Im Endspiel um den Einzug ins Achtelfinale tat sich die deutsche Nationalmannschaft über 90 Minuten gegen kompakt stehende und gefährlich konternde Südkoreaner schwer und verpasste es vor allem im ersten Durchgang, sich aussichtsreiche Chancen zu erspielen. Nach dem Seitenwechsel erhöhte die DFB-Elf die Schlagzahl, ließ dabei allerdings eine Vielzahl an Chancen liegen und kassierte in der Nachspielzeit die entscheidenden Gegentore. Damit scheidet der Titelverteidiger, wie bereits Italien 2010 und Spanien 2014, vorzeitig aus.


​Tae-Yong Shin wählte ein 4-4-2 mit Lee, Hun, Kim und Hong in der Defensive. Im zentralen Mittelfeld begannen Jang und Jung, auf den Flügeln Moon und Jae-Sung Lee. Koo und Son starteten im Sturm. 


Joachim Löw vertraute auch im dritten Spiel auf ein 4-2-3-1, diesmal mit Hector, Rückkehrer Hummels, Süle und Kimmich in der Abwehrreihe. Im defensiven Mittelfeld begann erneut Khedira neben Kroos, in der offensiven Dreierreihe starteten neben Reus auch Özil und Goretzka. Im Angriff erhielt erneut Werner den Vorzug.


Kontrollierter Beginn


Die Partie ging bei klarem Sonnenschein von Anfang an überwiegend in eine Richtung. Die DFB-Elf riss den Ball früh an sich, war darum bemüht, Spielkontrolle zu übernehmen und wollte sich stetig dem Tor von Jo annähern. Südkorea hingegen stand in der Defensive kompakt, machte mit ihren beiden Viererketten das Zentrum dicht und stellten auch immer wieder die  Außenbahnen zu, falls das Spiel verlagert wurde.

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 Startelf-Debütant Leon Goretzka war im ersten Durchgang bemüht. Seine Aktionen brachten zunächst allerdings keinen Erfolg.

 


Deutschland fehlte es überwiegend an Tempo, da man die Gefahr vor schnellen Gegenstößen mindern wollte. Im letzten Angriffsdrittel fehlte es zudem an der zündenden Idee und technische Fehler verhinderten immer wieder gute Gelegenheiten. Unglücklich waren auch überwiegend die Hereingaben von Goretzka und Kimmich, die keinen Abnehmer fanden oder von der koreanischen Abwehr geblockt wurden. 


Südkorea vorne bissig, hinten stabil - eine insgesamt träge Partie 


Vom Gruppenletzten kamen ab und an Nadelstiche, wie in der 19. Minute, als es erstmals gefährlich wurde: Neuer wollte einen direkten Freistoß aus der zweiten Reihe sicher abfangen, konnte den Ball jedoch nicht festhalten. Son rauschte heran, doch ehe der Angreifer von Tottenham Hotspur hätte einschieben können, klärte der 32-Jährige im letzten Moment per Faustabwehr. Son war es auch, der sechs Minuten später zum Abschluss kam, nachdem ein hoher Ball von Lee nicht entscheidend herausgespielt wurde. Doch der 25-Jährige verpasste das Tor mit seinem wuchtigen Versuch.

Korea Republic v Germany: Group F - 2018 FIFA World Cup Russia

  Fast die Führung für den vermeintlichen Außenseiter: Son (Mitte) läuft ein, Neuer (r.) ist nach seinem Patzer zur Stelle



Der deutschen Nationalmannschaft fehlte weiterhin die Durchschlagskraft im Angriff, und auch die Passgenauigkeit trug ihren Anteil dazu bei, dass die Offensivaktionen weitestgehend glücklos blieben. Reus, Özil und Goretzka rotierten innerhalb der Zwischenräume immer wieder, konnten sich jedoch weder entscheidend in Szene setzen noch Chancen kreieren. Die Südkoreaner verteidigten weiter clever, stellten den Weg zum Tor immer wieder zu und bereiteten dem Titelverteidiger somit einige Schwierigkeiten. Etwas weiter vorne liefen sie immer wieder aggressiv an und bekamen daher die ein oder andere Gelegenheit, ließen diese jedoch ungenutzt. Die Elf von Joachim Löw hatte zur Pause 75% Ballbesitz, gewann zwei Drittel ihrer Zweikämpfe, doch was fehlte, war die Torgefahr.


Deutschland unter Zugzwang


Im zweiten Durchgang erhöhte Deutschland das Tempo und kam erstmals zu klaren Abschlüssen: In der 48. Minute flankte Kimmich in den Strafraum, wo Goretzka frei zum Kopfball ansetzen konnte, doch Jo entschärfte mit einem guten Reflex. Drei Minuten später kam Werner nach einer Hereingabe von Özil zum Abschluss, scheiterte mit dem Außenrist jedoch knapp. Das Risiko wurde erhöht, auch weil man auf der Bank mitbekam, dass Schweden im Parallelspiel gegen Mexiko in Führung ging und die Situation somit verschärfte.

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   Zuverlässiger Rückhalt: Hyeon-Woo Jo (r.)



Löw wechselte binnen weniger Minuten doppelt und brachte nach einer Stunde Gomez für Khedira und Müller für Goretzka. Doch auch Südkorea versteckte sich nicht und lauerte auf Konter, doch Hummels klärte in letzter Not gegen Moon, der etwas zu lange mit dem Abschluss zögerte (65.). Die Mannschaft von Tae-Yong Shin wurde bei Kontern immer gefährlicher, während 'Die Mannschaft' noch immer Schwierigkeiten im letzten Drittel hatte. Die nächste Gelegenheit folgte erst nach 67 Minuten, als Gomez per Kopf zur Chance kam - Jo parierte erneut sicher.


Südkorea mauert - Kim schockt mit dem Knock-Out


In der Schlussphase stand Südkorea tief, während Deutschland das Spiel immer weiter in die gegnerische Hälfte verlagerte und mehr Druck erzeugte. Chancen blieben jedoch weiterhin Mangelware, zu dicht war die Abwehrreihe gestaffelt. Shin wechselte noch einmal defensiv, Korea verteidigte das eigene Tor mit Mann und Maus und wollte unbedingt das Remis halten. 


In den letzten Zügen der Partie wurde es noch einmal eng: Erst traf Hummels den Ball statt mit seinem Kopf nur mit der Schulter, dann scheiterte Kroos mit einem Distanzschuss an Jo (87., 88.). In der Nachspielzeit dann der Schock: Nach einem Eckball kam Kim zum Abschluss, erzielte die Führung für Südkorea. Das Tor wurde aufgrund einer Abseitsstellung zurückgegeben, doch der Videoschiedsrichter schaltete sich ein. Das Ergebnis: Kroos spitzelte den Ball zum Gegenspieler, das Tor zählte - 1:0 für Südkorea (90.+3). In der 97. Minute erzielte Son dann das 2:0, nachdem Neuer den Ball verlor und das Tor leer stand. 


Durch die Niederlage scheidet zum dritten Mal in Folge der Titelverteidiger bei einer Weltmeisterschaft bereits in der Gruppenphase aus. Für den DFB, der sich viel vorgenommen hatte, eine Tragödie. Dadurch stehen Mexiko und Schweden im Achtelfinale.