​DFB-Kapitän Manuel Neuer hat nach dem blamablen deutschen Vorrunden-Aus bei der WM Stellung bezogen und Verantwortung für die Leistung der Mannschaft übernommen. Man habe zu viele Fehler gemacht, sei vor dem Tor nicht gefährlich genug gewesen, und habe ein Weiterkommen deshalb auch nicht verdient gehabt. 


Die deutsche Nummer eins sprach in einem Interview mit ​DFB.de Klartext über das Ausscheiden der deutschen Mannschaft: "Man muss ganz klar sagen, dass wir es einfach nicht verdient haben. In keinem unserer drei Spiele hat man gesehen, dass da wirklich eine deutsche Mannschaft auf dem Platz stand, vor der man Respekt hat", so Neuer. Der Torwart kritisierte dabei auch die geringe Torausbeute des deutschen Teams: "Wenn man das 2:1 in der 95. Minute macht gegen Schweden und die anderen beiden Spiele verliert und dabei auch keine klaren Torchancen kreiert, den Gegner nicht unter Druck setzt, dann hat man es auch nicht verdient, in der K.o.-Runde zu spielen. Im Achtelfinale hätte jeder gerne gegen uns gespielt. Wie sollen wir einem Gegner gefährlich werden, wenn wir unsere Leistung nicht abrufen?" Die deutsche Mannschaft gab mit 68 Abschlüssen die mit Abstand meisten Schüsse aller Teams ab, konnte allerdings in drei Spielen nur zwei Tore erzielen. Das ist die schlechteste Toreffizienz aller Teams im Turnier und die schwächste Ausbeute einer deutschen Mannschaft bei einer WM-Vorrunde.

Neuer habe vor allem die Leichtigkeit und das Vertrauen in die eigene Qualität vermisst: "Im Umschaltspiel, sowohl nach vorne wie nach hinten, das war alles zu lethargisch. Wir waren zu langsam, wir konnten nie einem Gegner richtig wehtun. Das hatte uns eigentlich immer ausgezeichnet, gerade die Pässe in die Räume, in die Schnittstellen. Und das haben wir hier nicht erlebt. Während der Qualifikation haben wir immer unsere Tore gemacht, wir haben Chancen kreiert, aber das alles haben wir vermissen lassen. Natürlich hatten wir unsere Chancen, hatten auch Aluminiumtreffer, aber nicht konstant Zwingendes."


Dabei habe der Nationalmannschaft auch das Selbstverständnis und die Einstellung gefehlt: "Man hat nicht gemerkt, dass hier eine Mannschaft bei einer Weltmeisterschaft auf dem Platz steht, vor der man richtig großen Respekt hat. Jeder Gegner, egal ob das Mexiko, Schweden oder jetzt Südkorea war, hat auf unsere Fehler gewartet. Sie wussten, dass sie ihre Chancen und Möglichkeiten bekommen." Anscheinend gab es entweder ein Mentalitätsproblem, oder der Druck als amtierenden Weltmeister gejagt zu werden, war zu groß. Durch das deutsche Aus 2018 sind vier der letzten fünf jeweils amtierenden Weltmeister bereits in der Gruppenphase ausgeschieden. Neuer will die fehlende Einstellung aber nicht als Ausrede verstanden wissen: "Wir müssen uns in die Verantwortung nehmen. Wir haben's gemeinsam verbockt."

Woran genau es gelegen habe, kann der 32-Jährige aber noch nicht beantworten: "Ich denke, bevor man ein Turnier beginnt, weiß man nicht, wo man steht. Wir waren eigentlich bis in die Haarspitzen motiviert. Man möchte alles auf den Platz bringen. Eine WM findet nur alle vier Jahre statt, und man wartet auf dieses große Event. Man arbeitet so hart darauf hin, um diese Spiele machen zu dürfen. Dass wir so eine Leistung zeigen und wirklich in der Vorrunde in dieser Gruppe ausscheiden, das habe ich bei einer deutschen Mannschaft noch nicht erlebt." Neuer habe dabei als Kapitän immer versucht die Mannschaft zu motivieren, will sich aber dennoch der Verantwortung stellen. Ein Rücktritt ist für den Torwart derweil keine Option: "Ich habe nicht vor aufzuhören."


Auch auf seiner eigenen ​Facebook-Seite nahm der deutsche Kapitän noch einmal Stellung gegenüber den eigenen Fans: "Wir sind genauso enttäuscht wie Ihr! Eine WM ist nur alle vier Jahre und wir hatten uns so viel vorgenommen. Es tut uns leid, dass wir nicht wie Weltmeister gespielt haben. Daher sind wir auch verdient ausgeschieden, so bitter es ist."