bestanden, mit Diallo und Gbamin jeweils etwa 30 Millionen Euro erzielen zu wollen.

Und eine Ablöse in diesem Bereich scheint nach Diallo auch für Gbamin denkbar. Der 22-jährige Nationalspieler der Elfenbeinküste war in der vergangenen Saison einer der absoluten Leistungsträger bei den Mainzern und soll ebenfalls beim ​FC Arsenal auf der Liste stehen. Dort arbeitet mit Sven Mislintat ein Deutscher als Chef-Scout der Gunners. Aber auch ​Bayer Leverkusen soll Interesse am variabel einsetzbaren defensiven Mittelfeldspieler Gbamin haben.


Darüber hinaus haben die Mainzer bereits Mittelfeld-Talent Suat Serdar für elf Millionen Euro an Schalke 04 abgegeben. Könnte man noch Gbamin im nächsten Sommer für die gewünschte Summe verkaufen, würde Mainz 05 Transfereinnahmen von über 70 Millionen Euro erzielen. Und auch um den japanischen Nationalspieler Yoshinori Muto rankten sich zuletzt immer wieder Gerüchte um einen Abgang nach England, der viel Geld reinbringen könnte.


Dieses Geld wurde bisher zu einem Teil in den Stürmer Jean-Philippe Mateta reinvestiert. Der 21-Jährige kommt für acht bis zehn Millionen Euro von Olympique Lyon. Als Leihspieler beim AC Le Havre konnte Mateta in der vergangenen Saison in der zweiten französischen Liga 17 Tore erzielen. Seine Leistung gilt es für ihn nun in einer Topliga zu bestätigen. Denn Mateta ist mit seiner Ablöse neuer Rekord-Zugang der Mainzer. Dabei verfolgt Schröder mit dem jungen Franzosen einen ähnlichen Plan wie zuletzt mit Diallo oder Gbamin: Die Spieler als vielversprechende Talente zu holen, ein bis zwei Jahre zu entwickeln und dann mit deutlichem Transferplus weiterzuverkaufen.

Berichten zufolge ist Mainz 05 derzeit noch auf der Suche nach einem Linksverteidiger. Maxime Poundjé von Girondins Bordeaux und der 23-jährige Argentinier Gonzalo Piovi von Racing Club Avellaneda werden für diese Position gehandelt. Und auch in der Innenverteidigung müsste man nach den Abgängen von Diallo und Leon Balogun, der zu Brighton & Hove Albion wechselt, noch aktiv werden. Genug Geld für Transfers ist nach der guten Arbeit von und für Sportdirektor Schröder auf jeden Fall vorhanden. Und mit einem Klassenerhalt in der kommenden Saison könnte der ​1.FSV Mainz 05 trotz stets einem der kleinsten Etats der Liga so zehn Jahre Bundesliga in Folge perfekt machen.