Steffen Korell koordiniert bei Borussia Mönchengladbach die Suche nach neuen Spielern. Der Ex-Profi hat nun Einblicke gegeben, wie die Scouting-Abteilung am Niederrhein in den letzten zehn Jahren immer professioneller wurde und welche Rolle der Transfer von Marco Reus dabei gespielt hat. Michaël Cuisance wurde dank des neu geschaffenen Netzwerkes in Frankreich entdeckt.


Spieler, Teammanager, Chefscout - Steffen Korell hat bei ​Borussia Mönchengladbach vieles durchlebt. Auch das sportliche Auf- und Ab zwischen ​Bundesliga-Aufstieg 2008, Rettung in der Relegation 2011 und Champions League ​unter Lucien Favre und André Schubert.


Seit Anfang der abgelaufenen Saison ist der 46-Jährige ausschließlich als Leiter der Scouting-Abteilung der Fohlen tätig. Korell hat diese in der vergangenen Jahren mit aufgebaut und immer weiter professionalisiert. Ein entscheidender Punkt war dabei wohl die Verpflichtung eines gewissen Marco Reus. Der kam im Sommer 2009 vom damaligen Zweitligisten Rot Weiss Ahlen an den Niederrhein, wo man nach dem Aufstieg als 15. mit Ach und Krach den Klassenerhalt schaffte.


Die Brötchen waren damals noch um ein Vielfaches kleiner - selbst die Verpflichtung von Reus hing deshalb am seidenen Faden. "Unser erster Transfer war Marco Reus für 800.000 Euro, wo wir uns alle den Kopf zermartert haben, ob wir das wirklich machen. Wir hatten damals nur ein Budget von 2,5 Millionen Euro", erklärt Korell die Situation vor neun Jahren.


Der ehemalige Abwehrspieler fing damals gerade erst an, die Scouting-Abteilung neu zu strukturieren. "Wir haben zum ersten Mal geschaut, wo es Sinn macht, dass wir uns Spieler anschauen, die wir uns leisten können. Wir haben ganz simpel angefangen und erstmal gesagt, dass Deutschland wieder eine größere Rolle spielen muss, die zweite Liga spielt wieder eine Rolle", so Korell im Gespräch mit dem Fohelnpodcast.


Reus als erster Transfer war für die Borussia ein Glücksfall. "Angefangen hat das durch viele Berichte von Uli Sude, der die A-Jugend damals trainiert hat und ihn als Jugendlichen schon gesehen hat. Der war Scout bei uns und hat dann immer wieder auf Marco Reus hingewiesen. Du hast gesehen, dass er super nach hinten gearbeitet hat. Durch die ganzen Infos, die wir schon hatten, wussten wir, dass er in der Vorwärtsbewegung eine Rakete ist. Dann kannst du bei dem Betrag keinen Fehler machen", sagt Korell über den jungen Reus. 


So lief der Transfer von Cuisance ab


Es war der Beginn der erfolgreichen Gladbacher Transferpolitik. Mittlerweile genießen die Fohlen gerade bei jungen Talenten einen exzellenten Ruf. Spieler wie Dante, Granit Xhaka oder zuletzt Mahmoud Dahoud machten am Niederrhein auf sich aufmerksam. Die neuste Entdeckung ist der 18-jährige Franzose Michaël Cuisance, der gleich in seinem ersten Profi-Jahr alle in Gladbach begeistert hat. Schlappe 250.000 Euro zahlten die Fohlen für den hochveranlagten Mittelfeldspieler. 


"Wir haben den Michael in der U16-Nationalmannshaft gesehen und haben ab dem Zeitpunkt weiter verfolgt. Dann geht es eigentlich nur noch darum, über viele Beobachtungen, sicher zu sein, ob das ein Spieler für Borussia Mönchengladbach ist. Das geht dann auch relativ schnell", berichtet Korell über den Vorgang des Transfers. "Man muss warten, wann der Punkt ist, an dem man so einen Spieler wirklich kriegen kann. Die Chance haben wir genutzt. Er hätte auch den ganz großen Schritt schon machen können mit Manchester City, aber am Ende haben wir uns gefreut, dass er sich für uns entschieden hat", so der Borussen-Chefscout weiter.


​​Der Weg von Cuisance wurde durch zwei Voraussetzungen geebnet, wie Korell ausführt. Zum einen das Gladbacher Netzwerk in Frankreich. "Vor drei Jahren haben wir uns entschieden, einen Scout für den Jugendbereich und die U-Nationalmannschaften in Frankreich zu haben. Das war früher in Frankreich nicht sinnvoll, weil kein Franzose in die Bundesliga gewechselt ist, denn die Jugendspieler sind nach England gewechselt. Das hat sich geändert und da haben wir drauf reagiert", erklärt Korell.


Die Spieler zu sichten sei aber nur eine Seite der Medaille. Entscheidend sei auch, was der Chefcoach aus dem vorhandenen Potenzial macht. "Wir sind davon abhängig, dass wir einen Trainer haben, der die Spieler, die wir aussuchen, auch einsetzt. Wir können keinen Trainer holen, der nicht mit jungen Spielern arbeiten will. Man gibt den Spieler in die Obhut eines Trainers und der muss dieses Potenzial dann immer wieder zu Qualität formen", findet Korell. Im Fall von Dieter Hecking und Cuisance hat das bestens funktioniert. Der Fohlen-Coach vertraute dem Teenager immer wieder, der so gleich in seiner Debütsaison zu 26 Pflichtspieleinsätzen kam.