Spanien ist trotz Überlegenheit im Achtelfinale gegen Gastgeber Russland vorzeitig aus dem Turnier ausgeschieden. Der große Favorit und Weltmeister von 2010 unterlag gegen die Männer von Trainer Stanislav Cherchesov in einer hochspannenden und dramatischen Partie letztlich unglücklich und mit Blick auf den Spielverlauf auch alles andere als verdient mit 3:4 nach Elfmeterschießen. Während die Russen also weiter vom WM-Triumph im eigenen Land träumen dürfen, muss sich die "Furia Roja" um Neu-Coach Fernando Hierro vorwerfen, zu wenig aus dem Ballbesitz und der Überlegenheit gemacht zu haben. Russland trifft im Viertelfinale auf den Sieger der Partie Kroatien gegen Dänemark.

 

Die klar favorisierten Spanier begannen überraschend mit Youngster Marco Asensio von Champions-League-Sieger Real Madrid auf dem Flügel in der Startelf, für ihn rückte Barca-Legende Andres Iniesta nur auf die Bank. Hinten rechts verteidigte zudem Nacho Fernandez anstelle seines Real-Teamkollegen Dani Carvajal. Auf Seiten der Russen saß Top-Torjäger Denis Cheryshev (3 Tore im bisherigen Turnierverlauf) zunächst draußen.

Spain v Morocco: Group B - 2018 FIFA World Cup Russia

Rückte überraschend für Vizekapitän Andres Iniesta in die Startelf der Spanier: Real-Juwel Marco Asensio


Gleich zu Beginn zeigte sich die Ausrichtung der Russen. Aus einer defensiv stabilen Grundordnung lauerten sie auf Konter, um dann überfallartig umzuschalten und zum Abschluss zu kommen. Die Spanier agierten wie gewohnt passsicher und versuchten, mit Kombinationen bis an den gegnerischen Strafraum vorzudringen.


Nachdem die ersten zehn Minuten weitestgehend ereignislos blieben, ging Spanien in der 12. Spielminute schon früh in Führung. Nach einem Foul von Yuri Zhirkov an Nacho brachte Startelf-Neuling Asensio den fälligen Freistoß von der rechten Seite hoch und weit bis an den zweiten Pfosten. Im Zweikampf zwischen Spaniens Kapitän Sergio Ramos und dem russischen Routinier Sergey Ignashevich konzentrierte sich der 38-jährige Innenverteidiger des WM-Gastgebers dort nur auf seinen Gegenspieler, sodass ihm der Ball mit dem Rücken zum Tor an die Wade sprang. Von dort aus landete das Leder schließlich unhaltbar für Keeper Igor Akinfeev zum 1:0 für die Iberer im Tor. 

Spain v Russia: Round of 16 - 2018 FIFA World Cup Russia

Das 1:0: Russen-Verteidiger Sergey Ignashevich befördert den Ball im Zweikampf mit Spaniens Kapitän Sergio Ramos ins eigene Tor 


In der Folge dann weiterhin das gleiche Bild: Spanien presste bei gegnerischem Ballbesitz früh und kontrollierte die Partie selbst mit über 70 Prozent Ballbesitz, ohne dabei allerdings zu weiteren wirklich gefährlichen Torchancen zu kommen. Erst in der 36. Spielminute erspielten sich die Russen dann aber auch eine erste nennenswerte Gelegenheit. Nach einem langen Ball landete die Kugel über Stürmer Artem Dzuyba bei Shootingstar Aleksandr Golovin. Der umworbene Mittelfeldspieler von Vizemeister ZSKA Moskau fackelte nicht lang und schoss von links innerhalb der Strafraumgrenze aufs spanische Tor von David de Gea. Sein Schlenzer ging allerdings knapp am Kasten des United-Schlussmanns vorbei. 


Aufgeweckt durch den Schuss von Golovin fassten sich die Russen danach ein Herz und wurden dafür schließlich mit einem Elfmeter kurz vor der Pause belohnt. Nach einer Ecke stieg der groß gewachsene Mittelstürmer Dzyuba zum Kopfball. Der Ball sprang an den Arm von Gegenspieler Gerard Piqué, den dieser augenscheinlich mit Absicht vom Körper aus in die Höhe streckte, um den Dzuyba-Kopfball aufs Tor zu verhindern. Den neben der gelben Karte für Piqué fälligen Elfmeter verwandelte der 29-Jährige schließlich in der 41. Spielminute selbst ins aus seiner Sicht rechte Eck zum etwas glücklichen, letztlich aber nicht unverdienten 1:1-Halbzeitstand. 

Spain v Russia: Round of 16 - 2018 FIFA World Cup Russia

Besorgte per Strafstoß den 1:1-Ausgleich für WM-Gastgeber Russland: Stürmer Artem Dzyuba 


Die zweite Halbzeit begann mit etwas mehr Schwung als die erste Hälfte der Partie. Die Russen zeigten sich mit einer Veränderung (Granat kam für Linksverteidiger Zhirkov) mutiger und hatten zu Beginn mehr Ballbesitz als noch vor dem Seitenwechsel, eine wirklich zwingende Torchance bekamen sie dabei allerdings nicht. Die Spanier hingegen zeigten sich erst in der 58. Spielminute wieder in der gegnerischen Gefahrenzone, ein Schussversuch von Isco wurde allerdings von den Russen zur Ecke geblockt, die nichts einbrachte. In der 61. Spielminute brachte Russland-Coach Cherchesov dann seinen Top-Joker Denis Cheryshev, der für Alexander Samedov in die Partie kam. Auch sein Gegenüber Fernando Hierro reagierte wenig später und brachte in der 66. Spielminute zunächst Iniesta für den weitestgehend wirkungslosen David Silva und drei Minuten später Carvajal für Nacho. Vor allem die Hereinnahme von Iniesta wirkte sich belebend auf das bislang nicht zwingende Offensivspiel der Spanier aus. Dennoch erspielten sich die Favoriten erst fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit noch eine Großchance eben durch jenen Iniesta, der aber mit seinem Distanzschuss ins linke Eck an Russen-Keeper und Kapitän Akinfeev scheiterte - Verlängerung. 


Die erste Halbzeit der Verlängerung plätscherte ähnlich wie die letzten 20 Spielminuten der regulären Spielzeit nur so dahin. Spanien agierte zwar weiterhin überlegen und mit deutlichem Ballbesitz-Plus, kam aber bis auf einen harmlosen Kopfball von Piqué in der 104. Spielminute zu keinem nennenswerten Torabschluss. Nach dem letzten Seitenwechsel der Partie kamen die Spanier in der 108. Spielminute schließlich doch noch einmal zu einem gefährlichen Abschluss. Der in der Verlängerung für Asensio eingewechselte Rodrigo kam rechts im Strafraum an die Kugel und zog ab. Akinfeev konnte den halbhohen Schuss parieren, jedoch nicht festhalten. Der Abpraller landete bei Rechtsverteidiger Carvajal, dessen Schussversuch letztlich aber geblockt wurde. In der letzten Minute folgte noch ein Distanzschuss von Rodrigo, der Akinfeev trotz mittlerweile starkem Regen allerdings keine Probleme bereitete. So kam es schließlich - wie es kommen musste - zur Entscheidung im Elfmeterschießen. 


Aus elf Metern begannen die Spanier mit Iniesta, der sicher is rechte Eck traf. Auch der erste russische Elfmeter von Smolov landete - wenn auch mit viel Glück - im Tor. Nachdem auch Piqué und Ignashevich trafen, scheiterte Spaniens Koke von Atletico Madrid an Igor Akinfeev und öffnete den Russen so die Tür zum Viertelfinale. Golovin nutzte dies und brachte sein Land - ebenfalls glücklich - in Führung. Nachdem Sergio Ramos seinen Elfer für die Iberer sicher verwandelte, gab sich auch Spanien-Legionär Denis Cheryshev vom Punkt aus keine Blöße. Den letzten spanischen Elfmeter vergab schließlich Iago Aspas, sodass Russlands letzter Schütze gar nicht erst antreten musste. 

FBL-WC-2018-MATCH51-ESP-RUS

Der Pechvogel: Iago Aspas


Russland steht nach einer kämpferischen Leistung unterm Strich zwar glücklich in der nächsten Runde, darf im Gegensatz zu Spanien aber weiterhin vom Finale träumen. Spanien hingegen ist nach Weltmeister Deutschland und Europameister Portugal das dritte Schwergewicht, das vorzeitig aus dem Turnier ausscheidet.