​Der Hamburger SV konnte sich auch nach der Entlassung von Trainer Markus Gisdol nicht mehr ausreichend stabilisieren und ist erstmals in der Vereinsgeschichte aus der Bundesliga in die 2. Bundesliga abgestiegen. Unter dem neuen Cheftrainer Christian Titz soll nun der direkte Wiederaufstieg gelingen. Erstmals äußerte sich nun auch Ex-Coach Gisdol zu seiner Zeit bei den Rothosen und den Zukunftsaussichten an der Elbe.


Fünf Monate nach seiner Entlassung als Chefcoach des ​Hamburger SV hat sich der 48-Jährige nun erstmals zu seinem Ex-Klub und den ersten Wochen nach seiner Freistellung geäußert. "Die Zeit in Hamburg war sehr intensiv und hat schon Kraft gekostet. Ich habe in den ersten Wochen bewusst Abstand vom Fußball genommen, habe mir erst langsam wieder Spiele angeschaut", so Gisdol, der aktuell auch die WM in Russland interessiert verfolgt, im SPORT1-Interview. "Jetzt kann ich die Weltmeisterschaft ganz anders und in Ruhe verfolgen, mit einer gewissen Gelassenheit. Als Trainer kann man die WM trotzdem nicht wie ein Fan sehen."

Hamburger SV v 1. FC Koeln - Bundesliga

Markus Gisdol von September 2016 bis Januar 2018 als Cheftrainer beim Hamburger SV an der Seitenlinie 



Seine Zeit beim HSV habe der Coach nach eigener Aussage ausführlich aufgearbeitet und reflektiert. "Ich war von Anfang an total klar in diesem Punkt. Ich weiß, was wir gemacht haben und was wir auf den Weg gebracht haben. In meiner ersten Saison waren wir nach zehn Spieltagen ja praktisch schon abgestiegen, haben aber am letzten Spieltag noch die Rettung geschafft", erinnerte er sich zurück. In der zweiten Spielzeit sei es dann nicht mehr so gelaufen, wie er und sein Trainerteam es geplant und sich gewünscht hätten. "Auf dem Weg in die zweite Saison konnten die Dinge leider nicht so umgesetzt werden, wie wir uns das alle gewünscht hatten, und wie sie nötig gewesen wären. Die Mannschaft war zu diesem Zeitpunkt im vergangenen Sommer ziemlich leer." 


Grund dafür sei laut Gisdol die "körperliche und physische Belastung des langen Abstiegskampfs" gewesen, weshalb "die Mannschaft nicht mehr so aufnahmefähig" war. Auch merkte er an, das "Personal fehlte" und der Kader "sehr klein" gewesen sei. All die Umstände haben schließlich dazu geführt, dass die Saison so verlief, wie sie verlief. 


Für den Fußballtrainer waren die letzten Monate eine Art Urlaub und Rückkehr ins normale Leben abseits des Fußballs, wie er durchblicken ließ. "Ich konnte endlich mehr Zeit mit der Familie und Freunden verbringen." Für die Zukunft hält sich der Mann aus Geistigen an der Steige nun alle Optionen offen, wenngleich er am liebsten weiterhin in Deutschland arbeiten würde. "Mein Fokus liegt auf der Bundesliga. Aber auch das Ausland ist mittlerweile eine interessante Option für mich. Da darfst du als Trainer nicht zu engstirnig sein. Ich habe dahingehend einige Gespräche führen dürfen, aber eine Tendenz gibt es nicht." 


Ohnehin verspüre er keinen Zeitdruck, wie er verriet. "Ich werde mir in aller Ruhe anschauen, welche Möglichkeiten es gibt, und in der Zwischenzeit daran arbeiten, dass mich auch jemand versteht, wenn ich Englisch spreche." Trotz des Abstiegs wird die Mannschaft weiterhin von ​Christian Titz betreut. Mit ihm als Trainer peilt der Traditionsklub aus Norddeutschland in der neuen Saison den direkten Wiederaufstieg an.