Der Hamburger SV befindet sich weiterhin auf der Suche nach neuem Spielermaterial für die zweite Liga, und schließt dabei auch Leihgeschäfte nicht aus. Laut Sportvorstand Ralf Becker wolle man dank "innovativer Ideen" auf dem Transfermarkt zuschlagen, um sich auch aus finanzieller Sicht weiter zu stabilisieren.


Bei der gegenwärtigen Fußball-Weltmeisterschaft in Russland sind mit Filip Kostic, Gotoku Sakai und Albin Ekdal gleich drei Akteure des Hamburger SV im Dress ihres Heimatlandes vertreten. Daher verspüre Ralf Becker vor allem "Freude", wie er gegenüber Sportbuzzer verriet: "Es bedeutet uns als HSV viel, Spieler bei der WM dabei zu haben."

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  HSV-Kapitän Gotoku Sakai ist mit Japan bei der WM in Russland


Doch das Turnier werde er, ​ähnlich wie 1899 Hoffenheims Sportdirektor Alexander Rosen, nicht dazu nutzen, um potenzielle Neuzugänge unter die Lupe zu nehmen. "Wir haben ein anderes Anforderungsprofil an neue Spieler. Die meisten WM-Spieler sind zu teuer für uns. Wir bewegen uns in anderen Bereichen, backen jetzt kleinere Brötchen." Zwar gäbe es theoretisch interessante Spieler von "kleineren Nationen", doch dies sei in den Augen des 47-Jährigen "nicht unser Markt." Viel mehr betonte er: "Die Weltmeisterschaft ist für den HSV in diesem Jahr kein Muss."


Daher wird man also anders handeln müssen - Becker weiß auch schon, wie er in der Kaderplanung vorangehen will: "Wir müssen innovative Ideen entwickeln, um gute Spieler zu bekommen. Wir müssen früher als andere dran sein, mutiger sein. Das Thema Leihe könnte auch ein Thema werden, weil große Vereine häufig 24, oder 25 Topspieler im Kader haben, die dort nicht alle zum Zuge kommen." 


Laut Trainer Christian Titz wolle man den Transfermarkt weiterhin beobachten und überlegen, auf welchen Positionen man noch einmal Verstärkung benötigen könnte. Mit Leihgeschäften, wie sie von Zweitligisten oftmals angestrebt werden, könnte man sich gut für die Mission Wiederaufstieg rüsten, doch Becker bleibt zurückhaltend: "Das müssen wir mal sehen. Am Ende geht es darum, aus den Möglichkeiten das Beste zu machen und vernünftig zu wirtschaften. Und da kann auch mal eine Leihe eine gute Option sein."


Becker: Verhandlungen sind heute anders


Doch bei Transfers müsse man mittlerweile anders vorgehen als noch vor einiger Zeit. Es gehe heute nicht mehr darum, frühzeitig junge Talente zu entdecken, viel mehr müsse man die Spieler vom Verein überzeugen: "Der Fußballmarkt ist offen. Es geht heute zum Beispiel auch um Glaubwürdigkeit, man muss bei den Spielern ein gutes Gefühl entwickeln. Du musst Spieler über längere Zeit begleiten, Vertrauen aufbauen, dadurch kommt man an gute Fußballer. Vertrauen ist heutzutage selten, gleichzeitig das wichtigste. Und das wollen wir beim HSV möglichen Zugängen geben." Wichtig sei dabei auch das Umfeld der Spieler: "Früher waren es die Vereinsverantwortlichen, die für Profis Vertraute waren, heute sind es meist die Berater."

DSC Arminia Bielefeld v Holstein Kiel - Second Bundesliga

 Mit klarem Plan voraus: HSV-Sportvorstand Ralf Becker


Allzu viele Neuzugänge dürfte der HSV in den kommenden Wochen allerdings nicht mehr verbuchen. Nachdem einige Akteure erfolgreich gehalten werden konnten, verpflichtete man neben vielen Nachwuchstalenten, die einen Profivertrag erhielten, auch Christoph Moritz, David Bates und Manuel Wintzheimer. Der ausgewogene Kader verspricht Positives für die Zukunft, in der man so schnell wie möglich wieder in die Bundesliga aufsteigen will.