Im Showdown um die vermeintlich letzte Chance auf eine Achtelfinal-Teilnahme trafen Polen und Kolumbien in einem intensiven Spiel aufeinander, in dem die Mannschaft von Adam Nawalka den besseren Start erwischte, jedoch nach und nach abbaute. Robert Lewandowski und Co. blieben über weite Strecken blass, wohingegen die Kolumbianer immer stärker wurden, die bessere Spielanlage hatten und insgesamt verdient mit 3:0 gewannen.


​Adam Nawalka setzte auf ein 3-4-3 mit Piszczek, Bednarek und Pazdan in der Dreierreihe. Davor starteten Bereszynski, Krychowiak, Goralski und Rybus hinter dem Angriff der aus Zielinski, Lewandowski und Kownacki bestand.


Jose Nestor Pekerman wählte ein 4-2-3-1 mit Mojica, Mina, Sanchez und Arias in der Viererkette hinter dem defensiven Mittelfeld, das aus Barrios und Aguilar bestand. Das Offensiv-Trio bildeten Quintero, James Rodriguez und Cuadrado, Falcao war die alleinige Sturmspitze.


Polen früh um Tempo bemüht


Aufgrund der Konstellation der Gruppe nach dem 2:2-Remis zwischen Japan und Senegal war im Flutlicht von Kasan alles für ein Endspiel angerichtet. Der Verlierer würde vorzeitig aus dem Turnier ausscheiden, weshalb beide Mannschaften vom Anstoß weg auf ein Kampfspiel eingestellt waren. Den besseren Start erwischten dabei die Polen, die besonders in den ersten Minuten das Tempo anzogen und den schnellen Weg auf das Tor von David Ospina suchten. Nennenswerte Abschlüsse kamen dabei allerdings nicht zustande.

Poland v Colombia: Group H - 2018 FIFA World Cup Russia

  Sollte keinen einfachen Abend erleben: Starstürmer Robert Lewandowski


Viel mehr war das Spiel von intensiven Zweikämpfen und einer hitzigen Atmosphäre im Stadion geprägt. Beide Teams schenkten sich nichts und neutralisierten sich überwiegend im Mittelfeld, sodass es im letzten Drittel nur zu wenigen Szenen kam. Doch nach und nach übernahm Kolumbien die Kontrolle und kam besser ins Spiel. Die Mannschaft von Jose Pekerman ließ den Ball immer flüssiger durch die eigenen Reihen laufen und drängte die polnische Defensive minütlich etwas tiefer in die eigene Hälfte, ohne dabei allerdings allzu gefährlich zu werden. So wurde Falcao - ebenso wie Lewandowski auf der Gegenseite - gut abgeschirmt, weshalb beide Stürmer im ersten Durchgang relativ blass blieben.


Kolumbien nähert sich dem Tor an


Der erste Nackenschlag für die Südamerikaner erfolgte nach 32 Minuten, als Aguilar verletzungsbedingt ausgewechselt wurde und Uribe in die Partie kam. Kolumbien zeigte sich davon jedoch unbeeindruckt, machte weiter und hatte durch Cuadrado eine erste gute Gelegenheit: Der Flügelspieler von Juventus Turin dribbelte sich durch den Strafraum und bis an die Grundlinie, eine flache Hereingabe ins Zentrum wurde jedoch von Szczesny abgewehrt. 


Mina schlägt eiskalt zu


Wenige Minuten später die erste echte Chance - und gleich ein Tor: Nach einer kurz ausgeführten Ecke wurde James am Strafraumrand bedient und chippte den Ball gefühlvoll ins Zentrum. Dort stand Innenverteidiger Mina perfekt und nickte aus wenigen Metern per Kopf ein - 1:0 Kolumbien (40.)! 


Bis zum Pausenpfiff tat sich wenig, doch die Führung für die Kolumbianer war durchaus verdient. Von Polen war nach den ersten Minuten wenig zu sehen, viel mehr hatten sie Probleme damit, Zugriff zum Spiel zu erhalten. Kolumbien hingegen wurde stetig besser und mauserte sich zur knappen Pausenführung, womit die 'Biało-Czerwoni' unerwartet früh ausgeschieden wären.

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     Nach der 1:2-Niederlage gegen Japan war Yerry Mina einer der neuen in Kolumbiens Startelf - und markierte vor der Pause die 1:0-Führung

  

Nach dem Seitenwechsel war Polen wie zu Beginn der ersten Halbzeit darum bemüht, sich mit Tempo und Elan dem gegnerischen Tor zu nähern, blieb dabei jedoch weitestgehend erfolglos. So kam es, dass Kolumbien nach einigen Minuten wieder etwas kontrollierter aufspielte und immerhin zu zwei Abschlüssen kam. Doch nachdem Quinteros Versuch aus der Distanz weit am Tor vorbei ging, wurde der Schuss von James geblockt (51., 53.).


Auf der anderen Seite blitzte Lewandowski nach 58 Minuten erstmals auf: Nach einem hohen und langen Zuspiel von Krychowiak kam der wechselwillige Stürmer des FC Bayern zum Abschluss, scheiterte jedoch aus wenigen Metern an Ospina, der danach für einen Moment mit Schmerzen auf dem Boden liegen blieb.


Falcao und Cuadrado machen alles klar


Polen wurde mutiger. Ihnen war anzumerken, dass sie sich darum bemühten, den Ausgleich zu erzielen, doch es fehlte schlichtweg an Durchschlagskraft. Chancen blieben weiterhin auf der Strecke, aber nach 70 Minuten klingelte es ein zweites Mal im Kasten - und wieder schlug  Kolumbien eiskalt zu: Quintero bediente Falcao, der nicht im Abseits stand und durch die letzte Abwehrreihe in den Strafraum eindrang, mit einem Steckpass. Der 32-Jährige machte noch ein paar Schritte, fackelte dann aber nicht lange und brachte den Ball mit dem Außenrist im langen Eck unter - 2:0 (70.)! 

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  Vier Jahre lang hat er nach seinem Kreuzbandriss auf diesen Moment warten müssen: Radamel Falcao erzielte gegen Polen sein erstes Tor bei einer Weltmeisterschaft


Nur fünf Minuten später die endgültige Entscheidung. Aus einem schwachen Einwurf der polnischen Nationalmannschaft heraus bediente James mit einem langen Pass von der linken Seite aus Cuadrado, der aus der eigenen Hälfte startete, über das gesamte Feld sprintete und das Leder an Szczesny vorbei ins Netz schob - 3:0 (75.)! Ein ganz starker Konter der Kolumbianer, der aus einem hervorragenden Pass von James entstanden ist und vom pfeilschnellen Cuadrado veredelt wurde.


Polen steckte nicht auf, hatte durch Krychowiak und Lewandowski insgesamt zwei gute Chancen auf den Anschlusstreffer (80., 87.), doch insgesamt blieb die Leistung zu dürftig. Durch die 0:3-Niederlage sind sie die nächste Nation, die vorzeitig aus der Weltmeisterschaft ausscheidet. Kolumbien hingegen hat es im letzten Spiel gegen den Senegal noch in der eigenen Hand, das Achtelfinale zu erreichen.