(L to R) Germany's midfielder Mesut Ozil, defender Mats Hummels, forward Mario Gomez and midfielder Sami Khedira warm up during a training session in Vatutinki, near Moscow, on June 14, 2018, ahead of the Russia 2018 World Cup football tournament. (Photo by Patrik STOLLARZ / AFP)        (Photo credit should read PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

Neustart unvermeidbar: Diese Spieler könnten ihre DFB-Karriere beenden

Der Schock sitzt immer noch tief: Die deutsche Nationalmannschaft hat es erstmals in ihrer Geschichte nicht geschafft, die Gruppenphase bei einer WM zu überstehen. Der Ruf nach Veränderungen wurde direkt nach der Blamage von Russland laut. Joachim Löw ließ seine Zukunft offen, trotz seiner Vertragsverlängerung vor dem Turnier. Ein Wechsel auf der Trainerbank könnte ein Impuls für den Neustart sein. Löws Trainerqualitäten sind zwar unbestritten, ebenso wie seine herausragenden Dienste um die DFB-Elf seit 2006. Der Bundestrainer hat das Team Schritt für Schritt entwickelt und zu einer stilprägenden Mannschaft geformt. Nach dem Höhepunkt 2014 war diese Entwicklung allerdings vorbei - Löw hat es nicht geschafft, wichtige Veränderungen vorzunehmen. So wirkte der Auftritt des Titelverteidigers emotionslos, lethargisch und überheblich. 


Die Schuld am Desaster trägt der Bundestrainer freilich nicht allein. Die Spieler sollten sich zunächst an die eigene Nase fassen. Die meisten waren weit von ihrem eigentlichen Leistungsvermögen entfernt, viele wirkten aber auch festgefahren im Löw'schen System. Angst und Bange muss einem um die nahe Zukunft aber nicht werden - Deutschland verfügt weiter über großes (Spieler-)Potenzial. Für einige Altgediente wird es nun Zeit, den Platz für die neue, hoffentlich nächste goldene Generation frei zu machen. Diese Spieler sollten ihre Länderspiel-Karriere beenden:

6. Sami Khedira

Sami Khedira wirkte in Russland wie ein Schatten seiner selbst. Anders als vor vier Jahren, war der 31-Jährige eigentlich topfit zur WM-Vorbereitung angereist. Bei Juventus Turin spielte er eine gute Rückrunde. Gegen Mexiko und Südkorea schien es jedoch teilweise, als hätte er das Fußballspielen verlernt. Defensiv ohne Durchsetzungsvermögen, war er im Ballbesitz ein einziges Nevenbündel. Gegen Südkorea versteckte sich Khedira immer wieder, die Angst war förmlich greifbar. Mit 31 Jahren, dem WM-Titel und 75 Länderspielen sollte Khedira nun die Zeichen der Zeit erkennen und Schluss machen beim DFB. Auf seiner Position ist sowohl für das Offensivspiel, als auch für die Defensive (Abräumer) genug anderes Personal vorhanden.

5. Mario Gomez

Mario Gomez kann einem fast schon Leid tun: Vor vier Jahren flog der VfB-Stürmer noch aus dem WM-Aufgebot - es war der nächste Tiefpunkt seiner DFB-Karriere. Nun schaffte der 32-Jährige den Sprung in den Kader und zeigte sich dabei gereift. Als Werner-Mentor, Motivator und Joker nahm er eine wichtige Rolle im Team ein. Nach 77 Länderspielen sollte der Routinier dennoch Schluss machen. Nicht weil er gegen Südkorea gute Chancen auf die Führung vergab, sondern um Platz zu machen. Die Suche nach Stürmer-Nachfolgern wird eine zentrale Aufgabe beim Neuaufbau sein - sie sollte ohne Gomez stattfinden.

4. Mesut Özil

Am Arsenal-Spielmacher scheiden sich die Geister. Das war schon beim Titelgewinn 2014 so. Losgelöst von jeder Polemik war der 29-Jährige noch einer der Besseren gegen Südkorea - auch wenn das beim blamablen Auftritt der DFB-Elf nur schwer zu sagen ist. Özil hat 91 Länderspiele auf dem Buckel, wäre mit 29 Jahren auch noch in einem guten Alter für die kommende EM oder sogar WM in vier Jahren. Dennoch sollte er erkannt haben, dass sein Kredit spätestens nach "Erdogan-Gate" völlig aufgebraucht ist. Seine Leistungen waren - gerade in den wichtigen Partien - schon seit langer Zeit durchwachsen. Nun sollte er zum Wohle der Nationalmannschaft einen Schlussstrich ziehen. Auch auf seiner Position drängen genug vielversprechende Youngster nach.

3. Ilkay Gündogan

Kurz vor seinem 21. Geburtstag debütierte Ilkay Gündogan 2011 für das DFB-Team. Seither sind für den jetzt 27-Jährigen nur 25 weitere Länderspiele hinzu gekommen. Vor allem seine vielen Verletzungen sind daran Schuld. Der zentrale Mittelfeldspieler verfügt eigentlich über eine enorme Klasse - unter Beweis stellen konnte er diese im Kreis der Nationalmannschaft höchst selten. Bei Gündogan kommt, ähnlich wie bei Özil, die Erdogan-Affäre hinzu. Er hat sich im Gegensatz zu Özil zwar im Anschluss geäußert, Rückhalt bei den Anhängern genießt er keinen mehr. Deutlich wurde das bei den Pfiffen in Leverkusen bei der Generalprobe gegen Saudi-Arabien. Gündogan soll in der Kabine geweint haben, seine Verunsicherung war auch in Russland zu spüren. Er befindet sich zwar noch im "goldenen Fußballeralter" und könnte das auch bei der nächsten WM mit 31 Jahren noch sein. Dennoch muss er sich überlegen, ob für ihn ein "Ende mit Schrecken" womöglich besser wäre, als "ein Schrecken ohne Ende".

2. Jerome Boateng, Mats Hummels

Unvergessen bleiben die Leistungen von Boateng und Hummels 2014. Die beiden Bayern-Verteidiger bildeten in Brasilien ein Bollwerk. Vier Jahre später zählt das Duo zu den absoluten Führungsspielern und Sprachrohren des DFB-Teams. Beide sind nun 29 Jahre alt - wären bei der nächsten WM also 33. Gerade aus Sicht von Boateng mit seiner langen Verletzungshistorie könnte das Leistungszenit dann schon überschritten sein. Möglich das zumindest einer der beiden sagt, "für mich ist Schluss" und den vielen jüngeren Innenverteidigern wie Süle, Rüdiger, Ginter, Tah und Co. das Feld überlasst. 

1. Toni Kroos

Toni Kroos ist in Madrid zum Weltstar und einer gereiften Führungsperson geworden. Mit 28 Jahren hat er bereits fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Neben dem WM-Titel 2014 auch viermal die Champions League. Der Mittelfeld-Stratege wäre eigentlich der geeignete Mann für einen Neustart um ihn herum. Dynamischere Youngster wie Goretzka oder Can könnten gut neben ihm funktionieren. Ob Kroos aber bereit ist, den nächsten WM-Zyklus anzugehen, ließ er nach der Südkorea-Pleite offen. "Ein Rücktritt? Ehrlich gesagt war ich darauf eingestellt, dass es ein längeres Turnier wird. Deswegen habe ich mir dazu noch keine Gedanken gemacht. Lasst uns alle einfach mal darüber nachdenken", sagte er zu Sport1. Ein Interview mit dem Stern im März lässt tief blicken - und legt nahe, dass Kroos einen Rücktritt zumindest in Erwägung ziehen könnte. "Immer wieder Abschied zu nehmen von meinen Liebsten, das kostet mich Kraft. Vor allem, wenn man so gern zu Hause ist wie ich. Das ist der negativste Aspekt meines Jobs", erklärte er damals.