Mit der Einwechslung von Mario Gomez kam am Samstag gegen Schweden eine neue Dimension ins deutsche Spiel: Während der 32-Jährige für Präsenz im Strafraum sorgte, fand Timo Werner über links größere Räume, um sein Tempo auszuspielen. Von Marco Reus gab es am Montag viel Lob für die taktische Maßnahme des Bundestrainers. 


Mario ​Gomez oder Timo Werner im Sturmzentrum - das waren bislang die Optionen von Bundestrainer Joachim Löw. Entweder der routinierte Sturmtank oder der pfeilschnelle ​WM-Neuling. Beim so wichtigen ​Sieg gegen Schweden zeigten die eigentlichen Konkurrenten, dass sie auch gemeinsam können. Nach Gomez' Einwechslung zu den zweiten 45 Minuten rückte Werner aus der Mitte nach links, um fortan mehr Platz und Räume für seine Läufe zu finden.


Mit Gomez stand ein Abnehmer gegen die kopfballstarken Schweden in der Mitte bereit. Eine taktische Umstellung von Löw, die am Ende fruchtete. Auch weil die Skandinavier so noch effizienter müde gespielt werden konnten. Beim Siegtreffer spielte am Ende zwar eine gehörige Portion Glück und vor allem die individuelle Klasse von Toni Kross die Hauptrolle - Werner aber hatte zuvor das Foul zum entscheidenden Freistoß gegen Schwedens Jimmmy Durmaz gezogen. Marco Reus war von der löwschen Maßnahme jedenfalls angetan.

Germany v Sweden: Group F - 2018 FIFA World Cup Russia

Über den linken Flügel konnte Werner seine Schnelligkeit besser ausspielen.


"Wir sind frei im Spiel was die Position angeht und können flexibel sein. Das wirft den Gegner durcheinander. In der zweiten Hälfte war es ein guter Schachzug Timo auf links mit seiner Schnelligkeit zu nehmen. Er kann für uns eine riesige Waffe sein”, glaubte der BVB-Star auf der Pressekonferenz am Montag. Mit Gomez im Zentrum und Werner über links kommt eine neue Variante ins deutsche Spiel, die zeigt, wie groß das offensive Potenzial beim Weltmeister sein kann. 


Eine Variante, die gegen Südkorea ebenfalls Sinn machen könnte. Vor allem weil Flanken auf Gomez gegen den letzten Gruppengegner um einiges erfolgsversprechender sein dürften. Die beiden deutschen Angreifer verbindet in jedem Fall ein besonderes Verhältnis - trotz oder gerade wegen der Konkurrenzsituation. Denn Gomez tritt in Russland bislang in neuer Rolle auf. Er scheint sich fest vorgenommen zu haben, im vielleicht letzten Turnier seiner DFB-Karriere alles dem Erfolg der Mannschaft unterzuordnen.


Werner zeigte sich am Montag jedenfalls beeindruckt: "Ich bekomme viel Unterstützung von ihm. Er ist immer einer der Ersten, der mir nach dem Spiel Tipps gibt. Das gibt es nicht oft, dass sich Konkurrenten so untereinander helfen. Gerade wenn es nicht so lief, hat er mir Mut zugesprochen, auch in der Kabine”, zeigte er sich dankbar. 


​​Die Position auf dem linken Flügel hatte Werner auch schon beim VfB Stuttgart häufig inne. "Ich bin ja eigentlich Stürmer. Von daher ist meine Lieblingsposition schon eher vorne drin. Aber gegen tiefstehende Gegner ist es manchmal vielleicht auch besser, wenn ich mit Tempo aus einer tieferen Position kommen kann", erklärte er. Eine Wiederholung am Mittwoch gegen Südkorea, wenn es einen Sieg mit zwei Toren Unterschied für die sichere Achtelfinal-Teilnahme aus eigener Kraft braucht, soll an Werner nicht scheitern.


Bis dahin ist viel Regeneration angesagt. Die Läufe auf dem Flügel haben Kraft gekostet. Nach dem Siegtreffer sei er "vor Ermüdung zusammengebrochen". Wirklich an den Sieg glauben konnte er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Aber Werner hatte bis dato nach eigener Aussage auch noch nichts Vergleichbares erlebt.