KAZAN, RUSSIA - JUNE 27:  Thomas Mueller of Germany looks dejected following his sides defeat in the 2018 FIFA World Cup Russia group F match between  Korea Republic and Germany at Kazan Arena on June 27, 2018 in Kazan, Russia.  (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images, )

Zwischen Unsportlich- und Kopflosigkeit: Die Flop-Elf der WM-Vorrunde

Die WM-Vorrunde ist absolviert, das bedeutet Durchschnaufen. Oder nach Hause fahren, wenn man deutscher Nationalspieler ist. Durch die gesamte Vorrunde zog sich ein fast einheitliches Bild: Strauchelnde Favoriten gegen vermeintlich schwache Gegner. Dementsprechend hoch dekoriert ist die Flop-Elf der WM-Vorrunde:

1. Willy Caballero (Argentinien)

Argentinien muss bei der WM auf die Nummer eins Sergio Romero verzichten. Stattdessen steht der etwas in die Jahre gekommene Willy Caballero zwischen den Pfosten - und bewies in der Vorrunde eindrucksvoll, warum er etatmäßig auf der Bank sitzt. Der Ersatzmann von Manchester City leistete sich gegen Kroatien einen verhängnisvollen Bock und wirkte auch sonst überfordert: Vier Gegentore gegen Island und Kroatien sprechen eine eindrucksvolle Sprache. Im abschließenden Spiel gegen Nigeria wurde Caballero auf die Bank geschickt und der in Europa weitestgehend unbekannte Franco Armani nahm seinen Platz ein. Nach der Vorrunde ist es kaum denkbar, dass Caballero bei der WM noch einmal eine Chance erhält.

2. Joshua Kimmich (Deutschland)

Joshua Kimmich ist sicher nicht der aktuell gesuchte Sündenbock, der den Kopf für das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft in der Gruppenphase hinhält. Die schwache Leistung des Rechtsverteidigers beim Turnier in Russland ist allerdings bezeichnend. Der Bayern-Star soll in die Fußstapfen von Philipp Lahm treten und deutete in der Vorsaison an, dass er das Potential dazu hat. Bei der WM blieb er seinen Ansprüchen aber weit zurück, vernachlässigte seine Defensiv-Arbeit und seine sonst so maßgeschneiderten Flanken fanden ihr Ziel zu selten. 

3. Nicolas Otamendi (Argentinien)

Fünf Gegentore für den Vize-Weltmeister in einer Gruppe mit Kroatien, Nigeria und Island sind ein harter Brocken. Daran trägt auch Abwehrchef Nicolas Otamendi eine Teilschuld. Zum Flop wurde der Innenverteidiger von Manchester City allerdings durch sein unsportliches Verhalten gegen Kroatien. Nachdem die Niederlage der Argentinier gegen Kroatien besiegelt war, schoss Otamendi dem am Boden liegenden Rakitic den Ball aus einem Meter Entfernung an den Kopf - nachdem das Spiel bereits unterbrochen war! Ein schlechter Verlierer und ein Flop der WM-Vorrunde.

4. Jerome Boateng (Deutschland)

In einer kopflosen deutschen Mannschaft war Jerome Boateng der Kopfloseste. Der Bayern-Star, der eigentlich Führungsspieler sein sollte, agierte gegen Mexiko wild, hielt seine Position nicht und spielte alles andere als weltmeisterlich. Gegen Schweden war Boateng ebenfalls nicht die erhoffte Stütze und erwies dem DFB-Team dann auch noch mit einer unnötigen Roten Karte einen Bärendienst. Die Schmach gegen Südkorea verfolgte Boateng von der Tribüne aus.

5. Javier Mascherano (Argentinien)

Javier Mascherano hat seinen Zenit überschritten. Weit überschritten. Nicht umsonst wurde der Routinier beim FC Barcelona aussortiert und nach China verkauft. Trotzdem ist Mascherano weiterhin Teil der argentinischen Stamm-Elf. Mit seinen Leistungen in Russland kann Trainer Sampaoli allerdings nicht zufrieden sein. Mascherano wirkte oft überfordert und gewann gerade einmal 43 Prozent seiner Zweikämpfe.

6. Sami Khedira (Deutschland)

Er könne sich nicht erklären, warum er seine Leistung nach der besten Saison seiner Karriere in Russland nicht abrufen konnte. Sami Khedira, der Deutschland zur Titelverteidigung führen sollte, enttäuschte bei der WM auf ganzer Linie. Einem katastrophalen Auftritt gegen Mexiko folgte die Degradierung gegen Schweden. Im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea wieder in der Startelf, ließ Khedira seine Klasse erneut vermissen. Ein Rücktritt aus der Nationalmannschaft steht nun im Raum.

7. Mesut Özil (Deutschland)

Mesut Özil schrieb bereits vor der WM negative Schlagzeilen. Die Belastung konnte der Lieblingsschüler von Joachim Löw offenbar nicht abschütteln. Nach einer desaströsen Leistung gegen Mexiko wurde auch Özil gegen Schweden auf die Bank verbannt und konnte seine zweite Chance gegen Südkorea nicht nutzen. Ein rabenschwarzes Turnier für Mesut Özil.

8. Thomas Müller (Deutschland)

Was ist nur mit Thomas Müller los? Der Verlässlichste unter den Verlässlichen war der Flop schlechthin bei der WM-Vorrunde in Russland. Dem Angreifer vom FC Bayern München gelang gar nichts, sein stolzes WM-Konto von bereits zehn Toren konnte Müller in Russland nicht aufbessern. Folgerichtig kam Müller gegen Südkorea nur von der Bank - eigentlich ein undenkbares Szenario.

9. Antoine Griezmann (Frankreich)

Die viel gelobte französische Nationalmannschaft galt vor dem Turnier als Favorit auf den WM-Titel. Die Gruppenphase war aber eher pfui, als hui. Hoffnungsträger Antoine Griezmann gelang wenig bis gar nichts. Zwar erzielte der Stürmer von Atletico Madrid einen Treffer, aber auch nur per Strafstoß. In der K.o.-Phase muss deutlich mehr kommen.

10. Nikola Kalinic (Kroatien)

Nikola Kalinic reizt die Teilnahme an einer Fußball-Weltmeisterschaft offenbar herzlich wenig. Der Stürmer vom AC Milan weigerte sich gegen Nigeria aufgrund von angeblichen Rückenschmerzen eingewechselt zu werden, Trainer Zlatko Dalic strich den Stürmer anschließend aus dem Kader. Dalic betonte, dass Kalinic sich nicht das erste Mal geweigert hat, als Joker eingewechselt zu werden.

11. Robert Lewandowski (Polen)

Die Mitspieler sind Schuld, wer auch sonst? Diese Botschaft ließ Robert Lewandowski nach dem erschreckend schwachen WM-Auftritt und dem Ausscheiden der Polen indirekt verlauten. Von einem Stürmer von Weltklasse-Format darf man allerdings mehr als drei Torschüsse und keine einzige Torbeteiligung erwarten. Und mehr Klasse.