Die argentinische Nationalmannschaft sorgt mit ihren schwachen Auftritten bei der Weltmeisterschaft ​für Verwunderung, aber auch für Verärgerung im eigenen Land. Der Vizeweltmeister von 2014 steht nach der ​0:3-Niederlage gegen Kroatien vor dem Aus in der Vorrunde, weshalb Diego Simeone, Trainer von Atletico Madrid und einstiger Nationalspieler der 'Albiceleste', kein gutes Haar an der derzeitigen Auswahl von Jorge Sampaoli lässt und sowohl den Trainer als auch Superstar Lionel Messi scharf kritisiert.


Bereits seit einigen Jahren hat Argentinien mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Der zweifache Weltmeister (1978, 1986), der nach dem WM-Finale 2014 auch die beiden Endspiele der Copa America in den Jahren 2015 und 2016 verlor, sicherte sich erst am letzten Spieltag der Qualifikation gegen Ecuador mit Ach und Krach das Ticket für die WM-Endrunde. Heilsbringer damals: Lionel Messi, der die 'Albiceleste' nach dem frühen 0:1-Rückstand im letzten Spiel der 'Eliminatorias' mit einem Dreierpack nach Russland schoss.


Dort spielt man jedoch weit unter den Möglichkeiten. Nur 1:1 gegen Island, dazu kam wenig später das blamable 0:3 gegen Kroatien - Argentinien zeigt während der aktuellen Weltmeisterschaft ein völlig anderes Gesicht, obwohl die Auswahl von Jorge Sampaoli gerade in der Offensive ihre größten Qualitäten besitzt. Doch davon ist im Gesamtbild wenig zu sehen, da im Mittelfeld und in der Defensive die internationale Klasse, die beispielsweise Frankreich, Deutschland oder Brasilien besitzen, fehlt.

Argentina v Croatia: Group D - 2018 FIFA World Cup Russia

  Die 'Albiceleste' zählte vor dem Turnier zum Favoritenkreis - nun droht das Aus in der Gruppenphase

 

Doch nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die Spielweise ist erschreckend schwach, weshalb Diego Simeone, der insgesamt 108 Länderspiele für Argentinien absolvierte, in einer Sprachnachricht an seinen Co-Trainer German Burgos kein gutes Haar an den jüngsten Leistungen ließ: "Ich sehe eine Mannschaft, die verloren ist. Was gerade gegen Kroatien passiert ist ein Abbild dessen, was in den vergangenen vier Jahren passiert ist. Das ist Anarchie", wird der 48-Jährige vom spanischen Sender Cope zitiert. 


Heftige Kritik an Sampaoli - Stichelei gegen Messi


Vor allem Nationaltrainer Sampaoli, ​der in den vergangenen Tagen stark in der Kritik stand, machte Simeone aufgrund seiner Aufstellungen für die Misere verantwortlich: "So, wie das Spiel angefangen hat, hätten sie gegen Island spielen müssen, da es eine schwächere Mannschaft ist. Und andersrum: So, wie sie gegen Island gespielt haben, hätten sie gegen Kroatien spielen müssen." Was der Erfolgstrainer von Atletico Madrid meint: Gegen defensiv agierende Isländer wählte der 58-Jährige ein kompakteres 4-2-3-1, gegen Kroatien stellte er jedoch auf ein offensiveres 3-4-3 um, was zu Beginn der Partie auch fruchtete - ehe Ante Rebic nach einem Patzer von Torhüter Willy Caballero das 0:1 erzielte.


Daher ist für Simeone klar: "Wenn es der Trainer vermasselt, ist es mit Sicherheit schlimmer, als wenn die Spieler schlecht sind." Doch auch von Lionel Messi, der in den bisherigen Partien zuweilen verzweifelt wirkte, scheint er nicht überzeugt zu sein. Der vierfache Weltfußballer sei "sehr gut", was allerdings damit zusammenhänge, dass er "von außergewöhnlichen Fußballern umgeben" sei. "Wenn du zwischen Ronaldo und Messi für eine normale Mannschaft wählen müsstest, wen würdest du auswählen?", fügte er an.

TOPSHOT-FBL-WC-2018-MATCH23-ARG-CRO

  Glück- und fassungslos: Seit seinem Rücktritt vom Rücktritt gab es nur wenige Momente, in denen Lionel Messi im Dress seines Heimatlandes lächeln konnte


Nichtsdestotrotz hoffe er darauf, dass die Mannschaft im letzten Spiel gegen Nigeria noch das Achtelfinale erreichen wird: "Die Mannschaft ist schlecht drauf. Aber es ist Argentinien und ich denke und hoffe, dass sie es schaffen. Nigeria wird Island schlagen und es wird die Möglichkeit geben, solange Island nicht gegen Kroatien gewinnt." 


Mit seinem Tipp behielt der 48-Jährige recht: ​Die 'Super Eagles' bezwangen den WM-Neuling mit 2:0. Zwar steht Kroatien bereits im Achtelfinale, doch im Rennen um den zweiten Platz in Gruppe D ist noch alles offen. Im Showdown gegen Nigeria werden sich Messi und Co. allerdings immens steigern müssen, um das vorzeitige Aus im letzten Moment doch noch zu vermeiden.