Borussia Dortmund will unter dem neuen Trainer Lucien Favre einen "Neustart" einleiten. Der Schweizer soll klare Strukturen ins BVB-Spiel zurückbringen, personelle Wechsel dem Team mehr Mentalität verleihen. Dass ein solcher "Neustart" allerdings nicht in einem Sommer vollzogen werden könne, betont Sportdirektor Michael Zorc.


Das Wort "Umbruch" kommt ​BVB-Sportdirektor Michael Zorc nicht über die Lippen. Vielmehr sei es ein "Neustart", den die Dortmunder Verantwortlichen seit diesem Sommer vorantreiben. Ein Neustart, der "sicher mehr als eine Sommertransferperiode braucht, um diesen abzuschließen", wie Zorc im Gespräch mit der Funke Mediengruppe betont.


Die Ziele sind klar definiert: Es soll wieder ein Fußball gespielt werden, der eine klare Schwarz-Gelbe Identität bietet. Mit Lucien Favre kam ein erfahrener Trainer aus Nizza, der genau für das steht, was Zorc fordert. "Wir möchten eine klare Handschrift sehen, wir möchten aber auch mehr Mentalität und Disziplin sehen, auf dem Platz und daneben. Daran hat es in der vergangenen Saison und vielleicht auch schon länger etwas gefehlt", erklärt er.

Favre soll klare Strukturen und dominanten Fußball zurückbringen


Favres Teams in Berlin, Gladbach und zuletzt in Frankreich, würden "klare Strukturen" und eine dominante Spielweise auszeichnen. "Nizza, das eindeutig nicht das größte und beste Team in der französischen Liga ist, hatte unter ihm den zweithöchsten Ballbesitzanteil nach Paris Saint-Germain", betont Zorc. Eine weitere große Qualität des Schweizers sei zudem, dass er "Mannschaften und Spieler entwickeln" könne. Damit passt er perfekt in die BVB-Philosophie: "Es wird immer unser ureigenster Anspruch bleiben, junge Talente zu entwickeln. Spieler zu finden, die noch nicht ihren fußballerischen Zenit erreicht haben, sondern mit uns wachsen können. Und das hat Lucien Favre bei seinen bisherigen Klubs wie kaum ein anderer beherrscht", so Zorc.


Zwei Spieler aus der Bundesliga, die beim BVB den nächsten Schritt gehen können, sind Marius Wolf und Abdou Diallo. Der Transfer des Frankfurter Pokalsiegers ist schon länger offiziell, ​der Mainzer Diallo wird bald folgen. "Tendenziell geht es dorthin, das stimmt. Aber die Dinge sind noch nicht komplett finalisiert", gibt sich Zorc noch zurückhaltend. Nicht so bei Wolf, der dank einer Ausstiegsklausel für schlappe fünf Millionen Euro kommt: "Marius Wolf ist ein junger deutscher Spieler, vielleicht der Shootingstar der vergangenen Saison, der in seiner Spielweise einen unbedingten Siegeswillen, eine riesige Laufbereitschaft, viel Geschwindigkeit und eine grandiose Mentalität mitbringt", schwärmt Zorc.


Ähnliches gelte auch für Thomas Delaney, mit 20 Millionen Euro Ablöse bislang noch der "Königstransfer" in diesem Sommer. Delaney soll genau der Spielertyp sein, der dem BVB im vergangenen Jahr gefehlt habe: aggressiv, bissig, mannschaftsdienlich, Leader-Typ: "Thomas Delaney ist ein typischer Mannschaftsspieler, der dafür sorgt, dass das Team als Ganzes besser funktioniert. Das war uns wichtig, dass wir - Stichwort Neustart - auch diesem Punkt Rechnung tragen. Im vergangenen Jahr hatten wir den Eindruck, dass wir uns nicht immer gegen Widrigkeiten, gegen Niederlagen gewehrt haben", erklärt Zorc.

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Neuer Leader: Delaney (u.) soll künftig im BVB-Mittelfeld grätschen.


BVB-Transferpolitik ist längst keine Nische mehr


20 Millionen Euro für Delaney, wohl rund 25 Millionen Euro für Diallo. Die Ablösesummen zeigen, dass es immer schwerer wird, Spieler zu verpflichtet, die beim BVB den internationalen Durchbruch schaffen. Die Suche nach dem nächsten Shootingstar, ist längst keine Nische mehr, sondern lukrative Strategie vieler Klubs aus dem In- und Ausland. Die Marktpreise hat das entsprechend nach oben getrieben: "Die Jungs, die wir vor ein paar Jahren noch für fünf Millionen gekauft haben, kosten jetzt 25 Millionen. Diese Entwicklung auf dem Transfermarkt ist nicht unbedingt gesund. Wir haben bei Verkäufen teilweise profitiert davon, aber es macht die aktuelle Phase für uns nicht einfacher", meint Zorc.


"Momentan habe ich den Eindruck, dass der Transfermarkt - nicht nur bei Stürmern - den Realitäten ein wenig entrückt ist. Es werden sehr schnell hohe Preise aufgerufen. Da müssen wir mit Augenmaß vorgehen und dürfen keine verrückten Sachen machen", so der 55-Jährige weiter. Dennoch: "Natürlich wird es personell noch die eine oder andere Veränderung geben", versichert Zorc. "Wir haben klare Vorstellungen, und die versuchen wir bis zum Ende der Transferperiode am 31. August so gut es geht umzusetzen. Aber man ist ja auch nicht immer ganz allein auf dem Transfermarkt", mahnt der Sportdirektor zur Geduld.


Der komplette Kader werde "nicht zwangsläufig bis zum Vorbereitungsstart" zur Verfügung stehen. Auch, "weil sich der Trainer ja einen Eindruck machen will von den Spielern, die bei uns unter Vertrag stehen", sagt Zorc. Derzeit besitzen 30 Profis ein gültiges Arbeitspapier. "Das ist sicherlich keine optimale Größe, und es wird noch Abgänge geben. ​Wir sind bei verschiedenen Personalien im Gespräch, können aber noch keinen Vollzug melden", betont Zorc. Alle Altlasten wird Zorc im Sommer aber wohl nicht loswerden - so ein Neustart geht schließlich nicht in einer Transferperiode von der Hand.