Die Kolumbianer erwischten in der Neuauflage des Gruppenduells von 2014 einen denkbar schlechten Start. Die Südamerikaner mussten schon nach fünf Minuten in Unterzahl einem Rückstand hinterherlaufen. Der glückliche Ausgleich gelang den Cafeteros zwar kurz vor der Pause. Im zweiten Durchgang spielte Japan die Überzahl aber besser aus und siegte am Ende verdient mit 2:1.


Tore:

0:1 Kagawa (6. Minute, Handelfmeter, Rechtsschuss)

1:1 Quintero (39. Minute, direkter Freistoß, Linksschuss)

1:2 Osako (73., Kopfball, Honda)

Besondere Vorkommnisse:

Rote Karte, Sanchez (4. Minute, Kolumbien)


Mit Kolumbien gegen Japan wurde am Dienstagnachmittag der erste WM-Spieltag in Gruppe H eröffnet. Ein Duell, dass es in der Gruppenphase schon bei der letzten WM 2014 in Brasilien gab. Damals entschieden die Kolumbianer die Partie klar mit 4:1 für sich und sicherten sich ohne Punktverlust den Gruppensieg. Für die Japaner war damals mit nur einem Punkt nach drei Spielen Schluss.


Vier Jahre später trafen die beiden Teams in Saransk erneut aufeinander. Kolumbiens Trainer José Néstor Pékerman hatte dabei in seiner Startelf zwei Überraschungen zu bieten. Bayern-Star James Rodriguez saß zunächst nur auf der Bank. Der 26-jährige Nationalheld, der vor vier Jahren in Brasilien Torschützenkönig wurde, fehlte wegen muskulärer Probleme in der linken Wade. Unerwartet war auch, dass Óscar Murillo in der Innenverteidigung neben Tottenhams Davinson Sanchez den Vorzug gegenüber Yerry Mina erhielt. ​Dem Barça-Reservisten hatte Pékerman vor dem Auftakt noch deutlich den R​ücken gestärkt und ihm quasi eine Einsatzgarantie ausgesprochen. Am System des argentinischen Trainers änderte sich dadurch aber nichts. Los Cafeteros (die Kaffeepflücker) begannen in einer 4-2-3-1-Formation mit Kapitän Falcao als alleinige Sturmspitze.

Die Japaner setzten ebenfalls auf eine 4-2-3-1-Formation mit vier Bundesligaspielern in der Startelf. Frankfurts Makoto Hasebe agierte als Spielführer auf der Doppelsechs, Shinji Kagawa vom BVB in der Spielmacherrolle, der Neu-Bremer Yuya Osako im Sturmzentrum und Genki Haraguchi, der von Aufsteiger Düsseldorf nach Hannover wechselt, begann über den rechten Flügel. Dazu standen mit Takashi Inui und Hiroki Sakai zwei weitere ehemalige Bundesliga-Akteure von Beginn an auf dem Platz.


Frühe Rote Karte und Elfmeter-Tor bestimmen das Spiel


Das Spiel hatte schon nach knapp drei Minuten den ersten großen Aufreger parat: Osako scheiterte fei vor Arsenal-Schlussmann David Ospina, der den Ball aber nur nach vorne abwehren konnte, auf den Fuß von Kagawa. Dessen Schuss auf das freie Tor wurde von Carlos Sánchez mit dem Arm abgewehrt. Schiedsrichter Damir Skomina blieb keine andere Wahl als auf Elfmeter zu entscheiden und dem Routinier von Espanyol Barcelona Rot zu zeigen. Kagawa ließ sich die Chance vom Punkt nicht entgehen und schob den Ball lässig zur frühen Führung der Blue Samurai ins Tor. 

Colombia v Japan: Group H - 2018 FIFA World Cup Russia

Früher Schock für Kolumbien: Carlos Sánchez (Nummer sechs) sieht die Rote Karte



Mit der Bürde des 0:1 und einem Mann weniger verteidigten die Kolumbianer in der Folge im 4-4-1 und schalteten dann offensiv in eine 4-2-3-Formation um. Spielmacher Juan Quintero bildete nun neben Jefferson Lerma das zentrale Paar im Mittelfeld. Es entwickelte sich in der Folge ein ausgeglichenes Spiel, bei dem Kolumbien trotz Unterzahl etwas mehr Ballbesitz hatten.


Torchancen konnten sich beide Teams aber lange Zeit nicht herausspielen. Die Japaner waren auf Kontrolle bedacht, den Kolumbianer fehlte ein wenig das Bindeglied zwischen Mittelfeld und Angriff, um gefährlicher vor das japanische Gehäuse zu kommen.


Nach einer halben Stunde nahm Pékerman etwas überraschend Juve-Star Juan Cuadrado vom Feld, der den agilsten Eindruck im kolumbianischen Team erweckte. Für den Rechtsaußen kam der defensive Mittelfeldspieler Wilmar Barrios ins Spiel. Das änderte die taktischen Ausrichtung ein wenig, Quintero rückte auf die rechte Seite, sollte sich aber, anders als Cuadrado, offensiv mehr im Halbraum aufhalten. Rechtsverteidiger Santiago Arias bekam dadurch mehr Platz und rückte bei Ballbesitz fast auf die Rechtsaußen-Position vor.


Quintero war es auch, der in der 39. Minute den Ausgleich praktisch aus dem Nichts besorgte. Nach einem schmeichelhaften Freistoß von der rechten Strafraumgrenze, schoss das 25-jährige Schlitzohr den Ball flach unter der Mauer hindurch. Japans Keeper Kosuke Nakamura kam Bruchteile zu spät und stoppte den Ball erst kurz hinter der Linie - 1:1. Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Pause.

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Kolumbien-Kapitän Falcao (l.) reklamiert mit Erfolg: Der Quintero-Freistoß war bereits hinter der Linie



Die Japaner eröffneten den zweiten Durchgang mit der ersten Gelegenheit nach 53 Minuten: Kagawa passte in einer Bundesliga-Co-Produktion in den Strafraum auf Osako, der sich geschickt um seinen Gegenspieler drehte, aus spitzem Winkel aber an Ospina scheiterte. Kurz darauf wieder Japan - dieses Mal Inui, der es aus gut 15 Metern mit einem Schlenzer versuchte. Ospina war erneut zur Stelle.


Pékerman reagierte unter tosendem Applaus der kolumbianischen Anhänger mit der Einwechslung von James für Torschütze Quintero. An der erhöhten Schlagzahl der Japaner änderte das zunächst nichts. Kolumbien musste immer mehr der Unterzahl Tribut zollen und igelte sich in der eigenen Hälfte ein. 

Nach 73. Minuten hatte Rechtsverteidiger Sakai die größte Chance im zweiten Abschnitt. Vom Fünfmetereck wurde sein Schuss knapp neben das Tor abgefälscht. Beim folgenden Eckball war dann aber Osako zur Stelle. Der eingewechselte Keisuke Honda brachte den Ball auf den kurzen Pfosten, Osako setze sich in der Mitte durch und nickte zur erneuten Führung der Japaner ein. Aufgrund der klaren Überlegenheit nach dem Seitenwechsel, das verdiente 2:1 für die Blue Samurai.

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Osako setzt sich durch, Ospina kann dem Kopfball des Japaners nur hinterherschauen



Kurz darauf hatte James den erneuten Ausgleich auf dem Fuß. Nach einem herrlichen Hackenpass wurde der Schuss des Bayern-Stars aus kurzer Distanz allerdings im letzten Moment abgeblockt. Es blieb die einzige Chance der Cafeteros doch noch zu einem Punktgewinn zu kommen. Japan nutzte in Hälfte zwei die numerische Überzahl besser aus und ging deshalb als verdienter Sieger vom Platz.