Nach drei Jahren und dem DFB-Pokalsieg verlässt Lukas Hradecky Eintracht Frankfurt. Der finnische Nationalkeeper schließt sich Bayer Leverkusen an. In einem Abschieds-Interview bedankt sich der sympathische Schlussmann bei Anhängern, dem Verein und der Stadt - auf eine ihm eigene, sympathische Art.


Im Sommer 2015 kam Lukas Hradecky als Nachfolger für den nach Paris abgewanderten Kevin Trapp zur ​Eintracht nach Frankfurt. Den finnischen Torhüter, geboren in der slowakischen Hauptstadt Bratislava, kannten bis dato wohl nur echte Insider. 2,5 Millionen Euro überwies die Eintracht an Bröndby Kopenhagen.


"Ich kam als Nobody aus Dänemark, um Kevin Trapp zu ersetzen. Jetzt ist es die gleiche Situation. Frederik ist ein super Junge und ich hoffe, dass er einen guten Empfang bekommt. Ich bin sicher, dass alle ihn so unterstützen werden wie mich", sagt Hradecky in einem Interview mit Eintracht TV. Gemeint ist Frederik Rönnow, dänischer Nationalkeeper, der wie Hradecky von Bröndby den Weg zur SGE findet. 

Rönnow soll Hradecky im Tor des Pokalsiegers folgen. Nach drei Jahren hat sich der Finne dazu entschlossen, seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern und ablösefrei zu Liga-Konkurrent ​Bayer L​everkusen zu wechseln. "Ich bin ein Typ, der sich weiterentwickeln möchte. Es war für mich jetzt an der Zeit weiterzuziehen. Einige andere haben das auch so entschieden. Das hat alles Eintracht Frankfurt ermöglicht. Wir sind alle sehr dankbar, dass wir hier sein durften und bessere Menschen werden konnten. Auch ein besserer Torwart - ich muss mich bei allen sportlich Verantwortlichen bedanken. Aber vor allem bei den Fans: Es war unglaublich vor ihnen zu spielen", erklärt Hradecky seinen Schritt.

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Rönnow weilt derzeit als Ersatzmann von Kasper Schmeichel mit Dänemark bei der WM.


Hradecky hat das Bedürfnis, sich bei allen zu verabschieden


"Die drei Jahre waren eine schöne Geschichte", findet er und spricht dabei wohl allen Eintracht-Fans aus dem Herzen. Denn Hradecky wurde nicht nur durch seine vielen Paraden und starken Leistungen zu einem der Lieblinge der Anhänger. Vor allem seine offene und sympathische Art machte ihn so beliebt. Ganz typisch, will er sich deshalb auch nicht durch die Hintertür verabschieden: "Es war mir wichtig, dass ich noch einmal kommen durfte, um persönlich zu allen 'Auf Wiedersehen' zu sagen", meint er im eigens anberaumten "Abschieds-Interview".

Er habe sich in Frankfurt sehr wohl gefühlt, sagt er. Worte, die wie Standard in der modernen, mediengeschulten Fußball-Welt klingen. Hradecky nimmt man sie ab. "Einige Plätze, wie das Main-Ufer, werde ich besonders vermissen. Auch einige sehr gute Restaurants und die Freunde, die ich hier kennenlernen durfte." Zurückkommen wolle er auf jeden Fall nach Frankfurt - wenn auch vorerst nur zu Besuch. Mindestens einmal wird er mit seinem neuen Klub in sein altes Heim-Stadion zurückkehren. "Glücklicherweise darf ich auch nächstes Jahr einmal in der Commerzbank-Arena spielen." Dann verbessert er sich und sagt mit einem Schmunzeln: "Ich meine natürlich Waldstadion".


Zu einem breiten Grinsen wird das, als er an den Sieg von Berlin zurückdenkt. ​"Jetzt bin ich schon ein paar Wochen nüchtern", sagt der Finne und blickt auf den goldenen DFB-Pokal neben ihn. "Wir haben das alle zusammen geschafft und dürfen nun ein großer Teil in der Geschichte eines solch schönen Vereins sein", erklärt Hradecky. "Ich bin sehr stolz, dass ich einen Teil dazu beitragen konnte."

Eintracht Frankfurt Celebrates Winning The DFB Cup

"Feierbiest" Hradecky auf dem Rathausbalkon mal ganz brav neben dem Pokal.


Das leuchten in den Augen wird noch größer, als er vom Empfang in Frankfurt am Tag nach dem großen Triumph in Berlin erzählt. Vom Autokorso in die Innenstadt und der Feier auf dem Römer. "Dieser Pokal gehört allen in Frankfurt", meint der 28-Jährige. "Ich habe einige Bilder gesehen, wo ich ziemlich nüchtern war. Aber auf der Eintracht-Intstagram-Seite wurde einiges gepostet, worauf meine Mutter nicht ganz so stolz war", lacht er. "Aber sie hat es verstanden."

Egal, ob man seinen Abgang als Eintracht-Fan versteht - Hradecky verlässt Frankfurt wie er gekommen war: offen, freundlich, sympathisch.