Beim ​2:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft über Schweden zeigte die Elf von Joachim Löweine klare Leistungssteigerung zur Auftakt-Niederlage gegen Mexiko, doch der Bundestrainer hat noch immer an einigen Stellschrauben zu drehen. Eine Frage, mit der er sich auch vor dem finalen Gruppenspiel gegen Südkorea beschäftigen wird, dreht sich um die Besetzung des defensiven Mittelfelds. Toni Kroos ist ohne Wenn und Aber gesetzt, doch für den freien Platz neben ihm wurde noch immer keine Ideallösung gefunden.


Das zentrale Mittelfeld war in der Vergangenheit eines der Herzstücke der DFB-Elf. Als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive galt es hier, das Spiel zu lenken, Bälle zu erobern und Konter zu vermeiden. Doch gerade letzteres ließ der Titelverteidiger in den bisherigen beiden Spielen der WM verhältnismäßig oft vermissen, weshalb man in der ersten Halbzeit des Auftaktspiels gegen Mexiko immer wieder in schnelle Gegenangriffe lief, die schlussendlich den Weg zum 1:0-Sieg für 'El Tri' ebneten. In dieser Partie war neben Toni Kroos, der aufgrund seiner technischen Fähigkeiten am Ball sowie seiner Ruhe und Übersicht auf dem Platz unverzichtbar ist, Sami Khedira in einer etwas defensiveren Position gesetzt. Doch der Mittelfeldspieler von Juventus Turin erwischte einen schwachen Nachmittag, spielte ungewohnt viele Fehlpässe und schenkte das Spielgerät zu oft her.


Daher probierte es Löw gegen Schweden mit Sebastian Rudy - was zunächst fruchtete. Der 28-Jährige trug seinen Teil dazu bei, dass das Mittelfeld stabiler wurde, setzte durch seine gewohnte Passsicherheit auch offensive Akzente und zeigte insgesamt eine gute Leistung - bis zur 25. Minute, als er von Gegenspieler Ola Toivonen unbeabsichtigt mit der Ferse an der Nase getroffen wurde und nach kurzer Behandlung durch Ilkay Gündogan ersetzt wurde. ​Wie mittlerweile feststeht, erlitt Rudy einen Nasenbeinbruch. Ein Einsatz gegen Südkorea ist nach einer Operation möglich, aber nicht sicher. In diesem Fall wird Rudy mit einer Gesichtsmaske auflaufen.

Germany v Sweden: Group F - 2018 FIFA World Cup Russia

           Ordentliches, aber kurzes Debüt: Sebastian Rudy musste bereits nach 30 Minuten vom Platz


Nach seiner Auswechslung folgte auch ein Bruch innerhalb der Mannschaft. Denn Gündogan ist für seine offensive Spielweise bekannt, stand daher oftmals zu hoch und ließ die Aufgabe, die Mannschaft vor Kontern zu sichern, ein ums andere Mal außen vor. Zwar war sein WM-Debüt nicht der alleinige Grund dafür, dass Deutschland mit einem 0:1 Rückstand in die Pause ging - zumal sich die Mannschaft nach dem Seitenwechsel erheblich steigerte und die Partie klar dominierte - doch auch Kroos konstatierte nach der Partie im Interview mit dem 11Freunde-Magazin: "Ich finde, dass Sebastian das wirklich gut gemacht hat in der ersten halben Stunde, wie wir es als Mannschaft fußballerisch am Anfang wirklich gut gemacht haben."


Wird Rudy nun Löws erste Wahl?


Zwar habe der spätere Siegtorschütze keinen Unterschied darin bemerkt, ob er mit Rudy oder Gündogan gespielt hätte, doch auch ihm ist nicht verborgen geblieben, dass es besonders mit dem Münchner am besten funktioniert hat. Zwar ist ein erneuter Einsatz von Khedira nicht völlig ausgeschlossen, doch auch Löw dürfte sich in seiner Entscheidung, auf Rudy zu vertrauen, bestätigt fühlen. 

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Joachim Löw (r.) freut sich mit Toni Kroos (l.) über dessen Treffer in der Nachspielzeit - wen stellt der Bundestrainer neben ihm auf?


Das Fragezeichen auf der 'Doppel-Sechs' ist somit nicht mehr so groß wie noch vor ein paar Tagen, völlig verschwunden ist es jedoch nicht. Denn neben der Frage, ob Rudy rechtzeitig wieder bereit sein wird, wird es auch darauf ankommen, ob die Mannschaft mit ihm auf dem Platz auch über 90 Minuten funktioniert. 


Insgesamt ist es jedoch nicht nur entscheidend, wer neben Toni Kroos aufläuft. Viel mehr ist auch der Einsatz und der Wille aller elf Spieler auf dem Feld gefordert - beides war am gestrigen Abend über weite Strecken gegeben. Sollte dies auch in den kommenden Partien der Fall sein, könnte es, unabhängig davon, wer im defensiven Mittelfeld agieren wird, doch noch ein langes Turnier für die DFB-Auswahl werden.