Mit der Schweiz steht Josip Drmic im Achtelfinale der WM. Gegen Costa Rica erzielte der Gladbacher Angreifer seinen ersten WM-Treffer. Nicht selbstverständlich, nach dem langen Leidensweg des 25-Jährigen - selbst die Karriere schien in Gefahr. Nun will Drmic weiter auf der Erfolgswelle der Eidgenossen reiten, und dann mit Gladbach über seine Zukunft sprechen.


Josip Drmic hat eine lange Leidenszeit hinter sich. Nach zwei Knorpelschäden im Knie stand sogar die Karriere des Schweizer Nationalstürmers auf der Kippe. Doch der 25-Jährige hat sich zurückgekämpft. Am Dienstag geht es für Drmic nun mit den Eidgenossen gegen Schweden um den Einzug ins Viertelfinale bei der ​WM

Zweimal wurde der ​Gladbacher Angreifer in der Gruppenphase eingewechselt. Gegen Costa Rica konnte er seinen ersten WM-Treffer bejubeln, nachdem er vier Jahre zuvor in Brasilien noch ohne Tor geblieben war. "Wenn man zurückschaut, ist es ein langer, harter Weg. Erst bist du monatelang auf der Tribüne, dann auf der Bank, bist in der Bundesliga meist Einwechselspieler. Und nun treffe ich auf höchstem Level, bei einer WM. Ich hoffe auf ein Happy End, aber nicht gleich am Dienstag. Ich bin einfach froh, stolz und dankbar. All den Leuten, die an mich geglaubt haben", sagt Drmic im Gespräch mit der Schweizer Zeitung ​Blick.


Dass er gegen Schweden zum ersten Mal von Beginn an auflaufen darf, ist eher unwahrscheinlich. Eher, dass Drmic wieder die Joker-Rolle bleibt. "Ich bin nur schon froh, dass ich wieder auf dem Platz stehen kann. In einem WM-Spiel aufzulaufen, nach meiner Geschichte, ist einfach ein tiefer Genuss", bleibt Drmic bescheiden. Für die kommende Spielzeit gilt das aber nicht mehr uneingeschränkt - der 25-Jährige will häufiger spielen.

Zukunft offen: Drmic will mit den Fohlen-Verantwortlichen sprechen


"Das ist normal, dass man nicht zufrieden ist. Ich bin ein Mensch. Ich bin ein Fussballer, der ehrgeizig ist. Ich will zeigen, was ich kann", erklärt er und lässt damit einen Verbleib in Gladbach offen. Bis 2019 läuft sein Vertrag am Niederrhein noch. In der abgelaufenen Saison stand Drmic nach seinem Comeback am zwölften Spieltag nur viermal in der Startelf. "Erst mal ist WM, nur WM. Danach gehe ich in die Ferien, dann zurück nach Gladbach. Und dann rede ich mit dem Klub. Dann wird entschieden, was für uns die beste Lösung ist", so Drmic weiter.


Im vergangenen Winter waren die Grashopper Zürich am Nationalstürmer interessiert. Mit Trainer Murat Yakin habe er damals telefoniert, das Interesse wurde öffentlich. "Mein Fokus war voll auf Gladbach gerichtet, ich wollte nicht in die Schweiz", blickt Drmic zurück. Ob das auch für diesen Transfer-Sommer gilt, ließ er unkommentiert. Der Angreifer weiß ganz genau: Je weiter es mit der Schweiz bei der WM geht, desto mehr Optionen sollte er nach dem Turnier haben.

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Gegen Ex-Klub HSV erzielte Drmic (l.) am 34. Spieltag seinen vierten Saisontreffer.


Gute Leistungen bei der WM und möglicherweise auch bei Gladbach in der Vorbereitung sind die besten Bewerbungsschreiben für Drmic. Die Fohlen sind derzeit ​auf der Suche nach einem Mittelstürmer. Drmic könnte die interne Lösung werden. "Ich trainiere viel, gehe viel in die Physio, mache viel. Und ich habe keine Beschwerden, irgendwie bringt mir diese WM gute Gefühle", meint er. 


Spezielle Heilmethode half Drmic zum Comeback


Beschwerdefrei und mit einem guten Gefühl will er endlich wieder über einen längeren Zeitraum fit bleiben. Die Arbeit an seinen Comebacks haben viel Kraft gekostet. "Ich bin ein Mensch, habe ein Herz, habe Hochs und Tiefs. Es gab einige Momente, in denen ich alles hinschmeissen wollte. In denen ich mir sagte 'Es reicht, ich kann nicht mehr, es ist alles zu viel'. Aber es gab auch die anderen", beschreibt er seinen harten Weg zurück.


Geholfen haben ihm sein OP-Arzt Jochen Gruber aus Nürnberg und ein ehemaliger Weggefährte. "Mein Trainer Branimir Vajda aus Zagreb, der jeden Tag mit mir gearbeitet hat", bedankt sich Drmic. Ein großer Dank geht auch an einen weiteren Unterstützer. "Momo Alami aus Mönchengladbach, der mir mit seiner Heilkunst geholfen hat. Er hat eine alte Schröpfmethode, bei der man altes Blut herausnimmt. Ich glaube daran, dass mir das geholfen hat", erzählt er.