England-Kapitän Harry Kane versetzt mit seinem Doppelpack gegen Tunesien die Insel in einen Freudentaumel. Der Tottenham-Torjäger beseitigt mit seinen ersten Turniertreffern alle Zweifel und ist auf dem besten Weg, Kult-Status zu erlangen. Die britischen Fans dichteten den Will-Grigg-Song, bekannt von der EM 2016, bereits treffend um: "Harry is on fire!"


Für die internationale Presse war der Held des ​Last-Minute-Auftaktsieges der Engländer über Tunesien schnell gefunden: Doppelpacker Harry Kane. "Prinz Harry gewinnt für England", schrieb etwa die Daily Mail in der Heimat des Torjägers von ​Tottenham Hotspur. Die spanische Marca dichtete "God Save the Kane", in Anlehnung an die Nationalhymne des britischen Königreichs. 


Mit seinen beiden Toren in bester Mittelstürmer-Manier hat Kane endgültig alle Zweifel beseitigt. Schon bei der EM vor zwei Jahren galt er als Hoffnungsträger der Three Lions, blieb bis zum blamablen Aus gegen Island allerdings ohne Torerfolg. Nun hat Kane zwei ​WM-Tore auf dem Konto. Es war seine Treffer Nummer 14 und 15 im 25. Länderspiel - nur Stürmer-Legende Gary Lineker war für die Three Lions im gleichen Zeitraum treffsicherer. Kane erreichte die 15-Tore-Marke schneller als Größen wie Thierry Henry, Zlatan Ibrahimovic und Miroslav Klose.


Genau zwei Torschüsse brauchte der mit 24 Jahren jüngste WM-Kapitän in der Historie der englischen Nationalmannschaft, um die britischen Fans in Ekstase zu versetzen. Als einer der wenigen Mitfavoriten gelang den häufig so hoch gehandelten aber genauso oft enttäuschenden Engländern der Auftaktsieg. "Das sind die Spiele, aus denen Träume gemacht sind. Ich bin so stolz auf die Jungs. Wir sind froh über den Erfolg und haben bekommen, was wir verdient haben. Wir haben vor allem in der ersten Hälfte gut gespielt und hätten mehr Tore schießen können", befand der "Man of the Match" hinterher. 

Mit Anführer Kane legten die jungen Löwen in der Tat mächtig los. Bis zur Führung, als Kane nach einer Ecke abstauben konnten, ließ England allerdings beste Torchancen ungenutzt. Der Ausgleich folgte nach einem äußerst umstrittenen Elfmeter für die Tunesier. Der stolze Kapitän und seine Kollegen ließen sich aber nicht beirren und erspielten sich bis zum Pausenpfiff weiter munter Chance um Chance.


Der Ball wollte aber nicht ins Tor, in der zweiten Halbzeit war die Luft im englischen Spiel dann etwas draußen. Es brauchte einen weiteren Kane-Treffer nach einem Eckball, um den letztlich hochverdienten Sieg noch klar zu machen. Kane hatte die EM-Blockade endgültig überwunden und die Zweifler eines Besseren belehrt. 


"Wenn er nicht getroffen hätte, würde ich jetzt Fragen dazu beantworten müssen", sagte Englands Nationaltrainer Gareth Southgate nach der Partie. "Das einzige, was Harry jetzt noch nicht geschafft hat, ist im August zu treffen. Jede andere Barriere hat er überwunden und das freut mich sehr für ihn persönlich", fügte er ironisch hinzu, hatte dabei aber sogar Unrecht. Abzielen wollte der 47-Jährige auf die Zeit, in der üblicherweise keine Pflichtspiele stattfinden. Goalgetter Kane konnte sich allerdings sogar schon im August in die Torschützenliste eintragen - in den Qualifikationspartien zur Europa League zweimal gegen den zypriotischen Vertreter AEL Limassol.

"Ich weiß, dass er den Stolz fühlt, sein Land angeführt zu haben", freute sich Southgate schließlich einfach nur über den WM-Durchburch seines Kapitäns. Der 47-Jährige weiß ganz genau: Mit Kane in Topform und dem Vertrauen der Nation hinter sich, kann England in diesem Jahr vielleicht endlich wieder den eigenen Ambitionen gerecht werden.


Die mitgereisten Anhänger befanden sich nach dem Sieg jedenfalls im Freudentaumel. Den jetzt schon zum Klassiker gewordenen Fan-Song zum nordirischen Kult-Stürmer Will Grigg dichteten sie kurzerhand um: "Harry is on fire", jubelten sie ausgelassen. Die englischen Fans haben spätestens seit Montagabend ihren eigenen Kult-Stürmer.