KAZAN, RUSSIA - JUNE 27: Niklas Suele, Leon Goretzka and Manuel Neuer of Germany are disappointed following the 2018 FIFA World Cup Russia group F match between Korea Republic and Germany at Kazan Arena on June 27, 2018 in Kazan, Russia. (Photo by Reinaldo Coddou H./Getty Images)

Nach Blamage gegen Südkorea: Die DFB-Kicker in der Einzelkritik

Der 27. Juni 2018 geht in die Geschichte des deutschen Fußballs ein. Die deutsche Nationalmannschaft ist nach einer 0:2-Niederlage gegen den vermeintlichen Fußballzwerg Südkorea aus der WM ausgeschieden und muss die Heimreise antreten. Grund dafür waren erneut schwache Leistungen, es gab nur ganz wenige Ausnahmefälle.



14. Manuel Neuer

Der Welttorhüter hielt innerlich wahrscheinlich kurz den Atmen an, als er nach einem Schuss eines Südkoreaners in der ersten Halbzeit den Ball aus den Armen verlor und noch gerade so zur Ecke retten konnte. Daraufhin steigerte sich Neuer jedoch und hielt die Nationalmannschaft lange Zeit mit guten Paraden im Spiel, fungierte in der Schlussphase zudem als zentraler Mittelfeldspieler. Note: 3 

13. Joshua Kimmich

Joshua Kimmich ist ein Opfer der Spielweise der deutschen Nationalmannschaft. Er ackert bei jeder Partie rauf und runter, kann aber wegen der fehlenden Dynamik im Spiel überhaupt nicht mithelfen. Er verharrt lange in der Offensive, muss jedoch Bälle aus dem Stand bekommen und danach monoton an den nächsten freien Mann spielen. Er hatte jedenfalls heute kaum Einfluss auf die Partie und am Ende reichte seine Leistung nur gerade aus. Note: 4-

12. Niklas Süle

Der einzige Feldspieler, der heute Normalleistung zeigte. Es ist beeindruckend, wie das Kraftpaket koreanische Konter ausschaltete. Fehlerfrei war seine Leistung nicht, doch es machte sich ein bemerkbarer Unterschied zu seinen Teamkollegen aus. Dem Innenverteidiger gehört beim Klub und der Nationalauswahl die Zukunft. Aber es wird viel Arbeit und Zeit brauchen, bis sich in Deutschland wieder eine Masse für diese Zukunft interessieren wird. Note: 3

11. Mats Hummels

Der Innenverteidiger rettete ebenfalls wie sein Teamkollege Süle die Nationalmannschaft des Öfteren vor dem Rückstand. Immer wieder liefen die Deutschen in Konter, doch der 29-Jährige behielt stets die Ruhe und konnte mehrere mögliche Gegentreffer verhindern. Hummels, der generell als ein starker Kopfballspieler gilt, verpasste jedoch in der 86. Minute mit einer Großchance die deutsche Führung und blieb am Ende eine tragische Figur. Note: 3-

10. Jonas Hector

Der Spieler vom Bundesliga-Absteiger 1. FC Köln gab alles, konnte sich aber nahezu an keinem der deutschen Angriffe beteiligen. In einem Schulzeugnis hätte nach seiner Leistung am Ende des Jahres wohl "Hat sich stets bemüht" gestanden. So verlässt Hector nach guten Leistungen die WM im durchwachsenden Zustand: Note: 4-

9. Sami Khedira

Der ehemalige Führungsspieler des DFB war ein Schatten seiner Selbst und fiel durch Fehlpässe und mangelnden Kampfgeist auf. Khedira, der seit einigen Jahren Stammspieler bei den Deutschen ist, sollte sich hinterfragen, ob und inwiefern eine Zukunft in der Nationalmannschaft Sinn macht. Note: 6

8. Toni Kroos

Man sieht sehr selten ein schlechtes Spiel von Toni Kroos. Er ist bei seinem Klub Real Madrid die Konstanz, einer der wenigen Akteure auf dem Planeten auf die man sich immer verlassen kann. Doch war das auch heute so? Er erfüllt seine Anforderungen minimal. Die durch seinen Treffer gegen Schweden erzeugte Anfangseuphorie scheint die im DFB-Lager herrschende Mentalität eines Ingenieurs, der eines von vielen Projekten verrichten soll, nicht verändert zu haben. Note: 4-

7. Leon Goretzka

Sein erster WM-Einsatz verlief eher negativ. Der Neuzugang des FC Bayern München leitete in der ersten Halbzeit nach einer guten Balleroberung einen gefährlichen Angriff der Deutschen ein, der jedoch nichts geworden ist. In der zweiten Halbzeit agierte Goretzka unauffällig, jedoch fehlerfrei, konnte die Blamage aber auch nicht verhindern. Note: 5

6. Mesut Özil

Es gibt einen einzigen Grund, um Mesut Özil auf dem Fußballfeld zu haben: offensive Kreativität. Der Spielmacher des FC Arsenal hat zweifelsohne seine überragenden Momente, aber wie so oft im DFB-Dress überwog am heutigen Tag die Trägheit und Lustlosigkeit. Er ist einer der Hauptverantwortlichen für die nun schon seit mehreren Spielen deutlich sichtbare  Indifferenz der deutschen Offensive, die wahrscheinlich neben Panama, Iran und Costa Rica zu den schlechtesten unter den WM-Teilnehmern gehört. Die Komponenten stimmen zumindest zum Teil, doch die durch Anführer wie Özil durchgeführte Zusammensetzung führt zu einem ungenügenden Ergebnis, das die Hauptanforderung des Fußballs schlicht und einfach ignoriert. Note: 6

5. Marco Reus

Der Flügelflitzer von Borussia Dortmund kam erst in seinem dritten Spiel für die deutsche Nationalmannschaft bei einer WM zum Einsatz und versuchte alles, um das Ausscheiden zu verhindern. Doch wenn ein Offensivmann vorne relativ alleine da steht und sein Tempo kaum ein anderer mithalten kann, entsteht keine Gefahr. Note: 4 

4. Timo Werner

Mit der Einbeziehung von Marco Reus auf die linke Außenbahn wurde Timo Werners Rolle im Vergleich zum Schweden-Spiel erneut geändert. Da er über extrem langsame Mitspieler verfügt, konnte er seine Schnelligkeit nicht wie bei RB Leipzig in Kontersituationen als Mittelstürmer ausnutzen. Die gern gesehenen Vorstöße aus der linken Seite im Eins-gegen-Eins waren zu rar, um seine Leistung nicht als enttäuschend zu bezeichnen. Note: 4-

3. Mario Gomez

Mit der Einwechslung von Mario Gomez erhoffte sich Bundestrainer Jogi Löw die nötige Abschlussstärke, um in glücklichen Situationen den Ball einzuschieben. Denn wirklich aus dem Spiel heraus konnten die DFB-Kicker nicht viel kreieren. Doch der Mittelstürmer des VfB Stuttgart vergab mehrere Großchancen und konnte unter anderem seine Lufthoheit gegen die kleineren Südkoreaner nicht ausnutzen. Note: 4

2. Thomas Müller

Jogi Löw reagierte auf die schwachen Leistungen der vergangenen Partien und nahm Thomas Müller aus der Startelf heraus. Als man aber unter Druck geriet und ein Tor her musste, wurde der Raumspieler ins Spiel gebracht. Müller war jedoch total unsichtbar in der halben Stunde, die er als Einsatzzeit bekam. Müller ist zwar von der Mentalität her eine absolute Rarität unter den Akteuren der deutschen Nationalmannschaft, was auch an seiner Emotionalität nach dem WM-Aus - im Gegensatz zu seinen Mitspielern - deutlich wurde, doch spielerisch ist er wie viele andere seiner Garde einfach nicht die Lösung. Note: 5

1. Julian Brandt

Wie bereits in den vergangenen zwei Partien wurde Brandt erst in der Schlussphase eingesetzt. Erneut sorgte der Offensiv-Allrounder von Bayer 04 Leverkusen für etwas mehr Bewegung in der stagnierenden Offensive und feuerte unter anderem einen gefährlichen Weitschuss ab, den der südkoreanische Keeper parierte. Bei Brandt werden sich viele fragen, wieso er nicht früher eingewechselt wurde. Ohne Bewertung