BVB-Sportdirektor Michael Zorc hat darüber gesprochen, wie sich der Stellenwert der Weltmeisterschaft für das Scouting gewandelt hat und welche Professionalisierungen beim Sichten neuer Spieler in den letzten Jahren stattgefunden haben. 


Laut ​Ruhrnachrichten sei es für Zorc wichtig, Spieler zu entdecken, noch bevor sie auf der internationalen Bühne erscheinen und sich ins Blickfeld großer Klubs spielen. So habe man es etwa 2016 bei Raphael Guerreiro gemacht, der schon vor der Europameisterschaft von Dortmund verpflichtet wurde, ehe er sich mit Portugal ins Rampenlicht spielte. Dass Spieler in der Öffentlichkeit unter dem Radar fliegen und erst bei Turnieren groß aufspielen, könne zwar vorkommen, aber auch diese Spieler seien den Scouts mittlerweile längst bekannt. Dass Talente komplett unentdeckt bleiben, gebe es heutzutage kaum noch.

Daher verfolge er die WM in Russland auch nicht in der Erwartung, noch neue Spieler zu entdecken. Man kenne seine möglichen Transferziele lange vorher. Laut Zorc sei kaum ein Bereich des Profifußballs in den letzten Jahren so gezielt professionalisiert worden, wie das Scouting. Dabei würden nicht nur große Klubs wie ​Borussia Dortmund ein großes Scouting-Programm mit mehreren Fachleuten und Videosichtung unterhalten, sondern aufgrund der immer weiter steigenden Ablösesummen vor allem auch kleinere Klubs auf diese Form der Spielerrekrutierung setzen. 


Guerreiro zum Beispiel kam nicht aus der Jugendabteilung eines großen französischen oder portugiesischen Klubs, sondern vom FC Lorient, der mittlerweile in der zweiten französischen Liga spielt. Das Scouting habe sich auch dahingehend geändert, dass nicht nur auf dem heimischen Markt, sondern international nach geeigneten Spielern gesucht werde. Ein Shinji Kagawa kam beispielsweise aus der zweiten japanischen Liga. Dabei habe man den Spieler dennoch mehrere Male persönlich vor Ort gesichtet.

SV Werder Bremen v Borussia Dortmund - Bundesliga
Shinji Kagawa, der seit 2014 wieder für Borussia Dortmund spielt


Für Vereine wie den BVB sei es unerlässlich, intensiver und besser zu scouten, als noch größere und damit finanzkräftigere Klubs. Dabei könne man sich zu Eigen machen, die perfekte Zwischenstation für Toptalente zu sein und so wie unter anderem im Fall Ousmane Dembele enorme Ablösen zu generieren. Bei der Verpflichtung hätten auch internationale Spitzenklubs Interesse an dem Franzosen gehabt, allerdings habe dieser sich entschieden, nicht gleich mehrere Schritte auf einmal machen zu wollen. Das kam dem BVB beim späteren Verkauf zugute, als Dembele für 115 Millionen Euro zum ​FC Barcelona ging. 


Deshalb wird Zorc auch bei der WM "interessiert" vor dem Fernseher sitzen. Dabei werde es aber eher darum gehen, sich ein weiteres Bild von den Spielern zu machen, die man schon vorher im Blick hat.