Der FC Bayern hat sich festgelegt: Sollte Jerome Boateng wirklich den Verein verlassen wollen, hat man beim Rekordmeister schon einen Nachfolger ausgemacht. Niklas Süle soll das Erbe von Boateng antreten. Die Münchener Verantwortlichen sollen vom 22-Jährigen derart überzeugt sein, dass sie einem Abgang des Weltmeisters schon in diesem Sommer gelassen entgegensehen.


Ungewohnt locker ging der ​FC Bayern in dieser Woche mit den vermeintlichen Wechselabsichten von Weltmeister Jerome Boateng um. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge machte am vergangenen Dienstag deutlich, ​dass der 29-jährige Weltmeister​ bei einem entsprechenden Angebot den Verein verlassen darf


Seit 2011 trägt Boateng das Bayern-Trikot und bildet seit 2016 das Weltmeister-Duo mit Mats Hummels in Bayerns Innenverteidigung. Sein Vertrag beim Rekordmeister läuft noch bis 2021. Sportlich gibt es für die Münchener eigentlich keinen Grund, den 29-Jährigen ziehen zu lassen. Eine sture Nicht-Verkaufs-Politik fährt man bei Boateng allerdings nicht, anders als bei Torjäger Robert Lewandowski.

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Nach nächstem Comeback: Jerome Boateng arbeitet im DFB-Training an seiner Fitness


Das könnte zum einen an dessen zunehmender Verletzungsanfälligkeit liegen. In der abgelaufenen Saison musste Boateng gleich zweimal wegen einer Oberschenkelverletzung passen. Nur selten präsentierte er sich in körperlicher Top-Form. In der Bundesliga kam er so nur auf 19 Einsätze. Ersetzt wurde er von Neuzugang Niklas Süle. Der 22-Jährige wechselte im vergangenen Sommer für 20 Millionen Euro aus Hoffenheim an die Säbener Straße und dürfte der Hauptgrund für die bayerische Gelassenheit im Fall Boateng sein.

Der 1,95-Meter-Hühne hat sich gleich in seinem ersten Jahr beim Rekordmeister etabliert und kam insgesamt auf 42 Pflichtspieleinsätze. ​Bei den Bayern-Bossen gilt er längst schon als designierter Boateng-Nachfolger. Aus dem Münchener Innenverteidiger-Trio stand Süle sogar am häufigsten auf dem Platz, einmal mehr als Hummels, Boateng hatte gar elf Pflichtspieleinsätze weniger.


Die Verantwortlichen bei den Bayern sind nach Informationen der Bild deshalb von Süle derart überzeugt, dass man dem WM-Fahrer auch die sofortige Nachfolge von Boateng zutrauen würde. Im Halbfinal-Rückspiel der Champions League bei Real Madrid habe er das mit einer starken Leistung einmal mehr untermauert. 

Dass Boateng den Bayern tatsächlich den Rücken zukehrt, ist aber noch alles andere als beschlossen. Im DFB-Quartier in Watutinki ​reagierte der 29-Jährige mit Unverständnis auf die Rummenigge-Aussagen. Er wolle sich voll und ganz auf die WM konzentrieren, versicherte Boateng auf der Pressekonferenz. So richtig Fahrt aufnehmen könnten die Spekulationen aber spätestens nach dem Turnier. Die Bayern sind dabei entspannt - Nachfolger Süle ist schließlich schon da.