​Borussia Dortmund hatte in der vergangenen Saison mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen und wird diese bis zum Saisonstart ausmerzen müssen. Für Neu-Trainer Lucien Favre keine leichte Aufgabe, doch der routinierte Schweizer wird Antworten liefern müssen. Neben der Frage, auf wen der 60-Jährige im Angriff setztwird sich Favre auch Gedanken über die Besetzung des Linksverteidiger-Postens machen müssen - und möglicherweise Raphael Guerreiro eine Chance gewähren.


In den vergangenen Jahren war die linke Abwehrseite von Borussia Dortmund klar definiert: Marcel Schmelzer bildete einst mit Mats Hummels, Neven Subotic und Lukasz Piszczek die erfolgreiche Viererkette des BVB, stieg zudem im Sommer 2016 zum Mannschaftskapitän auf. Doch der mittlerweile 30-Jährige büßte in der abgelaufenen Saison seinen Kredit ein, wurde als Kapitän abgesägt und droht, seinen langjährigen Stammplatz zur neuen Saison zu verlieren.


Das Niveau war schon seit geraumer Zeit nicht mehr so hoch wie vor einigen Jahren, doch nun scheint es schlicht und ergreifend nicht mehr für regelmäßige Einsatzzeiten zu reichen. Daher kommt die Frage auf, wer zur kommenden Saison die Lücke schließen wird, wobei sich drei Optionen anbieten: Abdoul Diallo, Manuel Akanji und Raphael Guerreiro.


Diallo wurde erst kürzlich als fünfter Neuzugang nach Marwin Hitz, Marius Wolf, Eric Oelschlägel und Thomas Delaney vorgestellt, ​ist zugleich mit einer Ablösesumme von 28 Millionen Euro der bislang kostspieligste Transfer der Westfalen. Doch der 22-jährige Innenverteidiger dürfte trotz seiner Variabilität in der Zentrale bleiben und die Nachfolge von Sokratis antreten, ​dessen Wechsel zu Arsenal London im Juli verkündet werden soll.

1. FSV Mainz 05 v Borussia Dortmund - Bundesliga

  Soll die Innenverteidigung verstärken: Neuzugang Abdou Diallo


Die zweite Option wäre keine Unbekannte. Akanji, ebenfalls gelernter Innenverteidiger, absolvierte unter Peter Stöger in der abgelaufenen Rückrunde drei Partien als Linksverteidiger und wusste durchaus zu überzeugen. Doch der Schweizer, der im Januar für 21,5 Millionen Euro vom FC Basel zum BVB wechselte und sich derzeit bei der Weltmeisterschaft in Russland aufhält, ist es eher gewohnt, als Innenverteidiger zu agieren. Auch bei der WM tritt der 1,86 Meter große Defensivspieler in der Zentrale auf, daher erscheint es realistischer, dass er Ömer Toprak ablösen und mit Diallo das neue Innenverteidiger-Duo bilden wird.


Daher gilt Raphael Guerreiro als die wahrscheinlichste Variante. Der Europameister von 2016 kann auf der linken Seite sowohl als Verteidiger als auch etwas weiter vorne im Mittelfeld eingesetzt werden, zur Not weicht er auch in das zentrale Mittelfeld aus. Von allen drei genannten Spielern kennt er die Linksverteidiger-Rolle am besten: Während der Weltmeisterschaft, bei der die Portugiesen am gestrigen Abend im Achtelfinale an Uruguay scheiterten, war Guerreiro auf dieser Position gesetzt, absolvierte generell all seine 28 Länderspiele als linker Verteidiger.


Verkauf im Sommer laut Zorc kein Thema


Unter Thomas Tuchel kam er eher im zentralen beziehungsweise linken Mittelfeld zum Einsatz, wird nach seinem Horror-Jahr jedoch alles daran setzen, überhaupt Spielpraxis zu sammeln. Denn nach einer Operation am Knöchel fiel er in der abgelaufenen Saison bis Oktober aus, ehe er sich im Januar einen Muskelfaserriss zuzog. Aufgrund anhaltender muskulärer Probleme, die in einem erneuten Muskelfaserriss mündeten, sammelte der 24-Jährige insgesamt nur 15 Einsätze und wird sich nach der WM noch einmal in Dortmund beweisen wollen.

FC Red Bull Salzburg v Borussia Dortmund - UEFA Europa League Round of 16: Second Leg

  Raphael Guerreiro tauchte in der vergangenen Saison ab, was an zahlreichen Verletzungen lag


Dort will man ihn auf keinen Fall abgegeben: "Raphael hatte keine glückliche Saison. Wir sind aber froh, dass er jetzt verletzungsfrei ist – und hoffentlich wieder zu seiner alten Form findet", sagte Sportdirektor Michael Zorc gegenüber der ​Bild. Guerreiro, der vor zwei Jahren für zwölf Millionen Euro vom FC Lorient verpflichtet wurde, steht in Dortmund noch bis 2020 unter Vertrag, und nach zahlreichen nominellen Abgängen wollen die Vereinsbosse in Zukunft hartnäckiger agieren. Trotz des vermeintlichen Interesses mehrerer Top-Klubs wird er also bleiben und in der kommenden Saison möglicherweise wieder Stammspieler werden.


Denn seine Rolle als Linksverteidiger interpretiert er offensiv, suchte bei der WM oft den Weg nach vorne und schaltete sich in das Offensivspiel der Mannschaft ein. Im modernen Fußball benötigen Mannschaften wie der BVB, die den Weg nach vorne suchen und den Gegner einschnüren wollen, so viel Unterstützung wie möglich, weshalb die Außenverteidiger immer höher stehen. Mit 16 Torbeteiligungen bewies er in seiner Premieren-Saison seine Fähigkeiten vor dem gegnerischen Tor, doch auch die defensiven Komponenten kommen bei ihm nicht zu kurz. 


Sollte sich Favre daher für eine interne Lösung entscheiden, dürfte die Wahl auf Guerreiro fallen. Nach einer verletzungsfreien Weltmeisterschaft, bei der er keine Sekunde auf dem Platz verpasste, wird er bald in die Vorbereitung einsteigen können und sich dem neuen Trainer präsentieren. Falls er fit bleibt, könnte er die Lösung sein, die der BVB seit Monaten händeringend benötigt.