Zur kommenden Saison übernimmt Lucien Favre das Traineramt bei ​Borussia Dortmund - und das bringt einige Fragen mit sich. Nach dem Verlust von Pierre-Emerick Aubameyang und der voraussichtlichen Rückkehr von Michy Batshuayi zum FC Chelsea bleibt vor allem ungeklärt, wie der 60-Jährige die Mannschaft im Sturm aufstellen will. Denkbar ist vieles, doch Antworten werden aller Voraussicht nach erst nach der Weltmeisterschaft geliefert.


Lucien Favre feierte bei seinen bisherigen Trainerstationen viele Erfolge, was an seiner Arbeitsweise liegt. Der Schweize​r gilt als detailverliebter, akribischer Trainer, der nicht nur Wert auf blanke Ergebnisse, sondern auch die Attraktivität seiner Spielweise legt. Als erfolgreichste Periode gilt seine Zeit bei ​Borussia Mönchengladbach, als er den Abstiegskandidaten im Jahr 2011 kurz vor Schluss in der Relegation gegen den VfL Bochum rettete und binnen kürzester Zeit zu einem dauerhaften Europapokal-Aspiranten machte. 

Borussia Dortmund v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga

        Insgesamt 228 Spiele verbrachte Lucien Favre als Trainer in der Bundesliga - nun erfolgt die Rückkehr


Nach einer Zwischenstation in Frankreich, wo er mit OGC Nizza zunächst den dritten und danach den achten Tabellenplatz erreichte, führt der Weg nun wieder in die Bundesliga. Borussia Dortmund wird der erste Topverein Favres, der besonders im Sturm eine Baustelle vorfindet. Im Januar verkaufte der BVB den wechselwilligen Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang an Arsenal London und lieh im Gegenzug Michy Batshuayi vom FC Chelsea aus. Der Belgier wusste durchaus zu überzeugen, fehlte im Saisonfinale jedoch aufgrund eines Bänderrisses im Sprunggelenk. Ob er in Dortmund bleibt oder nach London zurückkehrt ist offen, ​doch Medienberichten zufolge scheint der Preis für den Belgier für den Geschmack der BVB-Bosse zu hoch zu sein.


Die Frage nach der Formation


Abgesehen davon liegt es auch daran, wie Favre die Mannschaft aufstellen lassen will. Mit Alexander Isak befindet sich derzeit nur ein gelernter Stürmer im Kader, doch der junge Schwede wusste seit seinem Wechsel nach Dortmund kaum zu überzeugen. Denkbar erscheint daher mindestens ein neuer Angreifer, doch eine Doppelspitze wie in Gladbach wird man wohl kaum erwarten dürfen. Dort ließ Favre am liebsten in einem 4-4-2 spielen, allerdings zeigte er sich in Nizza variabel: Mal vertraute er auf ein 4-2-3-1, mal auf ein 4-4-2. Doch am ehesten formierte er seine Mannschaft in einem 4-3-3, was auch in Dortmund denkbar wäre - trotz der Negativerfahrung unter Peter Bosz.

Borussia M'gladbach: Belek Training Camp - Day 6

   Nach sechs Jahren wieder vereint: Marco Reus (l.) und sein einstiger Förderer, Lucien Favre (r.)


Ein Schlüsselspieler der Mannschaft ist Marco Reus, der den neuen Trainer bestens aus der gemeinsamen Zeit in Gladbach kennt und schätzt. Dort wurde er meist auf der rechten Außenbahn eingesetzt, dürfte jedoch weiterhin links spielen oder gar als Spielmacher auf der 'Zehn' agieren. Als Sturmspitze ist er jedoch genauso wenig denkbar wie Andriy Yarmolenko oder Andre Schürrle, die gemeinsam mit Reus, Christian Pulisic und Jadon Sancho weiterhin die Außenbahnen besetzen werden. 


Wer kann die Sturm-Position besetzen?


Maximilian Philipp hingegen scheint die einzige denkbare Alternative, wenn man einen potenziellen Stürmer in den eigenen Reihen finden will. Der 24-Jährige hatte diese Rolle zum Teil auch beim SC Freiburg inne und wurde auch von Peter Stöger im Endspurt der abgelaufenen Saison dort eingesetzt, wo er immerhin zwei Tore erzielte. Möglich wäre es allerdings auch, ihn in einem 4-4-1-1 als hängende Spitze einzusetzen.

TSG 1899 Hoffenheim v Borussia Dortmund - Bundesliga

   Könnte sich im Sturm etablieren: Maximilian Philipp


Eine externe Lösung scheint alles in allem am wahrscheinlichsten. Denn während im 4-4-2 System der Gladbacher ein klarer Stoßstürmer wie Luuk de Jong weit unter seinen Möglichkeiten blieb, arbeitete Favre in Nizza mit Mario Balotelli und Assane Plea. Beide wurden im Sturmzentrum aufgestellt und waren in der abgelaufenen Spielzeit mit 18 beziehungsweise 16 Treffern die erfolgreichsten Torschützen des Vereins. Ähnliche Spielertypen sind auch in Dortmund denkbar, da das Offensivspiel überwiegend auf den Flügeln stattfindet. Dort ist es vorstellbar, dass Reus, Pulisic & Co. vom zentralen Mittelfeld aus in Szene gesetzt werden, um den zentralen Angreifer zu suchen, der vor allem im Abschluss seine größten Stärken hat. 


Alles in allem dürfte der BVB in Zukunft weiterhin nur mit einem Stürmer agieren - so, wie es in der Vergangenheit überwiegend der Fall war. Doch für welche Variante sich Lucien Favre entscheiden wird, wird sich erst ab Juli herauskristallisieren, wenn die Borussia ihre Saisonvorbereitung beginnt.